Fuck-Up-Night: Nacht des Scheiterns soll Mut machen

Laden zu spannenden Geschichten ein und offen auf ebenso spannende Diskussionen: Oberhavels Kulturdezernent Matthias Rink, Anna Drosdwska, Leiterin der Kreisvolkshochschule, und Philipp Gall, Leiter des Regionalcenters Oberhavel der Industrie- und Handwerkskammer Potsdam (von links)
Volkmar ErnstDarum geht es in der ersten Fuck Up-Night, die als eine Gemeinschaftsveranstaltung der Kreisvolkshochschule Oberhavel, der Industrie- und Handelskammer Potsdam und der Stadt Oranienburg am Donnerstag, 4. April, im Oranienwerk angeboten wird.
„Wir wollen den Gästen zeigen, dass Scheitern etwas ganz normales ist und zum Leben dazugehört. Wer ehrlich zu sich selbst ist, der wird das zugeben. Doch in unserer Gesellschaft wird das Scheitern stigmatisiert. Es wird als etwas Schlechtes betrachtet. Die Folge ist, dass sich niemand traut, Fehler zu machen, weil das ein Makel angesehen“, beschreibt Oberhavels Kulturdezernent Matthias Rink das Angebot. Anna Drosdowska, die Leiterin der Volkshochschule, ergänzt die Ausführungen mit anschaulichen Beispielen. "Wenn jemand eine Fremdsprache lernt, dann ist es ganz normal, dass Worte falsch ausgesprochen oder Vokabeln vergessen werden. Das ist auch nicht schlimm. Aber wir erleben immer wieder, dass die Kursteilnehmer davor scheuen, Fehler zu machen und lieber nichts sagen. Aber das ist ganz falsch. Das wollen wir den Menschen begreiflich machen und ihnen Mut machen, sich davon nicht beeindrucken zu lassen.“
Phlipp Gall von der IHK Potsdam ergänzt die Erklärung durch einen Exkurs ins Schul- und Arbeitsleben. Eine Fünf oder eine Sechs in einem Schulfach zu bekommen, sein kein Weltuntergang, einmal abgesehen von der Tatsache, solche Noten als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Wer die Note jedoch als Ansporn verstehe, zu hinterfragen, warum das passiert sei, der könne daraus lernen. Das gelte im übertragenen Sinn auch im späteren Berufsleben. Nicht jeder Schulabgänger wisse, wofür er sich interessiert und was ihm Spaß mache, so der Fachmann. Wichtig sei aber auch hier, eben aus der Not, sich wahrscheinlich für den falschen Beruf entschieden zu haben, eine Tugend zu machen, und nach einer geeigneten Alternative zu suchen. Das sei zwar kein Freibrief, ständig zu wechseln, so Gall, gehöre aber doch zum Leben. Einen Seitenhieb gab es in Richtung der erwaltungen und Unternehmen. Sie sollten, sofern solche Brüche in einem Lebenslauf aufgelistet werden, diese nicht als Schwäche, sondern vielmehr als Stärke wahrnehmen.
Die Jugendlichen wollen sie darin unterstützen, selbst aktiv zu werden und sich nicht davor zu scheuen, selbst Verantwortung als Unternehmen zu übernehmen.
Alle drei Einladenden hoffen am 4. April deshalb auf einen vollen Veranstaltungssaal im Oranienwerk, in dem Schüler und Jugendlichen ebenso anzutreffen sind wie Unternehmer, Arbeitssuchende oder Senioren. „Wir hoffen, dass die Gäste Kraft und Mut schöpfen und aktiv werden“, so das Fazit.
Sollte das der Fall sein, können sich die Drei eine Fortführung der Veranstaltungsreihe, vielleicht sogar spezialisiert auf bestimmte Guppen (Alter und Arbeit) vorstellen.
Ablauf der Veranstaltung
Vier Referenten haben die Veranstalter eingeladen, die über das persönliche und berufliche Scheiten berichten werden. Dazu gehören:
■ Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke,
■ Internetaktivist und IT-Experte Daniel Domscheit-Berg
■ der Unternehmer und Träger des Zukunftspreises Brandenburg, Benjamin Körber, und
■ die einstige Investment-Bankerin Anni O., die heute regelmäßig im bekannten Berliner KitKat-Club als DJane auftritt.
■ Landrat Ludgar Westkamp wird ein Grußwortsprechen.
■ Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr mit den Referaten, danach sind Diskussionen ausdrücklich erwünscht.⇥(veb)