Ich habe jetzt jeden Tag mindestens einen Termin, der mit Handball zu tun hat. Sonst war das einmal in der Woche“, sagt Thomas Stahlberg. Wie viele andere Funktionäre, so kämpft auch der Präsident des Oranienburger HC derzeit an mehreren Fronten. Die gewöhnlichen Aufgaben sind es schon lange nicht mehr, mit welchen sich die Beteiligten des Vereins aus der Kreisstadt auseinandersetzen müssen.

Herr Stahlberg, die zurückliegenden Wochen und Monate waren gerade für Hallensportler alles andere als einfach. Die Zukunft ist trotz des Saisonstarts zudem ungewiss. Wie geht es Ihnen?

Was wir im Moment an Aufwand betreiben müssen, um das Ganze zusammenzuhalten, ist schon enorm. Grenzwertig trifft es fast nicht mehr. Ich weiß nicht, wie lange man das aushält. Wir müssen tausend andere Dinge regeln, mit denen wir vorher nichts zu tun hatten. Es geht um Zuschauerzahlen, die dafür notwendigen Ordner und Hygienekonzepte.

Kommt man da irgendwann überhaupt noch hinterher?

Das müssen wir ja. Es gibt aber einfach unwahrscheinlich viele Dinge, welche zu beachten sind. Jetzt gibt es noch den neuen Wahnsinn, dass die Spieler und die Leute, welche auf der Bank sind, eineinhalb Meter auseinander sitzen müssen. Das kann man alles machen. Ich verstehe auch, dass alles versucht wird, um einzudämmen. Doch die Fragen sind, wie weit das alles getrieben wird und wie umsetzbar das noch ist?

Die Saison ist bereits angelaufen. Auch die ersten Heimspiele einiger Mannschaften des OHC gab es bereits. Am Sonnabend folgt zudem der erste Auftritt des Drittligateams in der MBS-Arena. Können Sie sich aufgrund der Umstände überhaupt auf all das freuen?

Tatsächlich kommt die Freude fast zu kurz. Wir kommen einfach gar nicht zum Luft holen, um die 26 Teams des Oranienburger HC gut in die Saison zu führen. Wir sagen immer, dass wir ein großer Familienverein sind. Dann müssen wir das auch mit Leben erfüllen. Ehrlicherweise bleibt aber davon leider derzeit einiges auf der Strecke, da wir ganz andere Dinge regeln müssen.

Was macht es so schwierig?

Es ist momentan alles sehr komplex. Dafür sind nicht einmal wir, als relativ großer Verein, strukturell ausgerichtet. Diese ganzen Klein-klein-Themen zu bedienen, ist nicht einfach. Es ist schon alles der blanke Wahnsinn. Mit einem guten Gefühl sowie einer Übersicht die Themen zu bündeln und dabei die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist kompliziert. Dabei dreht sich alles nur um das Spiel der jeweiligen Mannschaft des Oranienburger HC. Wir müssen aber immer auch sehr wachsam sein bei den Dingen, die wir tun, um nicht gegen Auflagen zu verstoßen. Es ist einfach eine Ausnahmesituation.

Der Verein hat für den Spielbetrieb Hygienekonzepte eingereicht. Gibt es dafür grünes Licht vom Gesundheitsamt?

Wir haben die Konzepte eingereicht. Das wurde vom Amt bestätigt. Zum einzuhaltenden Abstand und zum Mund-und-Nasenschutz gab es dann noch die gängigen Hinweise. Es ist aber nicht explizit auf unsere Konzepte eingegangen worden. Auch die Zuschauerzahl von 260 in der MBS-Arena wurde nicht angezweifelt. Insgesamt haben wir vier Konzepte eingereicht. Diese wurden sicher gelesen, und wenn wir etwas komplett verkehrt gemacht hätten, wäre das Gesundheitsamt noch einmal auf uns zugekommen. Das ist aber nicht passiert, weshalb wir davon ausgehen, dass wir alles so, wie wir es vorhaben, umsetzen können.

Was wird in der Halle anders sein?

Die Blaupause, um alles zu verallgemeinern, gibt es nicht. Dafür allerdings grundlegende Sachen, die wichtig sind. Es muss schon darauf geachtet werden, wie viele Personen gleichzeitig auf das WC gehen. Die Schieds- und die Kampfrichter sollen so lange wie möglich eine Maske tragen. Das gilt auch für die Spieler, die nicht beteiligt sind. Aus- und Eingang werden für die Zuschauer möglichst an zwei verschiedenen Orten sein. Auch im HBI-Sportforum ist dafür schon ein seperater Ausgang geschaffen worden. Damit sich die Fans beim Hinein- und Rausgehen nicht begegnen. Was das betrifft, haben wir schon eine Menge Gehirnschmalz in alles gesteckt und werden das jetzt mit unseren Ordnern umsetzen.

Das klingt so, als ob innerhalb des Vereins niemals zur Debatte gestanden hat, einige Spiele vielleicht vor leeren Rängen auszutragen.

Wir wollen natürlich auch den Juniorenmannschaften die Möglichkeit einräumen, dass die Eltern zuschauen kommen können. Neben dem Team in der 3. Liga, welches für uns elementar wichtig ist, sind vor allem die Kinder und Jugendlichen unser Elixir. Wenn sie vor leeren Rängen spielen müssten, würde das der Sache überhaupt nicht gerecht werden.

Kann es bei einem guten Start der Heimspiele auch sein, dass vor allem die Zahl der Fans bei den Drittligaspielen nach oben korrigiert werden kann?

260 Zuschauer ist jetzt die Zahl, mit welcher wir es probieren werden. Ob wir uns danach vielleicht noch mehr zutrauen, weil wir möglicherweise feststellen, dass alles problemlos abgelaufen ist, kann noch niemand sagen. Jeder Zuschauer hilft uns aber sehr, weil er auch ein paar Euro dalässt und wir, wie jeder andere Verein auch, finanziell ums Überleben kämpfen.

Wie schlecht oder wie gut geht es denn dem Oranienburger HC?

Konkret kann ich das nicht sagen. Fakt ist aber, dass die komplette Saison finanziell noch nicht abgesichert ist. So ist der Stand der Dinge, weshalb wir noch ein paar Hausaufgaben zu machen haben. Zusätzlich müssen wir noch mehr Kontakt mit unseren Partnern suchen, um ein bisschen was zu kompensieren, was sie jetzt an Leistungen, die vielleicht vertraglich festgelegt sind, derzeit nicht bekommen. Wenn sonst vor 856 Zuschauern ein Banner ausgerollt wurde, passiert das jetzt vor 260. Das ist schon ein Unterschied. Die Partner sehen aber zum Glück, dass wir uns in einer schwierigen Situation befinden.

Musste auch beim Drittligateam eingespart werden?

Unsere Spieler haben teilweise komplett und jetzt prozentual auf ihre Aufwandsentschädigung verzichtet. Das hat uns natürlich geholfen. Hätten sie das nicht getan, wären meine Aussagen wahrscheinlich deutlich dramatischer. Auch bei Trainern und Funktionären war das zwischenzeitlich bis auf Null gefahren worden. Wir werden künftig auch mit kleineren Fahrzeugen zum Spiel fahren, wenn die Entfernung vielleicht 200 oder 300 Kilometer beträgt, um den großen Bus und die damit verbundenen Kosten zu umgehen. Auch an der ersten Männermannschaft geht dieser Einschnitt nicht vorbei. Da gibt es aber einen großen Schulterschluss von allen.