Corona in Brandenburg: Erste Patienten aus Hohen Neuendorf – Ehepaar blickt zurück

Als vor fünf Jahren der erste bundesweite Lockdown (Symbolfoto) wegen Corona verhängt wurde, war das Ehepaar Nitze aus Hohen Neuendorf schon längst in Quarantäne. Svent und Odett Nitze erinnern sich mit gemischten Gefühlen an die Zeit.
Arne Dedert/dpa- Der erste Corona-Fall in Brandenburg wurde am 2. März 2020 in Hohen Neuendorf bestätigt.
- Ehepaar Nitze aus Hohen Neuendorf infizierte sich kurz nach dem ersten Fall.
- Trotz Quarantäne und Tests erholte sich das Paar ohne langfristige Schäden.
- Mehr als 500 Menschen in Oberhavel starben an Covid, meist mit Vorerkrankungen.
- Der erste bundesweite Lockdown begann am 22. März 2020.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Fast 90.000 Menschen in Oberhavel haben sich laut dem führenden Robert-Koch-Institut seit 2020 mit dem Corona--Virus infiziert. Der erste offizielle Fall jährt sich nun zum fünften Mal. Ein Mann aus Hohen Neuendorf hatte sich infiziert.
Der positive Test war am 2. März 2020. Der damals 51-Jährige hatte nach einer Reise nach Südtirol Symptome einer Virusinfektion gezeigt und sich in der Asklepios-Klinik in Birkenwerder vorgestellt. Er wurde dann zur Rettungsstelle nach Hennigsdorf gebracht und positiv getestet. „Patient 1 in Oberhavel“ kam ebenso wie seine Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne.
Ehepaar aus Hohen Neuendorf fährt ohne Angst in den Urlaub
Mehr als 500 Menschen sind in Oberhavel in den vergangenen fünf Jahren an Covid gestorben. Allerdings gab es oft schwerste Vorerkrankungen.
Das Ehepaar Odett und Svent Nitze aus Hohen Neuendorf gehörte mit zu den ersten Betroffenen in der Region, die sich mit dem ominösen Virus angesteckt hatten. Fünf Jahre danach erinnern sie sich an eine Zeit, die für alle anstrengend war.
Die Schreckensmeldungen aus China über den neuartigen Virus Sars-CoV-2 zu Jahresanfang schreckte das Ehepaar aus Hohen Neuendorf nicht davon ab, die schon lange geplante Ski-Reise nach Serfaus-Fiss-Ladis in Tirol (Österreich) anzutreten. Erste Meldungen aus dem Nachbarland sorgten zwar für Sorgenfalten bei der Gruppe, aber nicht für Angst. Schließlich befand sich unter den befreundeten Skifans aus Oberhavel eine erfahrene Ärztin. Sie riet damals zur Besonnenheit. „Das hat uns beruhigt“, erinnert sich die 61-jährige Odett Nitze im Rückblick.

Covid-Infektion überstanden: Odett und Svent Nitze aus Hohen Neuendorf gehörten mit zu den ersten Menschen in Oberhavel, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Anfang März vor fünf Jahren gab es in Hohen Neuendorf den ersten Fall in Brandenburg. Wenige Tage später erwischte es auch das Ehepaar.
Jürgen LiebezeitVerunsichert wurde die Gruppe erst, als die Pensionswirtin berichtete, dass das Tal, ja sogar ganz Österreich wegen des Superspreader-Events in Ischgl geräumt werden müsste. Der Lockdown stand unmittelbar bevor. „Social Distancing“ wurde angeordnet, Veranstaltungen abgesagt. Kurz vor Inkrafttreten der Quarantäne in Tirol trat die Gruppe überstürzt die Heimreise an. Das war allerdings nicht unbedingt die Flucht vor Covid, sondern eher die Angst vor den endlosen Staus in den Alpentälern, weil alle Ausländer Österreich verlassen mussten.
Corona-Zahlen in Oberhavel steigen schnell an
Ausgerechnet am Freitag, 13. März 2020, kam das Ehepaar Nitze in Hohen Neuendorf an. Symptome hatte keiner von beiden. Trotzdem riet die Ärztin zu einem Test, der auch gemacht wurde. Negativ! Doch dann wird der Allgemeinzustand immer schlechter. „Ich war richtig down, konnte kaum noch aufstehen“, erinnert sich Odett Nitze. Selbst fürs Gassi-Gehen mit dem Hund war keine Kraft mehr da. Inzwischen war auch der Covid-Test positiv, bei ihrem Mann aber immer noch nicht.
Sein dritter Test fand in Hennigsdorf statt. „Das war wie auf einer Raumstation.“ Alle trugen Schutzanzüge und Masken. Das Ergebnis war wieder negativ.
Doch die Corona-Zahlen in Deutschland, und somit auch in Oberhavel, stiegen weiter. Der erste Corona-Lockdown wurde am 16. März 2020 beschlossen und trat am 22. März 2020 in Kraft. Er war mit zahlreichen Einschränkungen im öffentlichen Leben verbunden. „Hohen Neuendorf war tot, es waren keine Menschen mehr auf den Straßen“, erinnert sich Odett Nitze an den Stillstand in Deutschland.

