Corona-Krise
: IHK fordert weitere Lockerungen für Tourismus und Gastronomie

Für den Tourismus und die Gastronomie forderte die regionale Wirtschaft noch am Mittwoch vehement von der Landesregierung eine klare Perspektive für die Wiederöffnung.
Von
Burkhard Keeve
Oranienburg
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So sieht es aktuell in Florida aus: Wie die Kellner sich und ihre Gäste hierzulande schützen, ist noch unklar.

dpa

Ab dem 15. Mai ist Camping, ab dem 25. Mai Vermietungen von Bungalows und Ferienwohnungen wieder erlaubt. Ab 15. Mai dürfen zudem Restaurants, Cafés und Kneipen wieder Gäste empfangen, allerdings nur unter Einhaltung der Abstandsregeln sowie mit kürzeren Öffnungszeiten und Zugangsbeschränkungen. Dem Chef der IHK Potsdam, Peter Heydenbluth aus Velten, geht das allerdings nicht weit genug.

Es gebe gerade im Tourismus noch zahlreiche Betriebe, die von den angekündigten Erleichterungen noch immer nicht profitierten und deren Existenz bedroht sei. Dazu gehören laut Heydenbluth Reisebusunternehmen und Reisebüros genauso wie die Fahrgastschifffahrt und auch Taxiunternehmen, die von besonders langen Vorlaufzeiten für die Wiedereröffnung berichten.

„Die regionale Wirtschaft erwartet vom Land bei allen Beschlüssen ganz klare Positionen zu sämtlichen Lockerungsvorschlägen. Nur so können Unternehmen sich auf die aktuelle Lage einstellen und womöglich retten, was zu retten ist“, so der IHK-Präsident. Am heutigen Freitag will das Brandenburger Kabinett über die angekündigten Lockerungen entscheiden.

Die stufenweise Öffnung im Beherbergungsgewerbe sei allerdings richtig, um dann im Sommer wieder komplett zu öffnen, so Heydenbluth weiter. Das gelte auch für Gaststätten. Laut einer aktuellen Umfrage der IHK Potsdam rechnet fast jedes zweite Unternehmen im Gastgewerbe mit einem Umsatzrückgang für das Gesamtjahr von mehr als 50 Prozent. Diese Dramatik setzt sich laut Umfrage im Einzelhandel fort. Mehr als jedes dritte Geschäft berichtet über einen Rückgang der Kundenfrequenz von mehr als der Hälfte, jedes zehnte habe nahezu keine Kunden. Zwar sei die Aufhebung der 800-Quadratmeter-Regelung für Verkaufsflächen im Einzelhandel richtig, meint Heydenbluth. „Jedoch dürfen die flexiblen und liberalen Ladenöffnungszeiten nicht schon wieder eingeschränkt werden.“

Erneuten Shutdown vermeiden

„Der Handel hatte noch gar keine Chance, wieder richtig zum Laufen zu kommen. Wie sollen denn die lediglich gestundeten Mieten und Kredite abbezahlt werden?“, fragt sich der IHK-Chef. Deshalb fordere die Kammer bis Ende 2021 eine tolerante Handhabe bei den Sonntags- und Feiertagsöffnungszeiten. Schließlich würden im Sommer wohl viel mehr Menschen nach Brandenburg reisen. Heydenbluth: „Diese Kundschaft müssen unsere Betriebe aus Handel und Tourismus bestmöglich bedienen können.“ Der Veltener IHK-Präsident ist sicher, „dass alle Vorgaben und Corona-Beschränkungen verantwortungsvoll von unseren Unternehmen umgesetzt werden, um ein Aufflammen der Infektionswelle und damit einen erneuten Shutdown zu vermeiden“.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

12.781 eingetragene Firmen in Oberhavel

Im Handelsregister der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam betrug Anfang 2020 die Zahl der eingetragenen Firmen insgesamt 24.911; die der Kleingewerbetreibenden 50.45.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die gesamte Mitgliederzahl um 2,8 Prozent gesunken. Die Ursache liegt in der im Jahr 2019 erfolgten Stammdatenbereinigung bei den Kleingewerbetreibenden.

In den Regionen ist der Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 14 709 Unternehmen der Spitzenreiter; gefolgt von Oberhavel (12 781), Teltow-Fläming (12 683), der Landeshauptstadt Potsdam (11 737), Havelland (9 516), Ostprignitz-Ruppin (6 023), Prignitz (4 592) und der Stadt Brandenburg an der Havel, die 3 515 Unternehmen ausweist.⇥bu