Handelsforscher: City bekommt nur mittelmäßige Noten

Da geht noch was: Die Sortimentsvielfalt der Oranienburger Innenstadthändler wurde nur mit Note 3 bewertet.
OGAIm September vorigen Jahres befragten Mitarbeiter des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) 400 Passanten in der Oranienburger Innenstadt. Bundesweit nahmen an der Untersuchung „Vitale Innenstädte 2018“ 116 Städte unterschiedlicher Größenordnung teil. Mit gut bewerteten die Oranienburger die Grünflächen, die Sauberkeit und Sicherheit in der City sowie das Zurechtfinden in der Innenstadt. Nur mit einer 3 wurde jedoch die Sortimentsvielfalt benotet. Während allein Optiker und Drogerien als mit „gut vertreten“ eingeordnet werden, wurde bemängelt, dass es an Angeboten für Bekleidung und Unterhaltungselektronik fehle. Auch Gebäude, Fassaden und die Lebendigkeit in der City erhielten nur eine 3.
Dass die Oranienburger Innenstadt über die Note „lediglich mittelmäßig“ nicht hinauskommt, ist indes keine ganz neue Erkenntnis, die im Übrigen auf die meisten Städte mit bis zu 50 000 Einwohnern zutreffe, so die Experten. „Die Teilnahme an der Befragung ist aber ein wichtiger Schritt, um herauszufinden, wo wir noch ansetzen können, um unsere Innenstadt zu stärken“, sagt Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). Für den Handelsexperten der IHK Potsdam, Malte Gräve, zeigt die Befragung aber auch, „dass wirklich alle, also die Gewerbetreibenden, die Vermieter und die Stadtverwaltung intensiv zusammenarbeiten müssen, um die Attraktivität zu steigern“.
Die Befragung brachte allerdings auch einige überraschende Fakten an den Tag. „Zum Beispiel ist der Anteil der Besucher vergleichsweise hoch, die mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad in die Stadt kommen“, sagt Stadtplanungsamtsleiter Christian Kielczynski. Sehr gut sei die Erreichbarkeit für alle Verkehrsmittel bewertet worden. „Allerdings wurde das Thema Parken in der Innenstadt schlechter benotet. Deshalb wollen wir das Parkraumbewirtschaftskonzept weiter optimieren“, versichert Kielczynski.
Jedoch kommt es gerade auf die Lebendigkeit als einen der wichtigsten Faktoren für Flair und Atmosphäre an, um die Attraktivität der Innenstadt zu stärken. Städte allerdings, die bei den Einzelfaktoren Ambiente und Einzelhandelsangebot nicht punkten können, verlieren erheblich an Gesamtattraktivität und damit rasch auch an Kunden, sagen die Kölner Handelsforscher. Für das Gesamtbild zählen aber auch noch andere Einflussfaktoren, etwa Komfort, Service und Erlebnis.
Gerade für kleine und mittlere Städte sind diese Faktoren von besonderer Wichtigkeit. Sie können ein wirksamer Hebel sein, die Besucherfrequenz in der City zu erhöhen. Oranienburg kann dabei bereits auf zwei inzwischen traditionelle Events der City Gemeinschaft (CGO) aufbauen. Das ist einmal „Koofen und Schwofen“ im Frühjahr und die noch größere Schwester „Lichternacht“ im Herbst, die stets viel Leben in die City bringen. Beide Veranstaltungen mit zusätzlichen Musik-, Kultur- und Gastronomieangeboten locken regelmäßig mehrere Tausend Gäste in die Innenstadt.
Die Datenerhebung der IFH erfolgte an zwei ausgewählten Tagen (Donnerstag und Samstag) im September 2018 anhand eines einheitlichen Fragebogens. Bundesweit sind dabei fast 60 000 Interviews zusammengekommen. Ziel der Untersuchung ist es, den Partnern in Handel und Verwaltung dringend benötigte Informationen über die Positionierung ihrer Städte zu liefern, und zwar aus Sicht der Besucher und Kunden.
„Geschäftsstraßenmanagement und Wirtschaftsförderung werden die durch die Befragung gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam mit der IHK Potsdam näher und intensiver auswerten“, sagt Susanne Zamecki, die bei der Stadt für die Wirtschaftsförderung verantwortlich ist. „Denn nur dann können wir weitere Schlüsse ziehen und sinnvolle Maßnahmen für Verbesserungen vorschlagen, um damit dann vielleicht die Attraktivität Oranienburgs zu steigern“, sagt sie.
Weitere Ergebnisse
■ Auch die gastronomischen Angebote in der Innenstadt, also Restaurants und Biergärten, wurden nur mit mittelmäßig bewertet.
■ Eine gute Bewertung gab es hingegen für Cafés und Eisdielen in der City.
■ 56, 4 Prozent der am Donnerstag Befragten kamen aus Oranienburg, 43,6 Prozent von außerhalb. Am Sonnabend kamen 45,2 Prozent der Befragten von außerhalb.
■ 53,9 Prozent der Befragten waren Frauen.⇥(bren)