Nach dem Corona-Ausbruch in Oberhavel wurden die Menschen schnell aufgefordert, Abstand zu halten (Symbolbild), sich testen und sich impfen zu lassen. Nicht alle waren mit diesen Maßnahmen einverstanden.
Fabian Sommer/dpaDoch das galt für die Unternehmer nicht. Das Geschäft musste weiterlaufen. „Auf den Baustellen herrschte weiter Betrieb“, weiß Svent Nitze heute noch. Der Spezialist für Sägearbeiten und Kernbohrungen („Die Steinbeisser“) war im späten Frühjahr 2020 mit Kollegen in Hamburg im Einsatz.
Freunde legen den Einkauf vor die Tür und finden dort Geld
Mitte März, also kurz nach der Rückkehr aus dem Ski-Urlaub, war da allerdings noch nicht dran zu denken. „Erst nach vier Wochen haben wir es geschafft, wieder ins Büro zu gehen. Vorher haben wir per Telefon nur das Notwendigste koordiniert“, so Odett Nitze, die von Hohen Neuendorf aus auch noch das Unternehmen „Berliner Drecksack“ managt.
Freunde haben während der Quarantäne die Einkäufe erledigt, nachdem alle Vorräte im Hause Nitze aufgebraucht waren. „Die haben uns Lebensmittel gebracht und vor die Tür gestellt. Dort lag dann unter der Matte das Geld für die Einkäufe.“ Das war damals gängige Praxis. Allerdings war das Kochen kein Vergnügen. „Was sonst 30 Minuten gedauert hat, brauchte nun eine Ewigkeit“, erinnert sich Odett Nitze an das quälend langsame Schälen von ein paar Kartoffeln. Dabei hatte die Hohen Neuendorferin einige Tage keinen Geschmacks- und Geruchssinn.
Positive Lebenseinstellung ist gut für die Gesundheit
Erst Monate später stellte sich bei Svent Nitze heraus, dass er sich trotz dreier negativer Tests mit dem Corona-Virus angesteckt haben musste. „Ich hatte eine gigantische Anzahl von Antikörpern.“ Das habe ihm Mitte 2020 seine Ärztin attestiert. Wo sich das Ehepaar Nitze angesteckt hatte, ist unklar und nicht mehr rekonstruierbar.
Im Nachhinein habe sich bei beiden die Corona-Erkrankung wie eine schwere und langwierige Erkältung oder Grippe angefühlt. Dass es nicht schlimmer war, führen Svent und Odett Nitze auch auf ihre grundsätzlich positive Lebenseinstellung zurück. Sie betrachten Probleme als Herausforderungen, die gemeistert werden können.
Sie betrachten es als Glücksfall, dass ihre Unternehmen die Corona-Krise wirtschaftlich gut überstanden haben. „Für mich war es eine Warnung, was alles passieren kann auf der Welt, aber Angst habe ich nicht“, resümiert eine selbstbewusste Odett Nitze. Gesundheitlich hat die frühzeitige Corona-Infektion weder für sie noch für ihren Mann keine bleibenden Schäden verursacht. Wie „Patient 1“ aus Hohen Neuendorf seine Covid-Erkrankung überstanden hat, ist nicht bekannt.




