Brand in Kremmen
: Nach Katastrophe in Beetz – Mieter ohne Wohnungen

Zu einem verheerenden Brand kam es kürzlich in Beetz. Im Ortsteil von Kremmen stehen nach der Katastrophe mehrere Mieter auf der Straße. Es gibt eine Spendenaktion und neue Erkenntnisse.
Von
Marco Winkler
Beetz
Jetzt in der App anhören
Brand im Kremmen, Ortsteil Beetz in der Nacht zum 29. April 2024 um 3.50 Uhr, vier Wohnungen ausgebrannt, Feuer, unbekannte Ursache, unbewohnbar, zwei Personen verletzt, eine schwer, Fotos vom 15. Mai 2024: Marco Winkler

Das Wohnzimmer nach dem Brand in Beetz (Kremmen). Mehrere Wohnungen sind unbewohnbar, die Mieter stehen auf der Straße. Noch zahlen die Versicherungen für eine Zwischenlösung. Doch der Wiedereinzug ist nicht in Sicht.

Marco Winkler

Der Schock sitzt immer noch tief, als sich mehrere Mieter am Mittwoch (15. Mai) vor ihren verrußten und durch Wasserschäden unbewohnbar gewordenen Mietwohnungen in Beetz treffen. Die Brandkatastrophe in dem Ortsteil von Kremmen ist zwei Wochen her. Wie geht es jetzt weiter? Es gibt neue Erkenntnisse.

Es ist die Nacht zu Montag (29. April 2024), als der Brand ausbricht. Hilfeschreie sind im Beetzer Triftweg zu hören, Balkontüren bersten explosionsgleich, Rauch vernichtet Inventar. Noch bevor Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte vor Ort eintreffen, verhindert die Nachbarschaftshilfe im kleinen Dorf weitaus Schlimmeres.

Brandnacht in Beetz: Nachbarn riskieren ihr Leben

„Die Hauswand fing an zu knistern“, erinnert sich Konstanze Hopp an diese verheerende Nacht. „Wenn die Nachbarn nicht gewesen wären“, sagt Evelyn Kretschmer und bringt den Gedanken lieber nicht zu Ende. Seit 1991 wohnt sie in dem Neubaublock. Jetzt muss sie alles entsorgen. Der Ruß liegt in dicken Schichten auf Oberflächen, Möbel sind mit Qualm getränkt.

Dass die Mieterinnen und Mieter mit dem Leben davongekommen sind, haben sie wohl ihren direkten Nachbarn ein Haus weiter zu verdanken. Sie riskierten ihr eigenes Leben, indem sie zum Aufgang des Wohnblocks eilten und sämtliche Mieter aus ihren Wohnungen klingelten. Sie hörten Schreie und traten die Tür zur Brandwohnung ein. Dichter Qualm schlug ihnen entgegen.

Brand im Kremmen, Ortsteil Beetz in der Nacht zum 29. April 2024 um 3.50 Uhr, vier Wohnungen ausgebrannt, Feuer, unbekannte Ursache, unbewohnbar, zwei Personen verletzt, eine schwer, Fotos vom 15. Mai 2024: Marco Winkler

Der Wohnblock in Beetz gehört der Woba Kremmen. Mehrere Wohnungen sind unbewohnbar, die Mieter sind verzweifelt.

Marco Winkler

In der Wohnung: eine bewusstlose, verletzte Frau auf dem Boden und ein hilfloser Lebensgefährte. Die Nachbarn trugen die 39-Jährige aus der Wohnung. Der 36-Jährige konnte durch das Vordringen ebenfalls der Brandwohnung entkommen. Beide wurden von den aufmerksamen Nachbarn betreut. Auch die anderen Mieter konnten inzwischen Feuer und Qualm entkommen.

„Wir sind der Familie unendlich dankbar“, sagt Evelyn Kretschmer. Ohne sie hätte es für alle ein schreckliches Ende nehmen können. Konstanze Hopp ergänzt: „Das sind unsere Retter.“ Die Tochter der Nachbarn habe sich um die Mieter gekümmert, sie mit Socken, Jacken, Decken, Getränken versorgt, sie beruhigt. Die Feuerwehr übernahm die Erstversorgung in der Feuerwache Beetz mit Kaffee und einem kleinen Frühstück. Bis in die Morgenstunden dauerten die Löscharbeiten an.

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen. Der Mieter, dessen Wohnung komplett ausgebrannt ist, trägt Verbranntes und Kaputtes aus der Wohnung. Die Wohnung ist schwarz, Boden, Decken, Wände. Der Putz im Wohnzimmer ist abgeplatzt, das Mauerwerk liegt, überall häufen sich Schutt und Geröll. Ein verkohltes Chaos. Im Gespräch mit den Mietern wird klar: Das Verhältnis unter den Nachbarn ist nicht immer einfach gewesen. Auch jetzt wirkt die Situation angespannt.

