Historie
: Lebendige Vergangenheit

Das Geschichtsstübchen von Birkenwerder hat eine neue Ausstellung konzipiert. Es geht um Gaststätten heute und früher.
Von
Karl Kapahnke
Birkenwerder
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  • Erika Schürhoff engagiert sich mit vielen Mitstreitern für das Geschichtsstübchen.

    Erika Schürhoff engagiert sich mit vielen Mitstreitern für das Geschichtsstübchen.

    Karl Kapahnke
  • Erika Schürhoff im Museum.

    Erika Schürhoff im Museum.

    Karl Kapahnke
  • Ein altes Telefon.

    Ein altes Telefon.

    Karl Kapahnke
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Die 75-Jährige ist keine Unbekannte in der Gemeinde. Als ehemalige Lehrerin und Schulleiterin der heutigen Regine-Hildebrandt-Oberschule fühlt sie sich schon ihr Leben lang in Birkenwerder wohl. Ob als Leiterin des Freizeitchors, Politikerin im Gemeindeparlament und Vorsitzende des Sozialausschusses, die engagierte Frau scheint trotz ihres Alters immer auf Achse zu sein.

Erste Schau auf dem Dachboden

Eines ihrer Herzensprojekte ist das Geschichtsstübchen. „2005 haben Freunde mich gefragt, ob ich Lust hätte, ein Heimatmuseum für Birkenwerder aufzubauen. Die Idee entstand auf einem Ausflug der Freiwilligen Feuerwehr“, erinnert sich Schürhoff. Sie sei sofort von der Idee begeistert gewesen. Sofort haben  sie und ihre Mitstreiter begonnen, Gegenstände aus der Historie des Ortes zu sammeln. Schon bald konnte eine erste Ausstellung auf dem Dachboden des Rathauses eröffnet werden. „Viele unserer Mitglieder konnten spannende Gegenstände von ihren Eltern oder aus ihrer Kindheit mitbringen, die sie auf dem Dachboden fanden. Als Gemeindevertreterin kannte ich natürlich auch viele Einwohner, und als sich herumsprach, dass wir alte Unikate sammeln, wurde der Rathausdachboden schnell zu klein.“ erzählt die 75-Jährige. Da im Clara-Zetkin-Haus zu dieser Zeit Räume leer standen, zog das Museum kurzerhand um.

„Unser Ziel ist es, belegbare Geschichte durch die gesammelten Gegenstände nachzuzeichnen“, erklärt die muntere Frau. Diese Historie interessierte auch viele Einwohner. Doch bereits kurz nach der Museumseröffnung erlosch die Begeisterung  schnell wieder. „Wir brauchten einen Weg, um die Leute immer wieder aufs Neue begeistern zu können. Daher entwickelten wir die Ideen der Wechselausstellungen“. Diese jährlich neu zusammengestellten Sammlungen beschäftigen sich mit einem bestimmten Thema und können jeweils für begrenzte Zeit im Rathaus besucht werden.

Oberhavel

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Durch Erinnerungen der Gruppe, Recherchen im Archiv der Stadt, im Oranienburger Heimatmuseum, dem Potsdamer Landesarchiv sowie durch alte Postkarten versuchen die 23 Mitglieder, die lange Historie der Gemeinde wieder aufleben zu lassen. Die erste Wechselausstellung wurde 2007 unter dem Thema „Schulausstellung“ eröffnet und kann noch heute in den Räumlichkeiten des Geschichtsstübchens bestaunt werden. Dieses Jahr haben sich die Hobby-Historiker mit den Gaststätten in der Gemeinde beschäftigt (siehe Info-Kasten). Die Ausstellung wird am 28. September um 11 Uhr im Rathaus eröffnet. In Birkenwerder haben sich sowohl Bewohner als auch Besucher schon immer wohlgefühlt. Zu Beginn als beliebtes Ausflugsziel der Berliner entwickelte sich die Gemeinde über ein Jahrhundert hinweg zu einem immer beliebteren Wohnort. „Durch den Bau der Eisenbahnstrecke kamen immer mehr Touristen. Zwischenzeitlich gab es bis zu 40 Gaststätten“, erläutert Erika Schürhoff.

Über alte Schulmappen, historische Schreibfedern und gut erhaltene Schiefertafeln hinaus  gibt es im Clara-Zetkin-Haus noch weitaus mehr zu sehen. Die verwinkelten Räume, liebevoll „Stübchen“ genannt, sind thematisch unterteilt. So lassen sich beispielsweise Exponate aus den Bereichen Waschen, Kochen, Handwerksarbeit, Wohnen, altes Mobiliar und historische Karten Birkenwerders betrachten sowie Vereinsgeschichten nachvollziehen.

Die engagierte Rentnerin erklärt: „Wir haben einige sehr seltene Stücke aus Birkenwerder, beispielsweise einen Schrank, der einst in Birkenwerder gefertigt wurde. Oder auch Ziegel, die hier gebrannt und geprägt wurden, als in Birkenwerder noch eine Ziegelei existierte“. Auch eine Couch aus den 1930er-Jahren, Geld aus der Inflationszeit und Spielzeuge aus vergangenen Jahrzehnten lassen sich in den bis zur Decke mit Ausstellungsstücken gefüllten Räumen finden.

Projekt Waschfrauen

Doch Museum heißt in Birkenwerder auch mitmachen. Das Waschfrauen-Projekt erfreut sich auf Veranstaltungen wie dem Oranienfest großer Beliebtheit und animiert Interessierte zum Mitmachen. „Von zirka 1920 bis 1950 wurde Wäsche ganz anders gewaschen als heute. Die Leute wissen gar nicht mehr, wie Wäsche gekocht und mit einem Waschbrett umgegangen wird. Oft ist es gerade für Kinder spannend, den zeitgenössisch gekleideten Damen beim Wäschewaschen zuzusehen und selbst mal mit anzufassen.“ erzählt die ehemalige Deutsch- und Musiklehrerin mit einem verschmitzten Lächeln, während sie eins der benannten Waschbretter in die Hand nimmt.

Die Mitglieder des anerkannten Heimatmuseums seien vorrangig älter. „Wir sind alle im Rahmen unserer körperlichen Fähigkeiten mit Enthusiasmus dabei, freuen uns aber insbesondere über junge Interessierte“, lässt Schürhoff durchblicken. Nach Terminvereinbarung ist es möglich, in die Historie der Gemeinde einzutauchen.

Hier die Kontaktdaten von  Erika Schürhoff: Telefon 03303/501501, E-Mail: geschichtsstuebchen@birkenwerder.de

Kneipen-Kultur in Birkenwerder

Die neue Ausstellung des Geschichtsstübchens heißt "Vom Dorfkrug zum Restaurant".

Die Eröffnung ist diesen Sonnabend, 28. September, um 11 Uhr im Rathaus.

Bis zum 19. Oktober ist sie an folgenden Öffnungszeiten zu sehen: dienstags 14 bis 18 Uhr, donnerstags 10 bis 14 Uhr, sonnabends 11 bis 15 Uhr. Sonnabends gibt es Sonderaktionen.⇥zeit