Grünen-Politikerin: Kreistagsgewinnerin hat nun auch den Landtag im Blick

Julia Schmidt hat schon viel erreicht: Aufgeregt ist sie nicht, aber glücklich, dass sie für die Grünen in der Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag so viele Stimmen geholt hat.
Heike WeißapfelIhr Arbeitstag ist derzeit lang. Doch Julia Schmidt lacht gern und oft – und sie hat gut lachen: „Ja, es ist schon verrückt“, sagt sie. Die 25-jährige Studentin hat in der letzten Zeit Beträchtliches erreicht. Sie ist in die Hohen Neuendorfer Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Im Kreistag sitzt sie auch; dort hat sie mit 7 321 Stimmen sogar das beste Ergebnis überhaupt erzielt.
Am Bekanntheitsgrad kann es noch nicht liegen, denn so lange wohnt die Borgsdorferin noch gar nicht in der Gegend. „Das spiegelt gerade die Stimmung nach neuen und jungen Gesichtern wider, auch den Wunsch nach mehr Frauen in der Politik“, vermutet sie. „Da passe ich gerade rein.“ Im bündnisgrünen Kreisverband war sie eine der Sprecherinnen. Das wurde zuviel, aber jetzt ist sie Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Die Zeichen stehen derzeit gut für die Grünen, die Zeit scheint reif, auch dank „Fridays for Future“.
„Das zeigt, dass der jungen Generation eben nicht alles egal ist und dass sich junge Leute gegenseitig motivieren können“, sagt Julia Schmidt. Sie will den Aufwind der Grünen nutzen und am 1. September in den 7. Brandenburger Landtag einziehen. Damit sorgt sie bei den anderen Direktkandidaten in den S-Bahn-Gemeinden ganz sicher für Herzklopfen. Denn die Chancen der fröhlich-entschlossenen, bodenständig wirkenden jungen Frau stehen nicht schlecht.
Bildungskarte für Kinder
Soziale Gerechtigkeit sei ihr ein zentrales Anliegen, nennt sie einen Schwerpunkt. „Wir müssen über Arbeit, gerechte Löhne, Mindestlöhne bei Vergaben reden. Das geht auch im Land“, ist sie sicher. Gute Start-Up-Bedingungen im ländlichen Raum zu fördern, sei ihr ebenfalls wichtig. „Es muss attraktiv sein, hier zu bleiben oder wiederzukehren“, sagt Julia Schmidt. Deshalb würde sie sich auch für mehr Jugendbeteiligung auf Landesebene einsetzen. Eine „Bildungskarte“ für Kinder, ein Teilhabepaket für Bildung und Schulessen, stehe ganz oben auf der Liste dessen, wofür sie sich im Land stark machen will.
Klimaschutz sollte in jedem Parlamentsbeschluss berücksichtigt werden, erklärt sie. So versuchten es die Bündnisgrünen, zum Teil parteiübergreifend, gerade im Kreistag zu etablieren. „Wir machen das konsequent“, sagt Julia Schmidt. „Immer wenn es Geld kostet, wird es doch weggelassen. Aber das ist zu kurz gedacht. Am Klimaschutz dürfen wir nicht sparen.“ Radwege stehen auf ihrer Agenda. Zudem wünscht sie sich, dass die Digitalisierung der Verwaltung noch stärker den Einwohnern zugute kommt. „Es werden so viele Daten erhoben. Es gibt Zählstationen für Radwege und für die CO2-Belastung“, nennt sie Beispiele. „Die könnten doch immer öffentlich zur Verfügung stehen.“
Geboren und aufgewachsen ist Julia Schmidt in Maxdorf, einem Ort mit etwa 8 000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz, wo sie sich schon als Schülersprecherin einbringen und etwas bewegen konnte. Über die Grüne Jugend in Mannheim wurde ihr Engagement parteipolitisch. Dort lernte sie auch ihren Lebensgefährten Tristan Hoffmann kennen, der aus Borgsdorf stammt und auch in der Stadtverordnetenversammlung neben ihr sitzt. Vor anderthalb Jahren entschieden sich die beiden für Borgsdorf als Wohnort. Julia Schmidt studiert Politik- und Verwaltungswissenschaft und Soziologie an der Fernuni Hagen. Sie arbeitet außerdem halbtags für die grüne Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke, wobei sie einen weiteren Teil der politischen Arbeit auf der praktischen Ebene kennenlernt.
„Ich glaube, ich habe eine kleine, aber realistische Chance“, sagt Julia Schmidt. „Ich würde mich sehr freuen, wenn es klappt. Zu verlieren habe ich nichts. Aber ich habe viel Respekt vor der Aufgabe – ich habe nicht das Gefühl, dass ich schon alles kann.“
Abstimmung am 1. September
Die Wahlen zum Brandenburger Landtag finden am 1. September statt. Er hat in der Regel 88 Abgeordnete. Es gibt 44 Wahlkreise, Oberhavel hat die Nummer 8, die S-Bahn-Gemeinden bilden den Bereich II. Alle Wahlberechtigten haben zwei Stimmen: Mit der Erststimme wird der gewünschte Direktkandidat gewählt, mit der Zweitstimme die Landesliste der jeweiligen Partei. Wahlberechtigt ist, wer am Wahltag 16 Jahre alt ist. Bis zum 15. Juli können Direktkandidaten gemeldet werden.⇥hw