Der Mieter der Brandwohnung entschuldigt sich an diesem Tag zum ersten Mal bei seinen Nachbarn. Es tue ihm leid, er habe das nicht gewollt. Seiner schwer verletzten Lebensgefährtin gehe es den Umständen entsprechend, sagt er. Sie wurde über mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt, hat viele Hauttransplantationen vor sich. Der ebenfalls aus der Wohnung gerettete Hund erhole sich.

Nach Brand: Mehrere Wohnungen unbewohnbar

Seine Nachbarn haben auf diese Kontaktaufnahme und Entschuldigung gewartet. „Nur das wollten wir hören“, sagt eine betroffene Mieterin. „Ihr könnt ja auch nichts dafür“, sagt eine andere. Eine weitere schweigt. Vier Wohnungen sind durch den Brand und die anschließenden Löscharbeiten unbewohnbar. „Bei mir gibt es einen Wasserschaden“, sagt Konstanze Hopp. Sie hat gerade mit der Versicherung telefoniert. Wie jede der betroffenen Mietparteien täglich.

Klarheit gibt es kaum, nur Warterei und viele Telefonate. Evelyn Kretschmer ist im Hotel in Sommerfeld untergekommen, Konstanze Hopp in einer kleinen Ferienwohnung. 100 Tage zahlt die Versicherung. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Der Mieter der Brandwohnung war erst in der Obdachlosenwohnung in Staffelde, jetzt lebt er in Berlin und will dort auch bleiben.

Brand im Kremmen, Ortsteil Beetz in der Nacht zum 29. April 2024 um 3.50 Uhr, vier Wohnungen ausgebrannt, Feuer, unbekannte Ursache, unbewohnbar, zwei Personen verletzt, eine schwer, Fotos vom 15. Mai 2024: Marco Winkler

Die Brandwohnung in Beetz: Die Folgen des Feuers sind verheerend. Durch den Qualm und Rauch wurden weitere Wohnungen unbewohnbar.

Marco Winkler

Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse zur Brandursache. Laut Polizeisprecher Joachim Lemmel von der Polizeidirektion Nord ist nach aktuellem Ermittlungsstand ein Gasheizgerät verantwortlich. Das Mini-Heizgerät soll unter einem Tisch im Wohnzimmer gestanden und diesen in Brand gesetzt haben. Danach breitete sich das Feuer in Windeseile aus.

Enervierend für alle Betroffenen: Sie haben kein konkretes Zeitfenster, wann sie wieder einziehen können. Sie fühlen sich etwas im Stich gelassen. Der Neubaublock gehört Kremmens Wohnungsbaugesellschaft (Woba). Geschäftsführer Eckhard Kuhn spricht von drei Wohnungen, die nicht mehr bewohnbar sind. „Bei der Wohnung über der Brandwohnung konnten die Gutachter keinen Ruß feststellen“, sagt er.

So geht es in den Wohnungen nach dem Brand weiter

Angebote für den Übergang konnte die Woba ihren Mietern nicht machen. „Wir haben keine möblierten Wohnungen frei“, so Kuhn. Die Mieter mussten das Wenige retten, was sie retten konnten, kaum wissend, wohin mit den Sachen, die noch intakt sind. Sie im Keller zu lagern, funktioniert nicht. Dort ist es feucht, sagen die Mieter.

Am 16. Mai werde laut Kuhn ein Handwerkerservice vorsichtshalber die Decke der Brandwohnung abstützen. Es folgen: Baustrom, Bautrockner, Beräumung. Die Instandsetzungsarbeiten in allen Wohnungen, auf dem Balkon und im Treppenaufgang übernehme die Versicherung der Woba. „Unsere Gebäudeversicherung wendet sich dann an die Hausratsversicherung der Mieter. Hier zeigt sich, wie wichtig diese Versicherung auch für Menschen in Mietwohnungen ist.“

Wann können die Mieterinnen wieder einziehen? Die Frage quält die Bewohner. Sie sehen kein Licht. Unter Vorbehalt könnte die Brandwohnung Anfang September wieder bewohnbar sein, so Kuhn. Bei den anderen Wohnungen sollte es schneller gehen. „Voraussichtlich wird es keine drei Monate dauern.“ Die Mieter bezweifeln, dass es so schnell geht.

Ortsvorsteher Peter Winkler (SPD) beschäftigt der Brand seit Tag eins. Er hat in Abstimmung mit dem Ortsbeirat einen Spendenaufruf gestartet. „Trotz Versicherungsleistungen sind erhebliche Kosten für die Mieter entstanden“, heißt es dort. „Gemeinsam können wir helfen, niemanden alleine zu lassen und die größte Not abzuwenden.“ Sachspenden sind nicht erwünscht. Wie das Geld verteilt wird, regelt später die Notsituation, so Winkler.

Spendenkonto für die Mieter der Brand-Wohnungen in Beetz

Kontoverbindung:
Kameradschaftsverband der freiwilligen Feuerwehr Beetz-Sommerfeld e.V.
Mittelbrandenburgische Sparkasse
IBAN: DE11 1605 0000 1000 6194 74
Verwendungszweck: „Brandopfer“ (Hinweis von Peter Winkler: „Unbedingt angeben!“)