Bürgermeisterwahl in Hohen Neuendorf 2023
: Das sind die Ziele und Visionen der Kandidaten

Spannung vor der Bürgermeisterwahl in Hohen Neuendorf: Amtsinhaber Steffen Apelt (CDU), Franziska Reichel (Grüne) und Michael Gerlach (parteilos) bewerben sich um das Amt. Das sind ihre Pläne.
Von
Stefan Zwahr
Hohen Neuendorf
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Dreikampf in Hohen Neuendorf: Die Herausforderer von Bürgermeister Steffen Apelt (CDU, Mitte) sind Franziska Reichel (B90/Grüne, links) und der parteilose Einzelbewerber Michael Gerlach.

Jennifer Thomas, Marco Winkler, Michael Gerlach

In Hohen Neuendorf wird am 5. November gewählt. Wer wird Bürgermeister? Amtsinhaber Steffen Apelt (CDU) wird vom parteilosen Einzelbewerber Michael Gerlach und der bündnisgrünen Franziska Reichel herausgefordert. Welche Ideen und Ziele haben die drei Kandidaten? Die Redaktion hat sich die Wahlprogramme angesehen.

Die Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister beziehungsweise zur hauptamtlichen Bürgermeisterin von Hohen Neuendorf findet am Sonntag, 5. November, statt. Eine mögliche Stichwahl ist für den 19. November angesetzt. In den Wahllokalen kann von 8 bis 18 Uhr gewählt werden. Briefwahl ist möglich.

Steffen Apelt (CDU)

Steffen Apelt stellt sich zum ersten Mal der Wiederwahl. Seit dem am 1. März 2016 ist der CDU–Politiker Bürgermeister. „Die täglich neuen Herausforderungen, motivierte Mitarbeiter und eine unvergleichbare Stadt“ (Hohen Neuendorf ging 2022 aus dem „Familienkompass“ als familienfreundlichste Stadt in Oberhavel hervor) würden diese Aufgabe so reizvoll machen. Seine Familie habe anfangs Schwierigkeiten „mit meinem Wunsch nach einer erneuten Kandidatur“ gehabt — „aufgrund der Zeit und Hingabe, die diese Aufgabe mit sich bringt“. Die Unterstützung sei dennoch da, „weil sie meine Leidenschaft zu diesem Beruf respektieren“.

Er wolle in den kommenden Jahren alles dafür tun, „dass unsere Stadt lebens– und liebenswert bleibt“. Bei seinem Amtsantritt habe die Stadt ein Haushaltsvolumen von 38 Millionen Euro gehabt. „Im Haushaltsplan 2024 rechnen wir mit 66 Millionen an Aufwendungen.“ Und die Zahl der Mitarbeiter sei von 167 auf 196 gestiegen. „Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine Transformation, hin zu einer modernen, wenn nicht sogar die modernste Verwaltung in Oberhavel.“

Apelt: „Modernes Verwalten und kreatives Gestalten bilden für mich eine Einheit.“ Bei der Umsetzung dieses Mottos soll ein 10–Punkte–Plan helfen. In diesem werden Themen wie Stadtbuslinie, abschließbare Fahrradabstellanlagen („Wir werden prüfen, inwieweit sich hinsichtlich der Sicherheit die Anlage am Müllheimer Platz bewährt hat“) und Betreuungsangebote „in ausreichend vorhandenen und qualitativ hochwertig ausgestatteten Einrichtungen wie Kita, Hort und Schule“ thematisiert. Auch bezahlbarer Wohnraum — „Der Eigenbetrieb Wohnen wird in den nächsten Jahren bis zu 200 sozial geförderte Wohnungen errichten“ — und der Aus– und Neubau der freiwilligen Feuerwehren sowie die Installation von PV–Anlagen auf kommunalen Dächern und Digitalisierung hält der Amtsnhaber für wichtig. Aktuelle Baumaßnahmen würden deutlich machen, „wie sehr wir als Stadt versuchen, das Wachstum mitzugestalten und den Anforderungen an stärkere umweltfreundliche Mobilität gerecht zu werden“. Dabei wolle er sich mit seinem Team auch dem Thema Einheimischenmodel widmen.

