Die vielleicht wichtigsten Tipps kamen von Grisha Alroi-Alroser. Der Geschäftsführer der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer in Tel Aviv teilte den Gästen aus Oranienburg im Länderbriefing die Besonderheiten Israels, seiner Kultur und Menschen mit. Wichtig sind solche Kenntnisse normalerweise für Geschäftsleute. Nützlich sind sie aber auch für Bürgermeister, die eine Partnerschaft anstreben. Deshalb gab es das Gespräch im neunten Stock des Sharbat Houses in der Kaufmann Street gegenüber dem Strand von Tel Aviv.
Die Weichen für die Verbindung Oranienburgs mit Kfar Yona wurden jedenfalls in der vergangenen Woche gestellt. Die Gastgeber hatten alles getan, um die Deutschen zu beeindrucken. Bürgermeister Alexander Laesicke wurde schon auf Plakaten an der Junior- und der Ish-Sahalom-Highschool begrüßt. Nach dem gemeinsamen Essen gab es ein Gastgeschenk von Bürgermeisterin Shoshi Kahalon Kidor: Eine Taube als Symbol für den Frieden und die Stadt Kfar Yona (Taube).
Erfahrener Kameramann
Das seien gute Voraussetzungen für eine Partnerschaft, bestätigte ein anderer Landsmann: Michael Shubitz, seit vielen Jahren Kameramann des ARD-Studios in Tel Aviv. Er hat ein freundschaftliches Verhältnis zu Alexander Laesicke, den er 2004 für einen Fernsehbeitrag in Israel begleitete. Laesicke war damals mit dem Fahrrad gekommen. 5 532 Kilometer. "Über Syrien und Jordanien, das war damals noch möglich", sagt Laesicke, der in Israel immer wieder von der Tour berichten muss.
Die Neugier ist ohnehin groß. Tomer Weinstein, der ein erfolgreiches Start-up in Tel Aviv gegründet hat, möchte seine Idee in dieser Woche auch gern während eines Besuchs in Oranienburg präsentieren. Die von ihm gegründete Firma Blee Hackathons bringt Entwickler zusammen, um die beste Lösung für ein Problem zu finden. Die Marathon-Hacker könnten möglicherweise auch für Oranienburg Lösungen finden, hofft Philipp Gall von den Wirtschaftsjunioren Oberhavel, der den Kontakt zu Tomer Weinstein herstellte und damit einen Besuch im schicken Gebäude der Innovationsplattform Sosa ermöglichte. Wo früher Handwerker arbeiteten, sitzen heute Menschen auf schicken Möbeln über ihren Laptops und tüfteln an  ihren Ideen. Tel Aviv gilt weltweit als eine der Hauptstädte für moderne Start-up-Firmen.
832611
Aus seinem tiefen Erfahrungsschatz mit Israel konnte auch Andreas Müller berichten. Der SPD-Politiker ist Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, der die älteste deutsch-israelische Partnerschaft unterhält – mit dem Kreis Emek Hefer, dem Nachbarkreis von Kfar Yona. Schon seit 1966 gebe es Austauschaufenthalte von Jugendlichen und Erwachsenen. Das Bildungsministerium in Nordrhein-Westfalen unterstützt die gegenseitigen Besuche, berichtet Müller, der die Oranienburger auf der Kommunalmesse Muni World 2020 in Tel Aviv kennenlernte. Dort kamen vergangene Woche Bürgermeister und Landräte aus mehr als 70 Ländern zusammen.
Auch Oranienburg kann noch Ideen für die Finanzierung künftiger Schüleraustausche gebrauchen. Dieter Starke, Leiter des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums, berichtete von den oft aufwändigen Förderanträgen. Es solle aber möglichst allen Schülern, die Interesse haben, der Aufenthalt in Israel ermöglicht werden, so Starke. 2018 waren OSZ-Schüler zum ersten Mal in Kfar Yona. Die Partnerschaft mit der Ish-Sahalom-Highschool wurde damals begründet. Schüler der zwölften Klasse berichteten während des Besuchs der Oranienburger begeistert von ihrem Aufenthalt in Deutschland. Ende März kommen zum zweiten Mal Jugendliche aus Kfar Yona, um eine Woche lang bei ihren Gastfamilien zu wohnen und Deutschland kennenzulernen.
Junge Botschafterin
"Das ist das Ziel der Partnerschaft mit Israel", sagt Alexander Laesicke. Vor allem junge Menschen sollten sich gegenseitig kennenlernen und Verständnis füreinander entwickeln. Eine junge Frau, bei der das auf eine andere und sehr beeindruckende Weise bereits klappt, ist Hanna Safarov. Die 19-jährige Oranienburgerin, die im vergangenen Jahr ihr Abitur am Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum ablegte, absolviert ein freiwilliges soziales Jahr in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Auch sie berichtete aus ihrem bereits gewonnen Erfahrungsschatz und über die hochspannende und tiefer greifende Arbeit in der Gedenkstätte, in der sie unter anderem Zugang zu Originalakten hat, die übersetzt und digitalisiert werden. "Hanna ist schon heute ein Botschafter für uns", freut sich Laesicke.

Delegation in Israel

Nach Israel reisten neben Bürgermeister Alexander Laesicke, seinem Mitarbeiter Wolfgang Hiepen, OGA-Redakteur Klaus D. Grote auch Schulleiter Dieter Starke mit. Das Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum unterhält bereits eine Partnerschaft zur Ish-Shalom-Highschool in Kfar Yona.

Für die Wirtschaftsjunioren Oberhavel reiste Philipp Gall mit. Dabei war auch Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz. Seine Gastgeschenke (Brot aus Schwante sowie Stücke der Berliner Mauer für die beiden besuchten Schulen in Kfar Yona) sorgten für eine noch herzlichere Stimmung zwischen Gastgebern und Gästen. Jetzt wird der Gegenbesuch vorbereitet. kd