„Ach du Schreck, der Reisepass ist schon vor zwei Jahren abgelaufen.“ Dieser Satz ist derzeit häufiger bei Familien in Oberhavel, die in den Urlaub starten wollen, zu hören. Oft ist auch noch der Kinderreisepass nicht mehr gültig.
Während der vergangenen beiden Corona-Jahre hat sich nämlich kaum jemand darum geschert, ob sein Reisepass noch gültig ist. Zudem gab es bei Kinderreisepässen eine Gesetzesänderung. Seit Januar 2021 ist die Gültigkeit von ursprünglich sechs Jahre auf ein Jahr verkürzt. Deshalb ballt sich seit Wochen die Nachfrage in den Meldeämtern. Denn die Reisezeit läuft auf Hochtouren.

Mit Wartezeiten ist zu rechnen

Wegen des größeren Andrangs kommt es in manchen Ämtern zu längeren Wartezeiten. Wir haben in einigen Einwohnermeldeämtern in Oberhavel nachgefragt, was zu tun und mit welchen Fristen zu rechnen ist.
Eins vorab: Die Meldeämter in Oberhavel sind bei der Terminvergabe schnell. Während in Berlin die ersten freien Termine erst für Mitte September gebucht werden können, stehen im Landkreis auch kurzfristig Termine in den kommunalen Meldeämtern zur Verfügung. Maximal beträgt die Wartezeit für einen Termin zwei bis vier Wochen, beispielsweise im Mühlenbecker Rathaus (14 Tage), in Glienicke (vier Wochen). Im Notfall wird sogar angeboten, ohne Termin die Behörde aufzusuchen. Einige Meldeämter wie in Oranienburg vergeben gar keine Termine. „Jeder kann zu den Sprechzeiten ganz einfach ins Rathaus kommen“, sagt Stadtsprecherin Eike-Kristin Fehlauer.
Endstation Flughafen? Wer keine gültigen Dokumente hat, muss zu Hause bleiben.
Endstation Flughafen? Wer keine gültigen Dokumente hat, muss zu Hause bleiben.
© Foto: Soeren Stache/dpa
Wer in ein Land (zum Beispiel Amerika, Großbritannien, Asien) reisen möchte, für das ein gültiger Reisepass benötigt wird, sollte mindestens ein bis zwei Monate Zeit einplanen. Manchmal geht es auch schneller. Die Meldeämter zwischen Fürstenberg und Kremmen registrieren derzeit eine Lieferzeit von durchschnittlich sechs Wochen. „Unter gewöhnlichen Umständen standen Reisepässe in der Regel innerhalb von drei bis vier Wochen zur Verfügung. Seit einigen Monaten dauert es bis zu acht Wochen“, berichtet Gina-Christin Dierberg, Fachbereichsleiterin im Hennigsdorfer Bürgerbüro. „Bei uns kommt es aktuell ebenfalls zu einem erhöhtem Aufkommen, auch im Vergleich zu den Vorjahren“, sagt Patrizia Behnisch vom Meldeamt in Mühlenbeck.
Wer keinen gültigen Reisepass hat, bleibt in "Bad mein Garten" hängen. Aber bei den Temperaturen auch keine schlechte Idee.
Wer keinen gültigen Reisepass hat, bleibt in „Bad mein Garten“ hängen. Aber bei den Temperaturen auch keine schlechte Idee.
© Foto: Tobias Hase/dpa
Wurden im Juni vor einem Jahr noch 88 Reisepässe im Mühlenbecker Land ausgestellt, waren es in diesem Juni mit 151 Reisepässen fast doppelt so viele. Ähnliches berichtet die Stadt Oranienburg. Wurden vor einem Jahr in der Kreisstadt im Juni noch 191 Reisepässe ausgegeben, waren es vorigen Monat schon 253. In Hennigsdorf wurden im ersten Halbjahr 2019, dem vorerst letzten coronafreien Jahr, insgesamt 542 Reisepässe beantragt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es schon 827 – fast 300 mehr.
Im Hohen Neuendorfer Meldeamt gingen Anfang Juli kurzzeitig wichtige Dokumente aus.
Im Hohen Neuendorfer Meldeamt gingen Anfang Juli kurzzeitig wichtige Dokumente aus.
© Foto: Heike Weißapfel
Erste Befürchtungen des Einwohnermeldeamtes in Hohen Neuendorf, keine Kinderreisepässe mehr ausstellen zu können, haben sich inzwischen gelegt. Dort waren Anfang Juli die Dokumente ausgegangen. Es gab Lieferprobleme bei der Bundesdruckerei. Die Vordrucke sind aber in jeder Meldebehörde notwendig, weil der Kinderreisepass, der vorläufige Reisepass und der vorläufige Personalausweis vor Ort, also in den Ämtern, produziert wird. Nur der Reisepass und der Personalausweis laufen über die Bundesdruckerei.

Oranienburg hilft der Nachbarstadt

Weil die Bundesbehörde aufgrund von Lieferschwierigkeiten keine neuen Druckvorlagen ins Hohen Neuendorfer Rathaus schicken konnte, half die Stadt Oranienburg aus. Das dortige Meldeamt hatte vorsorglich eine Express-Lieferung ausgelöst. „Wir konnten der Hohen Neuendorfer Stadtverwaltung auch mit einem Schwung Vordrucken leihweise aushelfen“, informierte Stadtsprecherin Eike-Kristin Fehlauer. Seitdem können in Hohen Neuendorf wie in allen anderen Meldeämtern auch der Kinderreisepass, der vorläufige Reisepass sowie der vorläufige Personalausweis noch am Tag der Beantragung ausgehändigt werden. „Ohne die Unterstützung aus Oranienburg wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Hohen Neuendorfs Stadtsprecherin Jutta Skotnicki. Andere Meldeämter in Oberhavel hatten nach eigenen Angaben keine mit Hohen Neuendorf vergleichbaren Probleme.

Tipps für Reisende

Die Meldeämter raten Einwohnern grundsätzlich dazu, schon bei der Buchung der Auslandsreise nachzuschauen, welche Dokumente benötigt werden. „Es sollte auch die Gültigkeit geprüft werden, damit genug Vorlaufzeit bleibt, um gegebenenfalls neue Dokumente herstellen zu lassen“, so Gina-Christin Dierberg vom Hennigsdorfer Bürgeramt. Es sollte auch rechtzeitig ein Termin in der Meldebehörde gebucht werden.

Extra-Hinweise

Wer dringend einen Reisepass benötigt, kann auch eine Express-Bestellung aufgeben. Dann kann der Pass in der Regel nach 72 Stunden (am darauffolgenden vierten Werktag) ausgehändigt werden. Das kostet allerdings Extra-Gebühren (32 Euro mehr).
Es gibt im Rathaus auch die Möglichkeit, einen vorläufigen Reisepass, der ein Jahr gültig ist, zu bekommen. Er wird allerdings von einigen Ländern nicht zur Einreise anerkannt.
Innerhalb der EU kann mit dem Personalausweis oder dem vorläufigen Personalausweis gereist werden.
Der Reisepass für Menschen, die älter als 24 Jahre sind, kostet 60 Euro Gebühr. Er ist dann zehn Jahre gültig.
Weil seit Januar 2021 Kinderreisepässe nur noch ein Jahr gelten, ordern viele Eltern die sechs Jahre gültigen Reisepässe für Personen, die noch nicht 24 Jahre alt sind (37,50 Euro).