In Birkenwerder wurden in den vergangenen Tagen Flyer eingeworfen, die Corona-Kritikern und Pandemie-Leugnern in die Karten spielen sowie Ängste und Unsicherheiten schüren. Absender ist die Gruppierung der sogenannten „Ärzte für Aufklärung“, die auf den A5-Zetteln vor einem angeblich drohenden „Zwang zur Impfung“ warnt.
Darauf weist ein Leser dieser Zeitung hin, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Mir geht es darum, weiter zu sensibilisieren und vor allem die gefährdeteren Gruppen zu schützen und gegen diesen Unsinn anzukämpfen“, sagt er. Nicht noch mehr Menschen sollen von den Corona-Leugnern „in die Irre geführt werden“. Auch in Beetz wurde der Zettel gesteckt.

Ärztekammern distanzieren sich von der Gruppierung

Die Hamburger Ärzte Walter Weber, Heiko Schöning, Marc Fiddike und Olav Müller-Liebenau bezeichnen sich als Gründer der nach eigenen Angaben 700 Ärzte und 2000 Unterstützer umfassenden Gruppierung. Von „Ärzte für Aufklärung“ haben sich schon mehrere Ärztekammern deutlich distanziert.
Auf den Flyer wird propagiert, dass bei einer „Corona-Zwangsimpfung“ mit 80.000 Toten und vier Millionen „Impfgeschädigten“ gerechnet werde. Auch auf ihrer Website stellen die Verfasser Unwahrheiten auf und ziehen unsinnige Vergleiche. Das Recherchezentrum Correctiv hat viele Behauptung schon widerlegt. Teile der Gruppierung nehmen laut mehreren Medienberichten regelmäßig an Demos teil, auf denen die Corona-Pandemie geleugnet wird.

Verfasser stellen „Fake-Pandemie“ „echter Pandemie“ gegenüber

Im Berliner Bezirk Neukölln – einem der Hotspots aktuell – wurde schon explizit vor den irreführenden Verbreitungen von Fake News und Panikmache gewarnt. Auch in Oberhavel warnt die Kreisverwaltung vor den Handzetteln. „Unter anderem wird versucht, mittels der Gegenüberstellung einer ‚echten Pandemie’ und einer ‚Fake Pandemie’ die Infektionslage herunterzuspielen“, heißt es aus der Pressestelle.
Laut Flyer, der der Redaktion vorliegt, würden in einer „echten Pandemie“ Menschen „mit einer humanitären Katastrophe“ kämpfen, jeder würde Erkrankte im direkten Umfeld kennen und Medien sowie Staat würden um Aufklärung bemüht sein. Laut „Ärzte für Aufklärung“ durchleben wir aber eine „Fake Pandemie“ mit dem Kampf um Toilettenpapier, Angst verbreitenden Politikern und Medien sowie Branchen, die „in den Ruin getrieben“ werden.
Die Kreisverwaltung hat dazu eine klare Meinung: „Die in den Handzetteln getätigte Aussagen sind dabei teilweise ungenau, teils gänzlich falsch“, so Kreissprecherin Ivonne Pelz.

Amtsarzt warnt vor „Ärzte für Aufklärung“

Dem schließt sich Oberhavels Amtsarzt Christian Schulze an: „Diese Flyer versuchen bewusst, Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Sie bedienen sich dabei Verschwörungstheorien, etwa angeblich von der Bundesregierung geplanter Zwangsimpfungen. Das ist schlicht falsch.“ Richtig sei dagegen, dass „wir vieles über das Coronavirus noch immer nicht sehr genau wissen“. Vergleiche, zum Beispiel zwischen Corona-Infektionen und einer Influenza, seien deshalb unangebracht.
Die Kreisverwaltung rät dazu, sich bei der Bewertung der aktuellen Lage auf solide Quellen zu stützen, beispielsweise auf die Informationen des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de). Auch der Landkreis Oberhavel selbst hat zahlreiche Informationen und Beratungsangebote auf seiner Webseite unter www.oberhavel.de zusammengestellt.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf einer Themenseite.