Die Initiative „Offene Nachbarschaft“ hat am Sonnabend mit etwa 85 Teilnehmern vor dem Rathaus in Berlin-Reinickendorf dafür demonstriert, nach 30 Jahren Deutsche Einheit „endlich mit einer gemeinsamen Verkehrspolitik für die Metropolregion Berlin-Brandenburg zu beginnen“. Die Bürgerinitiative für mehr Verkehrsberuhigung warf den Demonstranten dagegen eine Instrumentalisierung des Einheitsfeiertages vor. Sie zählte weniger als 60 Teilnehmer.
Anlass für die Demo vor dem Rathaus war nach Angaben von Offene-Nachbarschaft-Sprecher Helmut Bodensiek der Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf, „ohne Absprache“ mit Glienicke zwei von drei Verbindungsstraßen zwischen Berlin-Hermsdorf und der Nachbargemeinde zunächst probeweise für den Autoverkehr sperren zu wollen. „Dies ist keine Lösung, sondern lediglich eine Verlagerung des Verkehrs auf jetzt schon überlastete Hauptstraßen und Nebenstraßen“, erklärte Bodenssiek nach der Demo.

Zehn Thesen an die Rathaustür geschlagen

Die Initiative habe während der Demonstration symbolisch „um 5 vor 12“ zehn Thesen für offene Verbindungen zwischen Hermsdorf und Glienicke an die Rathaustür genagelt. Die Redner betonten, das die 1990 errungene Bewegungsfreiheit zwischen Berlin und Brandenburg erhalten bleiben soll: „Wir wollen keine neuen Grenzsperrungen.“ Ein Gesprächswunsch der Initiative mit Reinickendors Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) sei seit mehreren Wochen unbeantwortet.

Widerspruch von der BI für mehr Verkehrsberuhigung

Michael Ortmann von der BI für mehr Verkehrsberuhigung hingegen erklärte: „Die Senatsverwaltung hat uns schriftlich bestätigt, dass die Schildower Straße in Hermsdorf zum untergeordneten Straßennetz gehört. Sie soll demnach keine überörtliche Verbindungsfunktion innehaben. Eine Höherstufung der Schildower Straße zu einer Hauptstraße wurde von der Senatsverwaltung nach umfangreicher Analyse, auch in Abstimmung mit dem Land Brandenburg, abgelehnt. Somit bleibt dem Bezirk Reinickendorf gar nichts anderes übrig, als den Durchgangsverkehr im Waldseeviertel zu verringern.“ Peter Jüterbock kritisierte: „Wenn Gesprächspartner die Berliner Mauer und die damit verbundenen Sperranlagen mit Blumenkübeln zur Verkehrsberuhigung verwechseln, ist es einfach nur traurig zu erleben, auf welcher Gesprächsebene wir uns hier befinden. Diese Aussage ist eine Schande für jeden Mauertoten.“