Fridays for Future: Streit um Unterrichtsausfall durch Schülerstreik

Demo vorm Schloss: Schüler streiken und fordern schnelle Maßnahmen für den Klimaschutz.
Klaus D. GroteHeftig kritisiert wurde, dass zwei Schülern der zehnten Klasse, die an der Demo teilnahmen, angedroht wurde, dass sie wegen eines entgangenen Geschichtstests mit ungenügend bewertet würden. „Legt dagegen Widerspruch ein!“, riet die Oranienburger Grünen–Vorsitzende und frühere Lehrerin Elisabeth Mandl–Behnke. Schulleiterin Gabriele Schiebe hatte bereits im Februar gesagt, dass sie den Schulbetrieb aufrechterhalten müsse. Wer bei Klausuren oder Tests fehle, bekomme deshalb eine 6.
Doch der Schulbetrieb am LHG war diese Woche durch abwesende Lehrer, die sich auf Klassenfahrten und Weiterbildungen befanden, ohnehin eingeschränkt. Ein Elftklässler rechnet 17 Fehlstunden an vier Schultagen zusammen. Ein Zehntklässler sagt: „Wir haben in den Vertretungsstunden nur Filme geguckt, da gehe ich lieber auf die Demo.“
In den Schulen öffentlicher Träger in Oberhavel fielen im Schuljahr 2017/18 insgesamt 28 850 Stunden aus. Den Aufschrei über den Schülerstreik nennt Susann Reißig vom Kreisjugendring deshalb scheinheilig. Der Rahmenlehrplan des Landes lasse außerschulischen Unterricht sogar zu — die Demos könnten in Begleitung von Lehrern offiziell besucht werden. Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher habe sogar dazu aufgerufen. Beim ersten Oranienburger Klimastreik am 15. März hatte davon ein Lehrer mit seiner Klasse auch Gebrauch gemacht. Das Angebot der Lokalen Agenda 21, den Unterricht zu gestalten, sei nur einmal angenommen worden, sagte die Vorsitzende Birgit Kodian.
Und auch die Androhung von auf dem Zeugnis verzeichneten Fehlstunden laufen ins Leere, sagt Susann Reißig: „In der Sekundarstufe I tauchen gar keine Fehlstunden auf den Zeugnissen auf.“
Gestreikt wurde am Freitag auch in Hohen Neuendorf und Zehdenick. Weltweit wollen Schüler am 20. September fürs Klima demonstrieren. Für das Datum wurde nun bereits geworben.