Rettungshunde in Oranienburg: Hunde retten Menschen – so läuft die Ausbildung

Training in Oranienburg: Bis zu zwei Jahre dauert die Ausbildung eines Rettungshundes. Gabriele Kottsieper (l.) und Silke Marx beobachten, wie der Hund „Benjamin vom Olwenhof“ auf dem Hundeplatz an der Lehnitzstraße ein Hindernis überquert.
Jürgen Liebezeit- In Oranienburg werden Hunde für die Rettung von Menschen ausgebildet; Ausbildung dauert bis zu 2 Jahre.
- Hunde wie „Benjamin vom Olwenhof“ und „Zilli“ trainieren regelmäßig für Realeinsätze und Wettkämpfe.
- Teams aus Liebenwalde erfolgreich bei Deutscher Meisterschaft für Spezialhunde; Qualifikation für WM in Türkei.
- Suche nach vermisstem 70-Jährigem und nach Explosion in Hohen Neuendorf verdeutlicht Wichtigkeit der Rettungshunde.
- Training umfasst Spurensuche, Befehle folgen, Balancieren und mehr; Teamarbeit ist essenziell.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als sich Mitte Oktober im Wald zwischen Beetz und Grieben ein 70-jähriger Mann beim Pilzesuchen verirrt hatte und zu Hause nicht auftauchte, wurde Großalarm ausgelöst. Bei der Suche nach dem Rentner kamen Rettungshunde aus der Region zum Einsatz.
Auch nach der verheerenden Hausexplosion in Hohen Neuendorf Anfang 2020 halfen Hunde bei der Suche nach den verschütteten Bewohnern. Doch nicht jeder Hund ist für die komplexe Aufgabe gut geeignet.
Ortsgruppe Oranienburg: Treffpunkt für Hundeausbildung
Bevor die Tiere auf die komplizierte Suche geschickt werden, müssen sie ausgebildet werden. Ein wichtiger Treffpunkt und Ausbildungszentrum für die Rettungshunde in Berlin und Brandenburg ist die Ortsgruppe Oranienburg im Verein für Deutsche Schäferhunde, die auf zahlreiche erfolgreiche Realeinsätze, aber auch auf beachtliche sportliche Erfolge zurückblickt.
Bei der Deutschen Meisterschaft für Spezialhunde in Leipheim (Bayern-Süd) holte Anfang Oktober die Landesgruppe Berlin-Brandenburg, deren Mitglieder zum Teil auch in Oranienburg trainieren, erstmals den Mannschaftstitel.
Zwei Teams aus Liebenwalde erfolgreich
Zum Team gehören auch zwei Frauen mit ihren Schäferhündinnen aus Liebenwalde: Vivien Ruhrig mit der fünfjährigen „Berta vom Olwenhof“ und Gabriele Kottsieper mit ihrer siebenjährigen „Zilli vom Olwenhof“. Beide trainieren mehrmals in der Woche auf dem Hundeplatz der Ortsgruppe Oranienburg an der Lehnitzstraße 63 (Einfahrt zwischen Stadtwerke und DLRG), um für den Realeinsatz und den sportlichen Wettkampf fit zu sein.

Teamarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg: Gabriele Kottsieper (47 Jahre) und ihre Hündin „Zilli“ (7 Jahre) aus Liebenwalde.
Jürgen LiebezeitIm Rahmen der Prüfung mussten beide Teams drei „vermisste“ Personen in einem 40.000 Quadratmeter großen Waldstück innerhalb von 30 Minuten aufspüren. Das gelang beiden Oranienburger Teams so erfolgreich, dass sie den 5. und 7. Platz erreichten. Vivien Ruhrig und Gabriele Kottsieper, die auch als Trainerin in Oranienburg fungiert, qualifizierten sich damit für die nächste Weltmeisterschaft der Rettungshunde in der Türkei.
Der Hund muss Lust haben, Menschen zu finden
Dass sie die weite Anreise auf sich nehmen, ist eher unwahrscheinlich. „Es ist kompliziert, kostspielig, zeitaufwendig und angesichts der Politik von Präsident Erdogan politisch auch nicht vertretbar“, sagt Gabriele Kottsieper, die in der Landesgruppe als ehrenamtliche Beauftragte für die Spezialhundeausbildung arbeitet.
Gut zwei Jahre dauert in der Regel die Ausbildung eines Hundes, um vermisste Menschen gezielt entdecken zu können. Mehrmals in der Woche wird trainiert. „Der Hund muss Bock haben, Menschen zu finden“, bringt Gabriele Kottsieper eine einfache Vorsetzung für erfolgreiche Rettungshunde auf den Punkt.

