Hund in Oranienburg
: Sie macht aus Hundehaar Wolle – was ist mit dem Geruch?

Viele Hundehalter fragen sich: Wohin mit den ganzen Haaren? Eine Weberin aus Oranienburg fertigt aus Hundehaar Wolle. Doch riecht die Kleidung nicht?
Von
Anja Sokolow,
dpa
Oranienburg
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Weberin Svenja Suhr fertigt Wolle aus Hundehaaren: PRODUKTION - 10.03.2025, Brandenburg, Oranienburg: Die Weberin Svenja Suhr spinnt in ihrer Handweberei „Weberschiffchen“ auch Wolle aus Hundehaaren. Hier hält sie ein Tuch aus Hundehaaren in den Händen. Seit Jahren spinnt sie Garn aus Hundehaaren und strickt daraus auch Schals, Stulpen und andere Accessoires. In ihrer Weberei arbeitet sie ansonsten auch mit Garnen aus Seide, Cashmere, Merinowolle, Baumwolle und Leinen. (zu dpa: «Ist das Angora? Nein, Labrador!») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Svenja Suhr aus Oranienburg fertigt Wolle aus Hundehaaren Hier hält sie ein Tuch aus Hundehaaren in den Händen. Aus dem tierischen Garn strickt sie auch Schals, Stulpen und andere Accessoires.

Jens Kalaene/dpa
  • Svenja Suhr aus Oranienburg spinnt und strickt Wolle aus Hundehaar.
  • Langhaarige Hunde wie Golden Retriever sind am besten geeignet.
  • Hundehaar ist 80% wärmer als Schafwolle, aber glatter.
  • Pullover benötigen eine Mischung aus Hund und Schafwolle.
  • Die Reinigung der Hundehaare erfolgt mit Fellshampoo.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Svenja Suhr legt sich ein selbst gestricktes Dreieckstuch mit Blattmuster über die Schultern. Es ist so flauschig und weich, dass man meinen könnte, es sei aus Angorawolle. Doch mitnichten: „Wenn ich Kunden sage, dass das Hundewolle ist, erschrecken manche erst einmal“, sagt die Inhaberin einer Weberei in Oranienburg. Seit Jahren spinnt sie Garn aus Hundehaaren und strickt daraus auch Schals, Stulpen und andere Accessoires.

Am besten eigne sich die Wolle von Hunden mit möglichst langem Haar: „Leonberger, Golden Retriever oder Samojeden haben tolles Fell und eine tolle Unterwolle“, sagt Suhr, die nur letztere verwende.

Kurzhaardackel eher schlecht geeignet für Wolle

Die Unterwolle sei um 80 Prozent wärmer als Schafwolle. Besitzer von Kurzhaardackeln hingegen hätten keine Chance auf flauschige Schals aus Wolle ihrer Vierbeiner: „Die Haare sind einfach zu kurz“, sagt Svenja Suhr.

Erinnerungen an ihre Hunde seien das, was die meisten Besitzer wollen. „Eine Kundin wollte auch einfach etwas Besonderes haben, was sonst niemand hat“, so die Weberin. Die Wolle zu sammeln, sei gar nicht schwierig. Beim Kämmen falle schließlich immer etwas an. Die Hundehaare kämen inzwischen aus ganz Deutschland und auch aus der Schweiz.

Auch aus Walldürn im Odenwald kam ein Hundehaar-Paket. Julia Stellner schickte es Ende 2024 nach Oranienburg. „Ich hätte auch gern eine schöne Erinnerung an meine Hündin Simba, wenn sie irgendwann nicht mehr da sein sollte“, erzählt die 29-Jährige.

Aus einem Kilo Hundehaar konnte Suhr 800 Gramm Wolle spinnen. „Ich möchte mir damit einen Pullover stricken“, sagt Stellner. Ihre Hündin – eine Mischung aus Golden Retriever und Husky – habe ein sehr fluffiges Fell, das sie schon immer gesammelt habe. „Von Eurasier-Besitzern habe ich gehört, dass man die Haare zu Wolle spinnen lassen kann“, so die Maschinenbauingenieurin. So sei sie auf die Idee gekommen.

Weberin Svenja Suhr fertigt Wolle aus Hundehaaren: PRODUKTION - 10.03.2025, Brandenburg, Oranienburg: Die Weberin Svenja Suhr verarbeitet in ihrer Handweberei „Weberschiffchen“ auch Wolle aus Hundehaaren. Seit Jahren spinnt sie Garn aus Hundehaaren und strickt daraus auch Schals, Stulpen und andere Accessoires. In ihrer Weberei arbeitet sie ansonsten auch mit Garnen aus Seide, Cashmere, Merinowolle, Baumwolle und Leinen. (zu dpa: «Ist das Angora? Nein, Labrador!») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Weberin Svenja Suhr verarbeitet in ihrer Handweberei „Weberschiffchen“ auch Wolle aus Hundehaaren. In ihrer Weberei arbeitet sie ansonsten auch mit Garnen aus Seide, Cashmere, Merinowolle, Baumwolle und Leinen.

