Der Stadt Oranienburg stand am Donnerstag (22. September) die nächste Bomben-Entschärfung bevor. Notwendig geworden war sie durch einen reinen Zufallsfund. Im Wald entdeckten Pilzsucher am Sonntag (18. September) den Blindgänger. Er muss dort über Jahrzehnte unbemerkt auf dem Waldboden gelegen haben. Das Erschreckende: Er hatte zwei intakte Zünder.
Die 250 Kilogramm schwere Bombe amerikanischer Bauart wurde in einem Waldstück des Klinkerhafens gefunden. Schnell war klar: Sie muss neutralisiert werden. Da der Fundort eine morastige Stelle ist, wurde eine Entschärfung ausgeschlossen.

Straße gesperrt

Für die störungsfreie Arbeit des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) sollte um 9.45 Uhr ein Sperrkreis mit einem Radius von 900 Metern um den Fundort eingerichtet werden. Vor Ort hieß es, der Sperrkreis werde erst kurz vor der Sprengung eingerichtet. Die Straße wurde gegen 10.45 Uhr für den fließenden Verkehr gesperrt.
Feuerwehr und Polizei durchsuchten den Sperrkreis. Für die Suche kamen Drohnenteams vom Landkreis und der Polizei Potsdam zum Einsatz. Vereinzelt mussten Pilzsammler und Spaziergänger aus dem Sperrgebiet geholt werden. 23 Personen wohnen in dem Radius. Sie wurden persönlich informiert, dass sie ihre Häuser verlassen müssen. Nur wenige seien nicht angetroffen worden und hätten ein Informationsschreiben in den Briefkasten bekommen. Eine Unterkunft oder einen Transport brauchte laut Stadt niemand.
Der Sperrkreis hat einen Radius von 900 Metern. Auch eine Straße muss gesperrt werden.
Der Sperrkreis hat einen Radius von 900 Metern. Auch eine Straße muss gesperrt werden.
© Foto: Stadt Oranienburg

Sprengung verzögerte sich um Stunden

Im Sperrkreis lagen die Lehnitzschleuse, das dortige Gewerbegebiet und ein Teil der Bernauer Straße. Damit ist die Verbindung von Oranienburg nach Schmachtenhagen gekappt. Der Schleusenbetrieb für den privaten Bootsverkehr war während der Bombensprengung unterbrochen.
Die Stadtverwaltung rechnete damit, dass die Sprengung nur vormittags für Einschränkungen sorgen wird. Gegen 11 Uhr sollte die Bombe gesprengt werden. Eine Stunde später konnte noch immer nicht gesprengt werden. Auch gegen 13.30 Uhr ertönte noch kein Signal.

Immer wieder Personen im Sperrkreis

Es kam zu Verzögerungen. Das bestätigte Stadtsprecherin Eike-Kristin Fehlauer. Der KMBD zünde per Funk, es gab „kleinere Übertragungsfehler“. Diese hielten an. Zuvor wurde erneut eine Person im Sperrkreis entdeckt, ein Flugzeug kreiste über der Bombe – allerdings in erlaubter Höhe. Auch später – nach 13 Uhr – wurde noch jemand im Gewerbegebiet gesichtet, der dort nicht sein sollte. Der unerlaubte Aufenthalt im Sperrgebiet sorgte mehrfach für Verzögerungen.
„Personen, die sich nicht an den Sperrkreis halten, gefährden den gesamten Ablauf und die Sicherheit aller Beteiligten. Umso mehr danke ich den Einsatzkräften, die unter schweren Bedingungen immer wieder dafür Sorge tragen, dass wir nach und nach die Bomben beseitigen, die noch in unserer Erde schlummern“, sagte Bürgermeister Alexander Laesicke (pateilos).

Sprengung gegen 13.41 Uhr

Per Funkzünder kam der KMBD ebenfalls nicht weiter. Dichter an die Bombe herantreten, war keine Option. „Bei dem dichten Wald gab es Übertragungsprobleme“, so Fehlauer gegen 13.30 Uhr. Doch die Experten hatten eine Alternative gefunden.
Gegen 13.41 war es dann so weit: Der 250-Kilo-Blindgänger konnte durch eine Sprengung unschädlich gemacht werden. Der Knall am Klikerhafen war weit zu hören. Zur Sicherheit galt eine kurze Karenzzeit und die B273 wurde nach Bombensplittern abgesucht. Der Sperrkreis und damit die Bernauer Straße konnten gegen 14 Uhr wieder freigegeben werden.

Mehr als 50 Einsatzkräfte im Dienst

„Mehr als 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, KMBD, Sachgebiet Kampfmittel der Stadtverwaltung und Stadthof“ waren im Einsatz, so die Stadtsprecherin am Morgen. In Oranienburg wurden seit den 1990er-Jahren weit mehr als 200 Bomben entschärft. Die Bombe am Klinkerhafen war Bombe Nummer 217.
Die Stadt bereitet seit Monaten eine weitere Neutralisierungen vor. An der Schleuse Friedenthal befinden sich zwei Anomalien. Eine davon liegt im Grund der Havel. Ihre Freilegung wird besonders kompliziert. Beide Bomben liegen in einer Tiefe von 12 Metern und damit tiefer als alle bisher in Oranienburg gefundenen Bomben.
Weitere Informationen zur Bombenlast in Oranienburg finden Sie auf unserer Themenseite.