Historisches: Feiern wie bei den Nordmännern
Hunderte Besucher pilgerten dafür am Osterwochenende zum Kiessee, um altes Handwerk zu sehen, süßen Met zu probieren oder in Gewandung dem Alltag zu entfliehen.
Stephanie Lange zog die Blicke vieler Besucher auf sich. Um den Hals der Berlinerin schlang sich ein giftgrüner Drache, der zuerst wie eine harmlose Attrappe aussah. Per Fernsteuerung ließ sie ihre Puppe dann aber tanzen. Drachen haben Stephanie Lange schon immer in den Bann gezogen: Die Mischung aus Schlange, Krokodil und den – laut Fabel – „Augen des Teufels“ hat sie so fasziniert, dass die Hobbyzeichnerin eine Skizze „ihres“ Drachen gemalt hat. Ihren Entwurf für so ein Fabelwesen gab sie an eine Freundin weiter, die aus der Zeichnung innerhalb von sechs Monaten ein kleines technisches Meisterwerk schuf. In der Puppe sind Servomotoren, Funktechnik, ein Kilogramm Watte und noch einiges mehr verbaut, damit sich der Drache scheinbar wie von Geisterhand auf Stephanie Langes Schultern bewegt.
An Essen hat es nicht gemangelt
Die zweijährige Hannah war mit ein wenig Zuspruch von Mama Christin mutig genug, um dem freundlichen Tier über die Nase zu streicheln. Sonst hätten sie immer den Mittelaltermarkt in der Zitadelle Spandau besucht, doch das Fest am Schildower Kiessee sei eine willkommene Abwechslung.
Wer entlang der zahlreichen Buden schlenderte, konnte schnell den Eindruck gewinnen, dass es den Wikingern an Essen und Trinken nicht gemangelt hat. Stärkung gibt es zum Beispiel in der Schaubäckerei von Kai Palacios Monteleir. Köstlich duftende Brote, Schinkenbrötchen und Teigtaschen mit Schafskäse und Spinat oder Tomaten und Mozzarella liegen schon in der Auslage, als er ein neues Blech mit Backwerk aus dem rauchenden Holzofen zieht. Vor neun Jahren hat der gelernte Koch aus Dresden zum ersten Mal auf einem Mittelalterfest beobachtet, wie rustikale Teigwaren zubereitet werden. Prompt hat er sich alle wichtigen Handgriffe zeigen lassen, um dann selbst als Bäcker über die Wikinger- und Ritterfeste der Republik ziehen zu können. Noch mehr als die Leidenschaft für das Kochen und Backen ist es aber das Gemeinschaftsgefühl, das ihn begeistert. „Wir sind wie eine Familie, jeder ist füreinander da.“
Monteleir ist nicht der einzige, den die entspannte Atmosphäre und das friedliche, solidarische Zusammensein am Wikingerfest in Schildow begeistert. Wo man auch hinhört, loben die Gäste das familiäre Ambiente – vor allem jene, die während des Osterwochenendes am Kiessee gezeltet haben und mit ihren Gewandungen dazu beitrugen, das Fest so authentisch wie möglich zu gestalten.
Zu ihnen gehört auch Jens Söntgen, der über die Feiertage aus Flensburg nach Schildow gereist ist. „Es hätte auch bei uns in der Nähe ein Wikingerfest gegeben, aber hier kenne ich einfach mehr Leute“, erklärt er seinen Osterausflug. Gemeinsam für ein paar Tage dem Alltag zu entfliehen und mit der Gewandung in eine neue Rolle zu schlüpfen: Das ist es, was bei vielen die Faszination für Mittelalterfeste jeglicher Art ausmacht.
Infokasten
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