Steffen Apelt betont: „Der Handlungsspielraum eines Bürgermeisters ist begrenzt. Er kann die Welt nicht verändern, aber die Auswirkungen abfedern, lokale Lösungen finden und Gemeinsinn fördern.“ Dabei kann der 61–Jährige auf reichhaltige Erfahrungen verweisen. Mitglied im Stadtverband der Christdemokraten ist der gebürtige Sachse (zog 1970 nach Oranienburg und 1983 nach Hohen Neuendorf) seit 2002 aus Überzeugung — was viele Jahre in der Rolle des Fraktionsvorsitzenden zeigen. Dennoch sage seine Frau nach 40 Ehejahren, ihn manchmal nicht wiederzuerkennen. „Sie sagt, dass ich gelegentlich grüner bin als die Grünen und sozialer als die Sozis.“ Das bringe der Job so mit sich. „Als Bürgermeister sollte man kein Parteisoldat sein und auch weitestgehend frei von Ideologie.“ Man müsse vorurteilsfrei in der Sache entscheiden.

Hat der Job als Bürgermeister zu weiteren Veränderungen geführt? Apelt, seit 1992 politisch aktiv, nennt in diesem Zusammenhang den Umgang mit dem Personal. „Wenn es in meinem früheren Leben als Unternehmer nur eine Richtung gab, die zählte, nämlich meine, so bin ich mittlerweile ein absoluter Teamplayer geworden. Ich schätze den fachlichen Austausch mit meinen Mitarbeitern.“

Franziska Reichel (Bündnis 90/Grüne)

Eine nachhaltige Verwaltung, „die lösungsorientiert schnelle und transparente Entscheidungen trifft“, bezeichnet Franziska Reichel als ihr Ziel. Die 40–Jährige — die seit 2013 mit ihrem Mann und drei Kindern in Hohen Neuendorf lebt — geht für Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen, nachdem sie sich im parteiinternen Duell gegen Oliver Jirka durchgesetzt hatte. „Als Bürgermeisterin werde ich mich dafür einsetzen, dass unsere Stadt lebenswert und zukunftsfähig bleibt.“

Seit 2018 ist die Kriminalhauptkommissarin, die beim Bundeskriminalamt arbeitet, bei den Grünen und in der Stadtverordnetenversammlung. „Als Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende setze ich mich tagtäglich für eine lebenswerte Zukunft für uns alle ein.“ Dazu gehöre eine behutsame und ökologische Stadtentwicklung: „Leben, Wohnen und Arbeiten hauptstadtnah und doch mitten im Grünen.“ Die Zukunft sehe sie eher „in einer qualitativen Aufwertung von Bestandsgebäuden und Freiflächen als im großangelegten Neubau“. Die weitere Versiegelung der Stadt werde sie verhindern. „Ökologische Baustandards und Maßnahmen zum Klimaschutz sind zentrale Leitlinien für unsere Zukunft und mein Handeln.“

Wichtig sei ihr, die Einwohner in Beteiligungsprozesse besser einzubinden und bei Entscheidungen besser zu informieren. Beispiel: Ein Bürgertelefon soll täglich für Sicherheits– und Ordnungsangelegenheiten erreichbar sein. „Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Als Kriminalhauptkommissarin weiß ich, wovon ich spreche!“

Im Bereich Soziales schweben der ausgebildeten Rettungsschwimmerin Themen wie Begegnungsstätten in allen Stadtteilen („Bestehendes bekannter machen und Angebote ausbauen“), sichere Schulwege und gute Betreuungs– und Bildungsangebote vor. „Ich werde das soziale Miteinander fördern und Raum für Begegnungen für uns alle schaffen. Dazu werde ich die vielen Vereine stärken, die täglich unsere Stadt lebendig machen und unser Miteinander durch viel Engagement und Herzblut unserer Ehrenamtlichen gestalten.“

„Als Mutter liegt mir das Wohl unserer Jüngsten ganz besonders am Herzen.“ Grundvoraussetzung für gute Bildung, Kinderbetreuung und Jugendarbeit seien gute Bezahlung und Arbeitsbedingungen sowie soziale Sicherheit für das Betreuungspersonal. „Ebenso eine gute Ausstattung, ausreichend Räumlichkeiten und energetisch sanierte Gebäude. In Kitas und Schulen werde ich deshalb kontinuierlich investieren.“ Nicht zu vergessen: „Bibliotheken sind für die Entwicklung unserer Kinder unverzichtbar. Daher müssen die Standorte an den Grundschulen dringend erhalten bleiben.“

Vom Erhalt und Ausbau der Spielplätze, einem vielfältigen Angebot für Sport und Spiel sowie naturnahen Grünflächen mit Erholungswert ist die Rede — und von einer sicheren, bezahlbaren und unabhängigen Energieversorgung. Um diese gewährleisten zu können, spricht Reichel von der Gründung eines Stadtwerks innerhalb der Nordbahngemeinden.

