Marcus Schwarz, Geschäftsführer der TAS-Unternehmensgruppe, äußerte am Donnerstag sein Bedauern darüber aus, dass eine einvernehmliche Lösung zum alten Kornspeicher in Oranienburg mit der Stadt nicht möglich gewesen sei. TAS hatte eine Beteiligung an den Umbaukosten oder eine Übernahme des Speichers durch die Stadt angeboten. „Wir erkennen zwar den politischen Willen des Bürgermeisters und einiger Stadtverordneter, den Speicher für das Stadtbild zu erhalten, erachten allerdings deren Argumentation als wenig zielführend“, sagte Schwarz. Es seien keine weiterführenden konstruktiven Gespräche mehr geführt worden, so lange keine Abbruchgenehmigung vorlag. „Diesem Verständnis stellen wir uns mit Bedauern“, sagte Schwarz.

Anspruch auf Abrissgenehmigung?

Das Unternehmen beruft sich weiterhin auf eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit eines Erhalts des Speichers. Nach § 9 Abs. 2 Nr. 2 des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes bestehe daher ein Anspruch auf Erteilung einer Abrissgenehmigung. Dabei sei es nicht zulässig, das benachbarte Neubauvorhaben ertragserhöhend in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einzubeziehen. TAS hat für die nahezu fertiggestellten Neubauten und den alten Kornspeicher zwei eigene Gesellschaften gegründet.
Die TAS-Klage gegen den Landkreis Oberhavel hat zu erneuerten Forderungen zum Erhalt des denkmalgeschützten Speichers geführt. Wie berichtet, hat der Eigentümer des Gebäudes gegen die Ablehnung seines Abrissantrags beim Verwaltungsgericht Potsdam Klage eingereicht.

Resolution zum Erhalt des Speichers

„Die historische Bausubstanz Oranienburgs darf nicht den Profitinteressen eines millionenschweren Investors geopfert werden. Ich vertraue darauf, dass die zuständigen Richter dies am Ende ähnlich beurteilen werden“, sagte der Stadtverordnete Thomas Ney (Piraten). Er erinnerte an die von seiner Partei initiierte und von den Stadtverordneten im November 2019 beschlossene Resolution zum Erhalt des Speichers. Die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Walter-Mundt drückte ihr Bedauern über die Abrisspläne aus.

Farbanstrich als Kompromiss

Aus ihrer Sicht wäre „eine kosmetische Sanierung, also ein Farbanstrich, ein guter Kompromiss“ zum Erhalt des Speichers gewesen. Sie betonte, dass sich auch das Kulturministerium für den Erhalt einsetze, dieser sei von öffentlichem Interesse. „Es handelt sich um ein stadtbildprägendes Bauwerk, das ein wichtiges historisches Zeugnis für die Entwicklung der Stadt Oranienburg darstellt und zudem in seiner architektonischen Ausführung von bauhistorischer Bedeutung ist“, wird das Kulturministerium als Obere Denkmalschutzbehörde zitiert.
Die Kreisverwaltung erklärte zur Klage lediglich, es sei „das gute Recht des Unternehmens, sein Interesse auch auf diesem Weg auszuschöpfen“. Die Stadtverwaltung äußerte sich auf Anfrage nicht.