Ernte
: Deutsche Spargelhelfer in Kremmen sind motiviert

Die ersten 60 deutsche Erntehelfer absolvieren Probetage auf den Feldern des Kremmener Spargelhofs. Verstärkung bekommt der Betrieb auch von 25 Profis aus Rumänien.
Von
Jürgen Liebezeit
Kremmen/Staffelde
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  • Während Spargelstangen dicht an dicht aus den abgedeckten Erdwällen sprießen, halten die deutschen Erntehelfer auf den Feldern den vorgeschriebenen Abstand ein.

    Während Spargelstangen dicht an dicht aus den abgedeckten Erdwällen sprießen, halten die deutschen Erntehelfer auf den Feldern den vorgeschriebenen Abstand ein.

    Jürgen Liebezeit
  • Der arbeitslose Friedrichsthaler Ludwig Straube vertreibt sich die Zeit auf dem Spargelfeld.

    Der arbeitslose Friedrichsthaler Ludwig Straube vertreibt sich die Zeit auf dem Spargelfeld.

    Jürgen Liebezeit
  • Die iranische Opernsängerin Seida Damghani singt normalerweise Arien. Jetzt sticht sie Spargel.

    Die iranische Opernsängerin Seida Damghani singt normalerweise Arien. Jetzt sticht sie Spargel.

    Jürgen Liebezeit
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Zielvorgabe ist es, pro Stunde eine Kiste mit 100 bis 150 Stangen zu füllen. Das sind etwa 12 bis 15 Kilogramm. Es klappt in den ersten Tagen noch nicht. Oft sind die Stangen zu kurz oder zu schräg abgeschnitten. Auch das Suchen nach dem Edelgemüse sowie das fachgerechte Verschließen des Erdwalls dauern noch recht lang.

Leyla Göre lässt sich nicht entmutigen. „Das kommt mit der Zeit“, ist die 18-jährige Studentin aus Berlin überzeugt. Sie ist mit vier Mitbewohnern ihrer Wohngemeinschaft aus Berlin-Lichterfelde angereist. „Wir wollen bei der Ernte helfen und etwas tun. Natürlich freuen wir uns auch über den Lohn“, sagt sie. Für den selbstständigen Berliner Taxifahrer Johannes Jopee ist der Job überlebenswichtig. Er verzeichnet einen Umsatzrückgang von 90 Prozent. Jopee hofft, bis zum Ende der Saison als Erntehelfer arbeiten zu können. Der Berliner, der übrigens keinen Spargel isst, glaubt nicht, dass die Menschen in den nächsten Wochen Geld für eine Taxifahrt ausgeben. Körperlich anstrengend empfindet er ebenso wie die meisten seiner Kollegen die Arbeit noch nicht. „Das kann in ein paar Tagen aber anders aussehen“, schwant der iranischen Opernsängerin Sheida Damghani aus Berlin, die zurzeit nicht auftreten kann. Ludwig Straube aus Friedrichsthal sieht die anstrengende Arbeit bei windigem Wetter dagegen eher als Zeitvertrieb. Der 26-jährige Ingenieur, der gerade sein Studium beendet hat, ist auf Jobsuche. Unabhängig von der Motivation und dem beruflichen Hintergrund bekommen alle Helfer den Mindestlohn von 9,35 Euro gezahlt. Wer besonders fleißig ist und gute Ware liefert, erhält einen Bonus.

Alle Helfer sind angewiesen, den geforderten Sicherheitsabstand einzuhalten. Auf den Feldern ist das kein Problem, in den Pause kommt es aber doch vereinzelt zu Gruppenbildungen.

Die Vorgabe, stündlich eine Kiste mit „vermarktungsfähiger Ware“ zu füllen, erreicht an den Probetagen niemand. „Wir haben da aber auch keine überzogenen Erwartungen“, so Malte Voigts, der froh ist über die zusätzlichen Helfer. Doch wird er es voraussichtlich nicht schaffen, alle Stangen zu ernten, wenn das Wachstum im Mai noch zulegt. Selbst die Profis, die wenigen polnischen und rumänischen Saisonarbeiter, die im Akkord ernten, sind dann überfordert. Voigts hat die Fachleute in Gruppen eingeteilt, die strikt voneinander getrennt werden. Selbst das Einkaufen ist ihnen untersagt. Der Spargelhof besorgt ihnen alles, was sie benötigen. Voigts hat dafür extra einen Mitarbeiter abgestellt, der allerdings Probleme hat, weil er große Mengen für die 120 Spargelstecher besorgen muss. „Manche Filialen vermuten Hamsterkäufe, wenn er mit mit mehreren Broten und Nudelpaketen vor der Kasse steht“, berichtet Voigts über ein anderes Alltagsproblem bei der Spargelernte.

Geerntet wird nochzehn Wochen lang

Die Spargelsaison endet am 24. Juni

Malte Voigts hofft, 800 Tonnen ernten zu können; das sind 200 Tonnen weniger als in den Vorjahren.

Zur Verstärkung hat der Spargelhof 25 Rumänen, die mit dem Flugzeug angereist sind, bekommen. "Das hilft uns", so Voigts.

Insgesamt bewirtschaftet der Spargelhof 200 Hektar.

Voigts überlegt, den erfolgreichen Drive-in-Service auch in der nächsten Saison anzubieten.⇥zeit