Um die Verkehrssituation in der Stadt zu verbessern, will die Grüne für einen verbesserten Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr sorgen, Fahrradstraßen und verkehrsberuhigte Zonen im Zentrum einrichten und einen Rufbus für Senioren etablieren.

Michael Gerlach (parteilos)

Im Privatleben Hobbygärtner, Kinogänger, Kaninchenzüchter und Hundemensch, im Beruf Zuhörer und Problemlöser: Michael Gerlach, der seit 2010 in der Niederheide lebt, will als parteiloser Einzelbewerber auf den Bürgermeisterstuhl. „Ich verstehe dieses Amt als Bindeglied zwischen Bürgerschaft sowie Verwaltung und Politik — und das auf Augenhöhe.“ Der 34–Jährige bezeichnet sich als bürgernah, glaubwürdig sowie verlässlich und verspricht „Entscheidungen mit Weitsicht, Bürgerbeteiligung und einem respektvollen Miteinander“.

Der Diplom–Finanzwirt, der auch gelernter Restaurant– und Hotelfachmann ist, will etwas verändern. In seinem Wahlprogramm tauchen Schlagzeilen wie Bürgerbeteiligung fördern und fordern, Gemeinschaftsgefühl der Ortsteile stärken (örtlicher Wechsel von Veranstaltungen, Bürgerhaushalt an Einwohnerzahl koppeln, ausgeglichen sanieren und ausbauen) sowie Identität und Charakter der Stadt bewahren (Neubau passend zum Stadtbild, Versiegelungen aufheben) auf. „Ich trete für behutsame und gleichmäßige Entwicklung in den Ortsteilen ein.“

Als Mitarbeiter des Finanzamtes Oranienburg will er auch die Finanzen im Blick haben. Eine Überbrückung städtischer Vorhaben mit Krediten sei ein probates Mittel. Die finanziellen Möglichkeiten der Stadt sollen aber komplett auf den Prüfstand. Wichtig sei, Investitionen dort zu leisten, wo sie tatsächlich benötigt werden. „Wir müssen verhältnismäßig und logisch investieren, um auch so unnötige Kosten für die folgenden Jahre zu vermeiden.“

Unter kurzfristig umsetzbaren Zielen werden eine höhere Sauberkeit der Ortsteile, zusätzliche kulturelle Angebote, die Erweiterung von Spielplätzen oder die Schaffung von Freizeitangeboten genannt. Unter mittel– und langfristigen Zielen führt Gerlach die Ausweisung von Flächen für Hundeauslauf und Agility (Hundesportart) sowie Grünflächen auf, spricht von der Schaffung von Themenspielplätzen und Begegnungsstätten sowie der Ansiedlung von Gewerbe in den Ortsteilen.

Auf Repräsentation der Stadt und Leitung der Verwaltung sieht sich Gerlach — der seit knapp einem Jahr verheiratet ist und mit seinem Mann ein Kind adoptierte — durch seine Ehrenamtstätigkeit auf Kreis– und Landesebene, seine Berufserfahrung in der Finanzverwaltung des Landes und durch sein unternehmerisches Denken bestens vorbereitet. „Ein Bürgermeister ist kein Fachmann in allen Lebenslagen.“ Daher wolle er auf die Expertise von Fachleuten zurückzugreifen. Getroffene Entscheidungen und Vorhaben will er unzensiert kommunizieren.

Beim Blick in die Zukunft will der in Königs Wusterhausen geborene Hobbybäcker auch diese Dinge anpacken: Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Kitas optional in städtischer Trägerschaft führen, Aufbau eines trägerübergreifenden Erzieher–Pools, Schulen fortschrittlich ausstatten, kein Wohnungsbau ohne entsprechende Schul– und Kitaplätze, Auflösen städtischer Bodenversiegelungen, Ausbau des E–Ladenetzes, Schaffung kostenloser Sportmöglichkeiten. Senioren sollen sich auf die Förderung von Nachbarschaftsinitiativen, bessere Barrierefreiheit und das Voranbringen von altersgerechtem Wohnungsbau freuen können. Und: „Ziel muss es sein, die Stadt für Kfz, Fahrrad, ÖPNV und Fußgänger so aufeinander abzustimmen, dass der ,Verkehrslähmung‘ entgegengewirkt wird.“

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