CSD in Oranienburg
: Polizei schirmt rechte Störer ab – so liefen die Demos

Der CSD in Oranienburg konnte nur unter Polizeischutz stattfinden. Rechte Gruppierungen hatten zu einer Gegendemo aufgerufen. So lief der Tag in der Oberhavel-Kreisstadt.
Von
Stefan Zwahr
Oranienburg
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CSD in Oranienburg 2024

Oranienburg erlebte seinen zweiten CSD. Die Teilnehmer zogen durch die Innenstadt. Begleitet wurde die bunte Parade von einem Großaufgebot der Polizei. Grund: Vertreter rechter Gruppierungen trafen sich zu einer Gegendemo.

Stefan Zwahr
  • Der CSD in Oranienburg fand unter Polizeischutz statt, rechte Gruppen riefen zur Gegendemo auf.
  • Rund 800 bis 1000 Teilnehmer zogen durch die Innenstadt, Polizei schirmte Demos ab.
  • Rechte Gegendemonstration kleiner als erwartet, etwa 50 Teilnehmer statt 300.
  • Keine größeren Zwischenfälle, Polizei lobte den friedlichen Verlauf der Veranstaltung.
  • Organisatoren planen weitere CSD-Events, trotz der Belastung durch rechte Störaktionen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine vergleichbare Polizeipräsenz hat es in Oberhavel selten gegeben. Von einem Großaufgebot wurde am Sonnabend (21. September) der Christopher Street Day, kurz: CSD, geschützt. Im Vorfeld war von rechten Gruppierungen zu einer Gegendemonstration aufgerufen worden. Diese fand auch statt. So verliefen die beiden Demos.

Oranienburg feierte am Tag vor der Landtagswahl den zweiten CSD. Die bunte Parade, bei der queere Menschen für Vielfalt und Demokratie eintreten, hatte 2023 laut Veranstalter zwischen 500 und 800 Teilnehmer angezogen. Auch diesmal gab es nur Schätzungen. Diese bewegen sich im Bereich von 800 bis 1000.

Demos in Oranienburg – Polizei zieht Fazit zum CSD

Auch aus anderen brandenburgischen Regionen und Berlin waren Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen angereist, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Sorgte die Ankündigung der rechten Gegendemo für eine mentale Belastung?

Immer wieder gab es in diesem Jahr Störaktionen auf den CSD-Demos, unter anderem in Bautzen durch die rechtsextreme Partei Freie Sachsen und in Dresden durch die „Elblandrevolte“, eine rechtsextremistische Gruppierung. „Mich hat es eher weniger belastet“, sagt Mitorganisatorin Susann Reissig.

Aber: „Uns war klar, dass wir unglaublich viele junge Leute hier haben. Wir wollten nicht, dass die Angst haben müssen.“ Der CSD sei der eine Tag, an dem sie sich in der Gemeinschaft sicher fühlen sollen.

Das konnten sie letztendlich auch. „Mir sind keine Vorkommnisse oder Probleme bekannt geworden“, betonte Joachim Lemmel, Sprecher der Polizeidirektion Nord. Es sei alles gut und friedlich verlaufen, „von ein paar Wortgefechten abgesehen“.

Gegendemo weitaus kleiner als angekündigt

Diese hatte es vor allem vor dem offiziellen CSD-Beginn am Bahnhof Oranienburg gegeben. Dort versammelten sich die Teilnehmer der Gegendemo. Aus welchem Spektrum diese kamen, wurde offiziell nicht kommuniziert. Laut Informationen der Redaktion handelte es sich um mehrere rechtsgerichtete und rechtsextreme Gruppierungen.

300 Teilnehmer wurden angemeldet, am Ende waren es keine 50. Alle waren sehr jung, trugen schwarze Kleidung. Die rechte Gesinnung und der Stolz auf die deutsche Heimat („Ostdeutschland“) wurden mit Aufschriften und Gesängen offen zur Schau getragen. Die ablehnende Haltung zum CSD wurde per Transparent („Es gibt nur zwei Geschlechter“) und einem Schlachtruf gegen „Homo-Propaganda“ zum Ausdruck gebracht. Auch Hassparolen gegen die Antifa waren zu hören.

Abgeschirmt wurde die Gruppe – deren Anmelder wiederholt zu Gewaltfreiheit aufrief („Lasst euch nicht provozieren“) – von einem Großaufgebot der Polizei. So blieb es auch friedlich, als sich wenige Meter entfernt die ersten CSD-Sympathisanten trafen.

Demonstranten ziehen in Oranienburg durch die Innenstadt

Der Christopher Street Day startete einige hundert Meter entfernt an der Ecke Lehnitzstraße/Lindenstraße – führte dann aber direkt am Bahnhof vorbei. Die Einsatzkräfte der Polizei schirmten die beiden Demozüge voneinander ab. Das gelang auch auf dem Weg durch die Innenstadt. Der CSD-Zug lief mit einem Abstand von knapp 200 Metern vorneweg. Ziel war der Schlossplatz, auf dem es ein buntes Fest mit Musik und diversen Ständen gab. Die Gegendemo stand auf der anderen Straßenseite unweit der Bibliothek.

„Wir sind mit dem Fest und den Leuten zufrieden“, erklärte die sichtlich erleichterte Susann Reissig, Koordinatorin Kreisjugendring Oberhavel. In diesem ist die CSD-Initiative Mitglied. KJR-Koordinatorin und ihr Team engagieren sich für die Rechte der queeren Community sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.

Das werde auch künftig so sein. Nach dem Erfolg bei der zweiten Auflage gehen die Blicke schon in die Zukunft. Mehr als ein CSD im Jahr sei für die ehrenamtlich tätigen Organisatoren laut Reissig nicht zu stemmen. „Die Menge hat jedoch gezeigt, dass es weitergehen muss.“