Coronavirus: Auch der OHC muss wochenlang pausieren

Trainer Christian Pahl im Gespräch mit seinen Spielern.
Moritz FrankeDass der gesamte Spielbetrieb des deutschen Handballs auf allen Ebenen für fünf Wochen ausgesetzt wird, kann Thomas Stahlberg (Bild) verstehen. „Die ganze Sportwelt packt den Riegel aus. Da ist die Handballwelt nicht autark“, sagt der Präsident des OHC. Im Sinne der Sicherheit halte er die Entscheidung nicht für übertrieben und konsequent. „Ich finde gut, dass erst mal alle einheitlich reagieren, um die Entwicklung zu stoppen. Dadurch wird man Zeit gewinnen.“
Wenngleich Stahlberg begrüßt, dass alles unternommen wird, „damit wir nicht den Super–Gau erleben“, sei er sich nicht im Klaren darüber, was die aktuelle Situation für Konsequenzen hat. Bezogen auf den Sport würde das die Fragen aufwerfen, wie bei einem Abbruch der Saison mit dem Auf– und Abstieg verfahren werde. „Man wird erkennen müssen, dass die Meisterschaft beendet ist. Dann spielen auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Es kann passieren, dass Sponsoren wegbrechen. Auch Themen wie Aufwandsentschädigungen könnten aufkommen.“ Das müsse sich aber unterordnen. „Vordergründig ist, dass sich jeder so weit schützt, wie er kann.“
Der Oranienburger HC hätte am Sonnabend in Bernburg gespielt, in sieben Tagen dann daheim gegen Spitzenreiter Dessau. „Ich glaube nicht, dass diese Spiele nachgeholt oder irgendwelche anderen noch ausgetragen werden“, vermutet Stahlberg. "Alle tun so, als wäre am 19. April wieder alles gut. Ich denke, die Saison ist vorbei.“ Die große Welle der Coronavirus–Pandemie komme erst noch. Auch die Verbände spielen dieses Szenario durch. „Eine übergreifende Arbeitsgruppe wird sich mit spieltechnischen Konsequenzen sowie Rahmenbedingungen des Spielbetriebs in der Saison 2020/21 beschäftigen“, berichtet Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes. „Die Coronakrise ist eine Aufgabe, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Das verlangt von uns allen Einschränkungen, die wir mit Blick auf die Eindämmung des Coronavirus und die Gesundheit aller auf uns nehmen. Wir haben Verantwortung füreinander. Sportliche Prioritäten müssen im Moment klar hintenanstehen.“
Wenngleich Thomas Stahlberg für den Handball und seinen Verein lebt, beschäftigen ihn momentan eher die Fragen des Alltags. Er spricht von einer unwirklichen und durchaus beängstigenden Situation. Die Frage sei, ob man auf den Panikzug aufspringt oder sich den Realisten anschließt. "Man weiß zu wenig, um die richtigen Dinge zu tun und weniger Angst zu haben.“ Fakt sei: „Im Vordergrund steht die Gesundheit des Menschen. Darum gab es für mich keine Alternative, als es um die Frage nach der Fortsetzung des Trainingsbetriebes ging.“ Dieser wurde am Donnerstag eingestellt. „Wir haben eine Verantwortung, und diese nehmen wir wahr.“
Christian Pahl, Sportlicher Leiter des Vereins und Trainer des Drittligateams, unterstützt diese Entscheidung. Die jüngsten Geschehnisse bezeichnet er als eine dramatische Entwicklung. „Wenn die Verbände entscheiden, die Saison erst einmal nicht fortzusetzen, ist es nur konsequent, die Gruppen auch beim Training nicht zusammenzubringen.“ Interessant werde, dennoch die Spannung aufrechtzuerhalten, um bei einer möglichen Fortsetzung gewappnet zu sein.
