Für die notwendigen klinischen Studien fehlen allerdings noch die Genehmigungen und Förderzusagen. Für Hans Hoffmeister mahlen die Bürokratie-Mühlen viel zu langsam. "Wir hätten längst helfen können", sagt er. So sitzt er auf heißen Kohlen und beobachtet die steigenden Zahlen der Todesopfer.
"Der deutsche Vorgang dauert ewig", sagt Hoffmeister. Er will nicht wütend klingen. Aber Frust schwingt mit. Denn die Welt schreitet voran – ohne deutsche Beteiligung. "In den USA, China und Israel werden Zellen wie unsere schon eingesetzt, es gibt erste Erfolge", berichtet der Senior im Unternehmen. Gute 30 klinische Studien werden mit den  Mesenchymalen Stammzellen (MSC) und Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) weltweit durchgeführt. Sie kommen bei Patienten mit besonders schweren Krankheitsverläufen zum Einsatz. "Seit drei Jahren haben wir für die Zellen die Herstellungserlaubnis, wir könnten sofort in größeren Mengen produzieren. Doch wir kommen nicht zum Zug."

Kontakt zu Vivantes

Er hat Kontakt zur Vivantes-Klinik in Berlin. "Die Sterblichkeitsrate bei Menschen, die maschinell beatmet werden, liegt dort bei 50 Prozent", habe er erfahren. "Wenn man es hart formulieren würden: Wir hätten einige der Todesfälle verhindern können."
Das Anliegen aus Oberkrämer liegt offenbar gerade beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. "Die sehr bürokratischen Anforderungen für den Antrag haben wir im April fertiggestellt", sagt Hoffmeister.  "Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat die Abwicklung übernommen, dort haben sie uns schon die Daumen gedrückt, beim BMBF Erfolg zu haben." Doch seit anderthalb Wochen kein Wort aus Berlin.  "Wir müssen warten", sagt Hans Hoffmeister.
Weltweit seien etwa 60 Arzneimittelstudien in Vorbereitung. Die meisten beschäftigen sich mit der Entwicklung eines Impfstoffes oder generell Arzneistoffen, die antiviral wirken. Die Stammzell-Methode aus Oberkrämer ist dabei nicht mit einem Impfstoff gleichzusetzen. "Das Virus spielt in dem Stadium kaum noch eine Rolle", sagt Hoffmeister, selbst Epidemiologe. Die bisher weltweit durchgeführten Studien – in einigen Ländern wurde die Zulassung der klinischen Prüfungen beschleunigt – hätten bewiesen, dass die MSC und Killerzellen eine Sofortwirkung  bei Patienten haben, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen wurden.
Hans Hoffmeister spricht davon, dass teilweise sechs von sieben Patienten positive Erfahrungen mit den Zellen erleben konnten. "Das Virus wird nicht getötet, aber die Entzündung durch die Stammzellen gestoppt", sagt er. Zumindest aber gedämpft, so dass eine maschinelle Beatmung überflüssig wird. Die Killerzellen würden Lunge, Herz, Nieren von den lebensbedrohlichen Entzündungen befreien.

Jahrelange Erfahrung

Er hofft deshalb auf eine schnelle Bestätigung der notwendigen klinischen Studie,  um die Wirksamkeit der Behandlung auch eindeutig belegen zu können. Die Natürlichen Killerzellen werden aus Spenderblut hergestellt. Es sind Stammzellen. Zellwerk hat laut eigener Auskunft seit zehn Jahren Erfahrung mit den NK-Zellen. In Zusammenarbeit mit der Berliner Charité konnte in Eichstädt ein Verfahren zur Herstellung großer Mengen der Zellen entwickelt werden. "Das besitzt bis heute Alleinstellungsmerkmale", so Hoffmeister. Die Zellen seien besonders rein.
Der Zellwerk-Chef geht davon aus, dass Herstellung und Studie einen einstelligen Millonenbetrag  kosten. "Wir sind bereit", sagt er und blickt weiter auf die Zahl der Todesopfer, die das Coronavirus fordert. In Deutschland sind es beinahe 8 000.

Massenproduktionvon Zellen


Zellwerk, gegründet1997, ist in der Forschung und Entwicklung im Bereich der Biotechnologie tätig. Unter anderem werden Verfahren für die Life Science Branche erarbeitet.

Dazu gehört die Massenproduktion von NK-Zellen, T-Zellen und Mesenchymale Stammzellen (MSC). Die Zellen werden für klinische Studien und zu therapeutischen Zwecken hergestellt. win