Ein Suchhund des DRK war am 7. März 2020 in Hohen Neuendorf in den Trümmern des durch eine Explosion zerstörten Hauses im Einsatz. Bei dem Unglück starben damals zwei Menschen.
Paul ZinkenDass ihre „Zilli“ Lust auf die Aufgabe hat, ist beim Training auf dem Platz hinter dem Gelände der Stadtwerke deutlich zu spüren. Aufgeregt springt die Hündin aus dem Auto und winselt voller Vorfreude auf die bevorstehende Aufgabe.
Systematische Suche im unwegsamen Gelände
Zuvor hatte sich bereits Vereinsmitglied Silke Marx hinter einem dichten Busch im Gelände versteckt. Auf Kommando nimmt „Zilli“ die Witterung auf, denn die Hündin ist auf menschliche Gerüche spezialisiert.
Systematisch sucht sie das Gelände ab. Nach wenigen Sekunden hat sie Silke Marx gefunden und bellt laut. Zur Belohnung gibt sie der Hündin ein Leckerli. Hunde können bis zu einer Million verschiedener Gerüche unterscheiden, Menschen nur 10.000.
In Hohen Neuendorf kam Rettungshund zum Einsatz
Die anschließenden Trainingseinheiten Befehle befolgen, Balancieren, Tunneldurchquerung und Leiterlaufen absolviert „Zilli“ fehlerfrei. Dabei folgt sie exakt den Anweisungen von Gabriele Kottsieper. „Basis für Erfolg ist die Teamarbeit“, so die Trainerin.

Erfolgreich: Rettungshündin „Zilli“ hat ihre Trainingsaufgabe mit Bravour gemeistert.
Jürgen LiebezeitWer Interesse an dem Hundesport hat, kann sich unabhängig von der Rasse seines Hundes bei der langjährigen Vereinsvorsitzenden Heide Gansen (Telefon: 0172 4024055) melden und ein Probetraining vereinbaren. „Wir sind aber keine Hundeschule“, betont sie und lacht. Wer die Angebote des Vereins nutzt, soll sich auch in die Gemeinschaft einbringen. „Bei uns ist es ein Geben und Nehmen.“
Der Oranienburger Verein, der schon 1923 gegründet wurde, hat 16 aktive Mitglieder, die donnerstags ab 15 Uhr und sonntags ab 10 Uhr vor Ort sind. Die Trainerin Gabriele Kottsieper ist unter der Nummer 0172 3919742 zu erreichen.
Dass sich im Erstfall die intensive Trainingsarbeit lohnt, zeigte sich jüngst im Beetzer Wald. Die Suche nach dem orientierungslosen Pilzsammler war am Ende erfolgreich. Der völlig entkräftete Mann wurde gegen 3 Uhr nachts kurz vor Grieben gefunden. In Hohen Neuendorf konnten dagegen nach der Explosion vor mehr als vier Jahren zwei Bewohner nur noch tot geborgen werden. Rettungshunde hatten die ungefähre Lage der Opfer gefunden. Die Spezialhunde kommen in Oberhavel auch immer wieder zum Einsatz, wenn orientierungslose Seniorinnen und Senioren nicht mehr zurück nach Hause oder ins Altenheim finden.


