Corona
: Oranienburger Grundschulen unterrichten strikt nach Hygieneplan

Die Grundschulen fahren ihren Betrieb mit umfangreichen Hygieneplänen nach und nach wieder hoch. Doch unter Volllast dürfte ein Schulbetrieb aus räumlichen und personellen Bedingungen kaum realisierbar sein.
Von
Friedhelm Brennecke
Oranienburg
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Abstand wahren, heißt es jetzt: Beim Richtfest für den Havelschul-Anbau voriges Jahr war das noch nicht nötig.

Klaus D. Grote

Für die Klassen 1 bis 4 gibt es außerdem freiwillige Präsenzangebote, die nach Absprache mit den Klassenlehrerinnen von einigen Eltern gern genutzt würden. Maximal fünf Kinder dürfen dann in bestimmten Räumen die Schule aufsuchen.

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Die Havelschule mit rund 650 Kindern, der Andreas Deutschländer als Rektor vorsteht, ist die größte Grundschule der Kreisstadt. Neun Klassen in zwei Jahrgangsstufen mit 220 Kindern werden dort jetzt in 18 festen Gruppen betreut. Von einem normalen Schulbetrieb sind beide Bildungseinrichtungen indes weit entfernt.

Mit umfangreichen Hygieneplänen regeln sie den Schulalltag bis ins Kleinste. Das beginnt schon damit, wie die Mädchen und Jungen vor der Schule empfangen werden, wie sie durch die Gebäude in ihre festen Unterrichtsräume zu ihren festen Plätzen zu führen sind, dass sie ihre Hände waschen oder desinfizieren, bevor der Unterricht beginnt, dies auch nach Toilettengängen tun und unter welchen Bedingungen die Pausen ablaufen.

Um den Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten, wurden die Klassen geteilt. Das ist in der sehr geräumigen Havelschule bisher kein Problem, in Friedrichsthal mit eher kleinen Räumen in verschiedenen Häusern schon ein größeres. Dort gibt es jetzt 75–minütigen Blockunterricht in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch — 13 Stunden pro Woche. In der Havelschule sind es jeweils vier Stunden in den drei Fächern. Gruppenarbeit entfällt, Frontalunterricht ist das Gebot der Stunde, auch wenn das aus rein pädagogischer Sicht nicht das Gelbe vom Ei sei, so die Schulleiter.

In der Havelschule verfügen alle Klassenräume über fließend Wasser. Seife und Handtücher stehen dort ebenso bereit wie auf den vier Toilettenanlagen auf zwei Etagen. In Friedrichsthal ist das etwas komplizierter, weil in den Klassenräumen keine Wasseranschlüsse bestehen. Dort gibt es Desinfektionsmittel. „Die Hygienebestimmungen können wir bislang gut erfüllen“, sagt Andreas Deutschländer. Für Schüler und Lehrer gilt zudem auf den Fluren, in den Treppenhäusern, wo der Mindestabstand nicht immer einzuhalten ist, und in den Pausen die Pflicht, einen Mund–Nasen–Schutz zu tragen. In Friedrichsthal wird dies nur empfohlen.

Antje Ernst freut sich darüber, dass sie die eingeschränkten Unterrichtsangebote personell mit ihrem Kollegium und den drei Vertretungslehrern bisher gut abdecken kann. Es dürfe aber auch niemand ausfallen, gibt sie zu bedenken. Auch Andreas Deutschländer hat dies bislang absichern können, wenngleich er nur auf etwa zwei Drittel seines Kollegiums zurückgreifen könne und zur Beaufsichtigung für jede Unterrichtsgruppe noch Begleitlehrer benötige. Zwölf Lehrerinnen und Lehrern gehörten zur sogenannten Risikogruppe und dürften nicht unterrichten. Auch er selbst falle mit 63 Jahren schon darunter, müsse auf Unterricht verzichten, könne sich wegen der organisatorischen Herausforderungen aber nicht über Mangel an Arbeit beklagen.

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„Bisher können wir das ganz gut steuern und sind zufrieden damit, wie es läuft“, sagen Antje Ernst und Andreas Deutschländer. Wie der  Unterricht aber organisiert werden soll, wenn alle Klassen wieder zu beschulen sind und nochmals 100 Kinder in Friedrichsthal und gut 400 Kinder in der Havelschule mehr vor der Tür stehen, wissen beide Schulleiter noch nicht. „Da haben wir derzeit mehr Fragen als Antworten“, sagt Deutschländer und weiß aus Gesprächen mit Kollegen und Videokonferenzen mit dem Schulamt, dass es anderen Schulleitern ebenso geht. Diese Kontakte möchte Antje Ernst nicht missen. „Der Austausch ist in diesen Zeiten besonders wichtig und gewinnbringend“, sagt sie.