Mit Sorge blickt die Kreisverwaltung auf die Zunahme verschiedener Häufungscluster von Corona-Fällen im Landkreis Oberhavel. Derzeit gibt es 64 bestätigte Fälle. Das sind mit Stand von Donnerstag zwölf mehr als noch am Vortag. Amtsarzt und Vize-Landrat appellieren deshalb an die Bevölkerung.

Schwierige Ermittlung der Kontaktpersonen

Das geht aus einer Mitteilung des Landkreises hervor. „Zuletzt hatte es Verdachts- und Infektionsfälle in verschiedenen Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen, aber beispielsweise auch in einem Landwirtschaftsbetrieb gegeben“, so Amtsarzt Christian Schulze. „Die schnelle Ermittlung der Kontaktpersonen gestaltet sich dabei zunehmend schwierig, da die Anzahl der Kontaktpersonen in den letzten Monaten deutlich angestiegen ist“, erklärt Schulze.
„So wurden allein seit Anfang September weit mehr als 4.000 Personen durch das Gesundheitsamt Oberhavel benachrichtigt, weil sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Je mehr Kontaktpersonen zu einem Infektionsfall ermittelt werden müssen, desto mehr personeller Aufwand ist erforderlich.“

Kreisverwaltung Oberhavel stockt Personal auf

Die Kreisverwaltung hat daher das Personal im Gesundheitsamt aus hauseigenen Kapazitäten noch einmal aufgestockt: Die Kernmannschaft des Gesundheitsamtes besteht aus 44 Mitarbeitenden, davon sind 29 Mitarbeitende – davon einige in Teilzeit – mit Aufgaben rund um die Bekämpfung der Coronapandemie betraut. Diese wurde in den vergangenen Wochen um 20 Mitarbeitende aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung aufgestockt.
Hinzu kommen fünf Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten und ein Containment-Scout vom Robert-Koch-Institut. Die Kreisverwaltung wird in den kommenden Tagen außerdem von der Möglichkeit Gebrauch machen, dem Land Brandenburg weiteren Bedarf für den Einsatz von Angehörigen der Bundeswehr anzuzeigen.
Angesichts der massiven Zunahme der Fallzahlen in ganz Deutschland – am heutigen Donnerstag mit dem höchsten Tageswert seit Beginn der Pandemie überhaupt – ruft Vize-Landrat Egmont Hamelow dazu auf, sich weiter an die geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu halten: „Vor gut einer Woche lag die Inzidenz der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner in Oberhavel bei 10,4. Jetzt liegt die Inzidenz bei 24,4“, so Hamelow.

Sperrstunden in Oberhavel, sollten die Fallzahlen steigen

„Von einschränkenden Maßnahmen, wie sie jetzt Bund und Länder für Gebiete mit sehr hohen Infektionszahlen beschlossen haben, sind wir zum Glück noch ein Stück weit entfernt. Steigen die Fallzahlen bei uns aber weiter wie in den vergangenen Wochen, dann werden wir auch in Oberhavel um Sperrstunden, Maskenpflicht in der Öffentlichkeit oder Kontaktbeschränkungen nicht drum herumkommen“, warnt Hamelow.
Er appelliert an alle Menschen im Landkreis, sich weiter besonnen zu verhalten: „Es liegt jetzt an jedem Einzelnen in Oberhavel: Je besser sich alle an die Corona-Regeln halten, umso besser und einfacher wird es für uns alle. Bitte nehmen Sie weiter aufeinander Rücksicht!

Aktuelle Fallzahlen für Oberhavel

Mit Stand vom Donnerstag (15. Oktober) gibt es derzeit 64 bestätigte COVID19-Infektionen im Landkreis Oberhavel. Seit Dienstag (13. Oktober) sind zwölf Neuinfektionen registriert worden, im Verlauf der vergangenen Woche waren es 58 neue Fälle. Derzeit befinden sich 60 Personen in häuslicher Quarantäne, vier Personen müssen stationär behandelt werden. Die bestehenden Infektionsfälle verteilen sich wie folgt auf die Kommunen: Hohen Neuendorf (23), Oranienburg (11), Hennigsdorf (5), Amt Gransee und Gemeinden (5), Mühlenbecker Land (5), Oberkrämer (4), Kremmen (3), Velten (2), Liebenwalde (1), Zehdenick (2) Glienicke/Nordbahn (1), Leegebruch (1) und Löwenberger Land (1).

68 Kita-Kinder werden in Schildow getestet

Im Fall der am Mittwoch (14. Oktober) bekannt gewordenen Infektion einer Erzieherin der Schildower Kita „Zaubernuss“ bereitet das Gesundheitsamt weitere Maßnahmen vor: Das seit dieser Woche installierte mobile Abstrichteam wird am Freitag (16. Oktober) vor Ort 68 Kitakinder und 21 Mitarbeitende testen. Die Ergebnisse werden für Anfang der kommenden Woche erwartet.

Ansprechpartner für Coronatests

Erster Ansprechpartner für Tests auf das Coronavirus sind die niedergelassenen Hausärzte. Wer den Verdacht hat, erkrankt zu sein oder zum Beispiel als Reiserückkehrender einen Test veranlassen möchte, sollte allerdings nicht unangemeldet in eine hausärztliche Sprechstunde gehen. Es ist ratsam, beim Hausarzt oder auch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 anzurufen. Die Ärzte werden gezielt nach Symptomen fragen und den Betroffenen gegebenenfalls bei einem Hausbesuch untersuchen beziehungsweise nach der (offiziellen) Sprechstunde in die Praxis bestellen.
„Vom Gesundheitsamt werden Tests immer dann angeordnet, wenn ein begründeter Verdachtsfall vorliegt, dass eine Person sich mit dem SARS CoV2-Virus infiziert haben könnte, weil sie Kontakt zu einem Infizierten hatte oder wenn beispielsweise in einer Einrichtung ein Ausbruchsgeschehen zu verzeichnen ist“, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Infotelefon des Gesundheitsamtes

Für medizinische Fragen rund um das Coronavirus gibt es ein zentrales Infotelefon. Dieses ist unter 03301 6013900 montags bis donnerstags von 8 bis 15 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr zu erreichen. Nachfragen können auch per E-Mail an das Gesundheitsamt gerichtet werden. Die Mailadresse lautet: ges.corona@oberhavel.de.
Für Bürgeranfragen zum Umgang mit dem Coronavirus steht außerdem unter anderem das Bürgertelefon des Landes Brandenburg zur Verfügung. Die Telefonnummer 0331 8665050 ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr erreichbar.
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