Brand in Birkenwerder
: Aktion für Sachspenden für Opfer beendet – Hilfe ist dennoch nötig

Nach dem Brand in Birkenwerder: Die Annahme von Sachspenden für die betroffenen Opfer ist vorerst beendet. Trotzdem geben die Initiatoren der Kampagne nicht auf. Sie sammeln jetzt Geld.
Von
Jürgen Liebezeit
Birkenwerder
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Totalschaden: Das ausgebrannte Haus an der B96 in Birkenwerder ist nicht mehr nutzbar. Jetzt werden für die Mieter Spenden gesammelt.

Frank Lagrange

Wer durch ein Feuer von einer Minute zur anderen sein Hab und Gut verliert, steht quasi vor dem Nichts. Keine Klamotten, keine Papiere, kein Geld, sogar die Fotoalben sind für immer verschwunden. Nur das nackte Leben konnte gerettet werden. So ist es drei Mietparteien in der Nacht zu Montag, 19. Februar, in Birkenwerder ergangen. Schnell wurden Spendenaktionen ins Leben gerufen. Doch teilweise war das Ergebnis enttäuschend.

Shawny Hodyra hat schnell reagiert und beim Discounter Netto in Birkenwerder, wo sie als Filialleiterin arbeitet, eine Spendenabgabe organisiert. Ihr Mann Filip Hodyra, der mit einer Familie aus dem Haus eng befreundet ist, sammelte unmittelbar nach der Katastrophe Sachspenden für die Betroffenen, darunter auch ein Kind.

Doch diese Spendenaktion wurde jetzt beendet. „Da wurde auch Müll angeschleppt“, berichtet Marius Krebs, der als Berater der Initiatoren auftrat. So seien Kleidung in Übergröße oder eine Schrankwand aus den 1960er-Jahren angeboten worden. Dabei hatten die Mieter noch gar keine neue Wohnung in Aussicht.

Großeinsatz an der B96 in Birkenwerder.

Frank Lagrange

„Trotzdem sind wir und die Empfänger dankbar für die Spenden“, relativiert Shawny Hodyra. „Die meisten Spenden waren gebraucht, aber noch nicht verschlissen. Und über Geschmack lässt sich ja streiten“, ist sie dankbar für jede gut gemeinte Hilfe. Dennoch musste ein Müllsack voller ungeeignete Kleidung entsorgt werden. Die wichtigsten Bedürfnisse konnten dennoch befriedigt werden. Deshalb werden vorerst keine weiteren Sachspenden mehr angenommen.

Alternative im Internet

Doch es gibt jetzt eine Alternative, um zu helfen. Shawny Hodyra hat mit ihrer Mutter Manon im Internet ein Spendenkonto eröffnet. Wer die betroffenen Menschen mit Geld unterstützen möchte, kann auf die Seite von gofund.net gehen und unter dem Stichwort Birkenwerder die Kampagne finden. „Es wäre großartig, wenn wir als kleine Gemeinde für dieses Schicksal noch näher zusammenrücken und helfen – unkompliziert, selbstlos, also einfach machen. Bei etwa 8500 Einwohnern kommt sicher schnell eine hilfreiche Summe zusammen, die den Einzelpersonen fair zu gleichen Teilen und zu 100 Prozent zugutekommt“, versichern die Initiatorinnen. Ziel ist es, 20.000 Euro zu sammeln. Inzwischen sind fast 1800 Euro von 59 Personen gespendet worden. Eine Spende ist auch anonym möglich. „Mit dem Geld können die Betroffen das kaufen, was sie benötigen“, argumentiert die 27-jährige Shawny Hodyra, die mit ihrem Mann in der Nachbarschaft wohnt. „Das hat uns schon ganz schön mitgenommen“, begründet sie ihr Engagement.

Das Wohnhaus an der Hauptstraße (B96) im Zentrum von Birkenwerder ist am Sonntag, 18. Februar, gegen 22 Uhr durch einen defekten Wäschetrockner in Brand geraten. Der erste Verdacht, eine von Kindern vergessene Pizza im Backofen könnte das Feuer verursacht haben, bestätigte sich nicht.

Qualm im Hausflur

Ein Mieter hatte nach einem Spaziergang mit dem Hund Qualm im Flur bemerkt und Alarm geschlagen. Er konnte seine 13-jährige Tochter und ihre 15-jährige Freundin rechtzeitig ins Freie bringen. Die hatten im Kinderzimmer das Feuer in dem Wohn- und Geschäftshaus noch nicht bemerkt. Nach Angaben der Polizei entstand ein Sachschaden von rund 500.000 Euro. Das Haus, in dem sich im Erdgeschoss auch ein Dentallabor sowie eine Massagepraxis befanden, ist nicht mehr bewohnbar. Alle Bewohner sind bei Bekannten und Verwandten untergekommen – allerdings nicht alle in Birkenwerder.

Während des Einsatzes wurden nach Polizeiangaben sieben Menschen aus dem betroffenen Haus evakuiert. Außerdem mussten sechs Bewohner aus dem Nachbargebäude wegen der Rauchentwicklung ebenfalls ihre Wohnungen verlassen. Ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Gebäude konnte aber verhindert werden. Personen wurden nicht verletzt.

Petra Heym, Besitzerin des Hauses, ist froh, dass alle Bewohner aus dem Haus gerettet werden konnten. Sie dankt allen Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Birkenwerder, die insgesamt dreimal anrücken mussten, sowie den anderen Rettungskräften und der Polizei für den stundenlangen Einsatz.

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