Jens Kalaene/dpa

Vor der Verarbeitung muss Suhr die Wolle reinigen. Manchmal hingen viele Überraschungen im Fell. „Ich habe schon Blätter und Steine gefunden oder auch Muscheln“, so Suhr. Damit die Wolle gut rieche, werde sie mit Fellshampoo gewaschen. „Menschen nehmen dann keinen Geruch mehr wahr, andere Hunde mit ihrer feinen Nase aber schon“, sagt Suhr.

Seit 2016 verarbeitet sie Hundehaare. Alles habe mit geschenktem Haar angefangen. Hundehaar zu verspinnen sei aber nichts Neues, betont sie. In prähistorischen Textilien in Skandinavien und in Nordamerika habe man Wolfshaare gefunden.

Weberin Svenja Suhr fertigt Wolle aus Hundehaaren: PRODUKTION - 10.03.2025, Brandenburg, Oranienburg: Die Weberin Svenja Suhr verarbeitet in ihrer Handweberei „Weberschiffchen“ auch Wolle aus Hundehaaren. Seit Jahren spinnt sie Garn aus Hundehaaren und strickt daraus auch Schals, Stulpen und andere Accessoires. Mittlerweile bekommt sie Hundehaare aus ganz Deutschland und auch aus der Schweiz. (zu dpa: «Ist das Angora? Nein, Labrador!») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Dass die Weberin aus Oranienburg Hundehaar zu Wolle spinnt, hat sich rumgesprochen. Mittlerweile bekommt sie Hundehaare aus ganz Deutschland und auch aus der Schweiz.

Jens Kalaene/dpa

In Kriegsjahren wurden Hundehaare zu einer Alternative für andere knappe Materialien. Das Freiheitsmuseum im niederländischen Groesbeek, das sich dem Zweiten Weltkrieg widmet, zeigt einen Pullover aus Wolle eines Wolfsspitzes, der auf den Namen Sten hörte.

Weberin aus Oranienburg verarbeitet auch Haare von Katzen

Einen Pullover habe sie bisher nicht gestrickt. „Das Problem ist: Hundehaare sind glatt, wie Alpaka und Kamel. Wenn man jetzt einen Pullover aus 100 Prozent Hundewolle strickt, hängt der nach dem Tragen bald auf dem Fußboden. Der wird immer länger und nach dem Waschen wird es noch schlimmer.“

Eine Mischung aus Hund und mindestens 20 Prozent Schafwolle gehe viel besser, erklärt Suhr. Auch Katzenhaare verarbeitet sie. „Die sind aber sehr kompliziert: fein, kurz, glatt. Hundehaare sind wesentlich einfacher zu spinnen“.

Weberin Svenja Suhr fertigt Wolle aus Hundehaaren: PRODUKTION - 10.03.2025, Brandenburg, Oranienburg: Die Weberin Svenja Suhr verarbeitet in ihrer Handweberei „Weberschiffchen“ Wolle aus Hundehaaren. Seit Jahren spinnt sie Garn aus Hundehaaren und strickt daraus auch Schals, Stulpen und andere Accessoires. Mittlerweile bekommt sie Hundehaare aus ganz Deutschland und auch aus der Schweiz. (zu dpa: «Ist das Angora? Nein, Labrador!») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Weberin Svenja Suhr aus Oranienburg setzt darauf, Hundewolle mit Schafswolle zu kombinieren. Auch aus Katzenhaar fertigt sie Wolle.

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Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin ist gelernte Krankenschwester und hat 30 Jahre in dem Beruf gearbeitet. Dann habe sie ihre Leidenschaft für Handarbeiten zum Beruf gemacht und eine weitere Ausbildung zur Weberin absolviert. In ihrer Weberei „Weberschiffchen“ in Oranienburg-Eden arbeitet sie ansonsten auch mit Garnen aus Seide, Kaschmir, Merinowolle, Baumwolle und Leinen und stellt Textilien her wie Decken oder Handtücher.

„Hunde werden nicht zur Wollproduktion gehalten“

Bundesweit verarbeiten auch andere Anbieter Hundehaar zu Wolle. Wie etwa Claudia Zeller-Kettler in Bremen. Die Nachfrage sei vor etwa eineinhalb Jahren stark angestiegen. Damals habe eine Firma, die Hundehaare im großen Stil verarbeiten wollte, viel Werbung für das Thema gemacht, erzählt Zeller-Kettler. Doch von dieser Firma sei inzwischen nichts mehr zu hören.

Die Bremerin weist auf den Nachhaltigkeitsaspekt hin: „Hunde werden nicht zur Wollproduktion gehalten, das heißt, alles, was ein Hund über Fressen, Haltung und Pflege an Ressourcen verbraucht, benötigt er ohnehin. Das Fell ist so gesehen ein ‚Abfallprodukt‘, das verwertet wird“, heißt es auf ihrer Internetseite „diespinnt.de“.

Im sächsischen Leukersdorf fertigt die Naturfasermühle laut Inhaberin Conny Böhme schon seit 15 Jahren Wolle aus Hundehaar. „Die Menschen wollen einfach etwas Bleibendes von ihrem Hund“, sagt sie. Und manche seien richtig glücklich, wenn sie beim Gassigehen eine Mütze aus der Wolle ihrer Hunde trügen.

Wer im nächsten Winter Accessoires aus Hundewolle tragen will, sollte schon jetzt Haare sammeln: Die Wartezeiten in den Spinnereien liegen oft bei mehreren Monaten.