Die Entsorgung von Abwasser in Hohen Neuendorf soll ab dem kommenden Jahr teurer werden. Der städtische Eigenbetrieb muss die Gebühren pro Kubikmeter erhöhen. Allerdings steht die genaue Höhe der Gebühr noch nicht fest.

Grundgebühr unverändert

Während die Grundgebühr von 91,25 Euro pro Jahr unverändert bleibt, haben Wirtschaftsprüfer dagegen ein Kubikmeterpreis von 3,05 Euro im Jahr vorgeschlagen. Das entspricht einer Steigerung von 29 Cent pro Kubikmeter (plus rund 12 Prozent). Eine Familie mit zwei bis drei Kindern und einem Verbrauch von zirka 150 Kubikmetern Wasser müsste rund 44 Euro mehr im Jahr zahlen. Doch Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) hat sein Veto eingelegt und einen Preis unter drei Euro pro Kubikmeter der Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen.

Berechnung alle zwei Jahre

Alle zwei Jahre müssen die Gebühren für die Entsorgung von Abwasser neu kalkuliert werden. Bei der jüngsten Überprüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KWP Revision GmbH hat sich ergeben, dass eine Gebührenerhöhung notwendig ist. Grund dafür sind unter anderem laufende Instandhaltungsarbeiten des Kanalnetzes und der Pumpen.

Pumpen verschleißen schneller

Das Netz, das zwischen 1995 und 2000 gebaut wurde, ist trotz regelmäßiger Wartung in die Jahre gekommen. Das erfordert vermehrte Instandsetzungsmaßnahmen. Da die Preise im Baugewerbe in den vergangenen Jahren um 20 bis 40 Prozent gestiegen sind, werden Reparaturen und Wartungen immer kostspieliger. Hinzu kommt, dass Starkregenereignisse viel Schlamm und Sand in die Pumpwerke spült, sodass sie schneller verschleißen und bereits nach drei statt normalerweise nach fünf Jahren ausgetauscht werden müssen.

Apelt reduziert Zinssatz

„Mich haben diese Zahlen erschreckt“, räumt Bürgermeister Steffen Apelt im Vorfeld der Hauptausschusssitzung am Dienstagabend ein. „Als Kaufmann weiß ich, dass das alles sachlich richtig ist.“ Aber als Bürgermeister wolle er das anders lösen. Eine Stellschraube ist aus seiner Sicht die „kalkulatorische Verzinsung des eingesetzten Kapitals“. Gerechnet wurde nach Angaben der Stadt mit einer Zinsbindung über 20 Jahre. „Wir sind aktuell in einer Minuszinsphase. Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, hier wesentlich kürzere Laufzeiten zu wählen und damit einen Teil der Kostensteigerung aufzufangen. Mein Vorschlag lautet, 1,5 Prozent statt 3,2 Prozent Verzinsung anzunehmen – damit würden wir die Gebührensteigerung fast halbieren können.“
Sollte Apelts Ansatz eine Mehrheit in der Politik bekommen, würden die Gebühren von 2,76 Euro pro Kubikmeter auf nur noch 2,93 Euro pro Kubikmeter (plus 7,7 Prozent) erhöht werden. Das entspricht Mehrkosten von 17 Cent pro Kubikmeter. Die oben genannte Familie müsste pro Jahr nur noch 26 Euro statt 44 Euro mehr bezahlen.
Der Hauptausschuss konnte sich am Dienstagabend nicht nur nach Angaben von Stadtsprecherin Ariane Fäscher mit den Vorstellungen des Bürgermeisters anfreunden, sondern die Preiserhöhung noch weiter reduzieren. Denn sie strichen eine neue Stelle, die Werkleiter Lothar Wolf im Wirtschaftsplan für 2021 beantragt hatte. Der Hauptausschuss empfahl am Ende einen neuen Kubikmeterpreis von 2,88 Euro, also 12 Cent mehr als derzeit und 17 Cent weniger als der Preisvorschlag der Wirtschaftsprüfer. Sollte die Empfehlung des Hauptausschusses durchkommen, müsste besagte Familie 18 Euro pro Jahr mehr zahlen. Eine endgültige Entscheidung fällt auf der November-Sitzung der Stadtverordneten.

Bürgermeister denkt über größere Strukturen nach

Dauerhaft ist der Ansatz von Apelt aber keine Lösung: Die Kosten für Betrieb, Wartung und Instandhaltung steigen weiter. Moderate Gebührenerhöhungen seien deshalb auf Dauer nicht machbar, schätzt Apelt ein. Seiner Meinung nach sei Teil des Problems, dass das Abrechnungsgebiet zu klein ist. In Hohen Neuendorf gibt es 9 300 Anschlüsse. Der Bürgermeister denkt laut über neue, größere Strukturen nach. Er kann sich gut vorstellen, mit Glienicke, das sein Abwasser mit einem Regimebetrieb organisiert, und mit dem Zweckverband Fließtal gemeinsam einen Abwasserbetrieb auf die Beine zu stellen. Der Zweckverband kümmert sich um die Gemeinden Birkenwerder und Hohen Neuendorf. Bei der Trinkwasserversorgung arbeiten die vier Kommunen bereits gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben in der Wasser Nord zusammen.

Idee ist nicht neu

Die Idee eines S-Bahn-Gemeinden-Abwasserverbandes ist nicht neu. Schon vor acht Jahren ist dafür eine Untersuchung gemacht worden, die diese Struktur grundsätzlich befürwortete. Damals ist diese Idee aber an Birkenwerders Bürgermeister Norbert Hagen (parteilos) gescheitert. Die benachbarten Kollegen misstrauten dem Initiator dieser Idee.
Apelt will nun das Gespräch mit den Nachbarkommunen und dem Zweckverband suchen, um gemeinsam über größere und effektivere Strukturen in der Abwasserbeseitigung nachzudenken.

Zahlen und Fakten zum Hohen Neuendorfer Abwasser


Gut alle zehn Jahre wird eine Leitung mit einer Spezialkamera inspiziert, um mögliche Schäden erkennen zu können.

Das Gesamtnetz hat eine Länge von 130 Kilometern. 25 Pumpen befördern das Schmutzwasser ins Klärwerk Wansdorf (Havelland). Die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich auf gut 56 Millionen Euro.

Jedes Jahr müssen etwa 1,1 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser beseitigt werden.

Jeder Einwohner in Hohen Neuendorf produziert im Durchschnitt 111 Liter Abwasser - am Tag.

99 Prozent des Verbandsgebietes sind erschlossen. Lediglich in Randgebieten wie Havelhausen oder Pinnow gibt es noch Klärgruben – insgesamt 245.