Wasserschaden in Berlin-Spandau
: Eigentümer im Streit mit Versicherung ‒ Haus in Gefahr?

Nach einem Wasserschaden kämpft ein pensionierter Feuerwehrmann aus Berlin-Spandau seit 19 Monaten um sein Haus. Versicherung und Hausbesitzer sind sich uneinig. Jetzt scheint er das Haus verkaufen zu müssen.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Hausbesitzer mit Wasserschaden

Thomas Paech wartet seit über eineinhalb Jahren, dass auf der Baustelle, die früher mal sein Zuhause war, etwas voran geht. Die Fronten zwischen dem Geschädigten und seiner Versicherung sind verhärtet. Eine Einigung  scheint in weite Ferne gerückt.

Jessica Neumayer

Seine Pension hat sich Thomas Paech anders vorgestellt. Der ehemalige Feuerwehrmann wollte Abstand vom den stressigen Einsätzen gewinnen, herunterkommen und seine Rente im Eigenheim im Spandauer Ortsteil Staaken genießen. Doch seit 19 Monaten ist er obdachlos. Nach einem Wasserschaden ist sein Haus unbewohnbar. Die Einigung mit der Versicherung gestaltet sich schwierig.

Vor mehr als eineinhalb Jahren hat Hausbesitzer Thomas Paech im Urlaub ein Horror-Anruf erreicht. Ein Wasserschlauch unter dem Waschbecken war kaputt. Über fünf Tage liefen zirka 8000 Liter Wasser vom Obergeschoss in die unteren Etagen. Böden, Treppen und Wände waren durchnässt, Möbel zerstört. Später wurde festgestellt, dass die Wände aus Pressspanplatten vom Schimmel befallen sind. Das Haus musste komplett entkernt werden.

Konflikt um Kosten mit Versicherung

Paech engagierte in Rücksprache mit der Versicherung einen Architekten für den Wiederaufbau. Die Kosten seien laut Versicherungspolice abgedeckt. Als die Rechnung des Architekten jedoch schon 25.000 Euro umfasste, wurde sie zum Streitpunkt.

Laut Paech und seinem Architekten sind die Rechnungen ordnungsgemäß nach Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) gestellt. Die Versicherung sieht in den Rechnungen jedoch eine Doppelabrechnung ‒ sowohl nach HOAI, als auch nach Stunden.

Wasserschaden Schimmel Haus

Der Wasserschaden ist an den Wänden noch deutlich sichtbar. Die Feuchtigkeit hat sich im ganzen Haus ausgebreitet und Spuren hinterlassen.

Jessica Neumayer

Ähnlich uneinig sind sich Hausbesitzer und Versicherung auch in anderen Punkten. Dabei geht es um Kosten für die Unterkunft bis zur Sanierung des Hauses, Erstattung des zerstörten Hausrats, Kosten für die Helferstunden sowie Stromkosten für die Trocknung und Räumung des Hauses in Eigenregie.

Ein neues Gutachten sollte nun zu einer Einigung führen. Paech wurden kurz vor Ostern 2024 von der Versicherung 400.000 Euro angeboten. Das gleiche Angebot, das ihm schon vor dem Gutachten gemacht wurde. Er musste es jedoch ablehnen.

Eine Sanierung oder ein Neubau mit Abriss würden laut Paechs Recherchen Kosten um die 550.000 bis 600.000 Euro verursachen. „Somit würde die vorgeschlagene Summe nicht mal die Aufbaukosten decken“, sagt Paech. Er merkt an: „Von der Summe würden auch noch die Kosten für das Generalunternehmen, das die Sanierung vorgenommen hat, abgezogen werden."

Laut Versicherung setze sich die errechnete Summe aus dem ermittelten Neuwertschaden in Höhe von 285.600 Euro sowie Aufräumungs- und Abbruchkosten von 31.547 Euro zusammen. Dazu gibt es noch einen Betrag von rund 80.000 Euro zur freien Verfügung für offene Kosten.

„Diese wären damit nach unserem Verständnis mehr als großzügig abgegolten gewesen, da die vom Kunden geltend gemachten Beträge zu Helferstunden und Architektenkosten aus unserer Sicht deutlich überhöht sind“, teilt die Sachbearbeiterin der AXA Versicherung mit.

Streit über die Schadenshöhe

Besonders ärgert Paech, dass das Gutachten den aktuellen Stand des Hauses nicht berücksichtigt. „Der Gutachter war aktuell nicht mal vor Ort“, sagt er. Paech habe auch darauf hingewiesen, dass in den unbewohnten Monaten der Verdacht auf Schimmelbildung an den Außenwänden aufkam und eine erneute Probeentnahme nötig wäre. „Das ist aber alles nicht geschehen,“ sagt der Hausbesitzer.

Wasserschaden Hausbesitzer Spandau

Über fünf Tage ist Wasser aus dem Bad im Obergeschoss bis in den Keller gelaufen und hat Böden, Treppen und Wände durchnässt. Trotz des Abrisses der vorwiegend aus Pressspan und Rigips bestehenden Innenwände ließ sich die Verbreitung von Schimmelsporen nicht unterbinden.

Jessica Neumayer

Laut Versicherung sei der Sachverständige für die Ermittlung des Gebäudeschadens zweimal vor Ort gewesen. Außerdem hätte es zwei Ortstermine mit einem chemischen Sachverständigen gegeben, der ein Sanierungskonzept zur Schimmelpilzsanierung erstellt hat. „Diese Besichtigungen waren 2022. Seitdem hat sich der Zustand des Hauses nochmal erheblich verändert“, erwidert Paech.

Paechs Gegenangebot einer Zahlung in Höhe von 550.000 Euro hat die Versicherung abgelehnt. „Jetzt läuft es auf ein Sachverständigenverfahren hinaus“, sagt der Hausbesitzer. Das heißt, jede Partei benennt einen Sachverständigen und alle Argumente werden vor einem Gericht vorgetragen. „Das wollte ich eigentlich umgehen, weil sich das über Jahre hinziehen kann.“

„Ich komme mir vor wie ein Bettler“, sagt Paech. „Dabei steht mir laut Police zu, dass das Haus wieder in den vorherigen bewohnbaren Zustand gebracht wird“. Wenn Paech die Summe von 400.000 Euro akzeptieren würde, blieben ihm, nach Abzug der Kosten für die schon getätigten Sanierungsarbeiten, noch rund 244.000 Euro, mit denen er das Haus aufbauen kann.

„Davon müsste ich dann auch noch alle offenen Zusatzposten bezahlen“, sagt Paech. Sollte es auch beim Vergleich bei dieser Summe bleiben, müsse er sein Haus verkaufen. „Mir fehlt dann das Geld, um das Haus wieder komplett aufzubauen.“