Der Hamburger Investor TAS OR Speicher GmbH & Co KG hat in der vergangenen Woche beim Verwaltungsgericht Potsdam Klage gegen die Ablehnung ihres Widerspruchs zum Abriss des alten Kornspeichers eingereicht. Richter Matthias Scharf bestätigte am Mittwoch den fristgerechten Eingang der Klage.
Die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis hatte vier Wochen zuvor einen Widerspruch von TAS abgewiesen, sagte Kreissprecherin Ivonne Pelz. Vor einem Jahr hatten die Hamburger erstmals vom Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes gesprochen und anschließend die Erteilung einer denkmalrechtlichen Erlaubnis für die Beseitigung des Speichers gestellt. Die Denkmalschutzbehörde lehnte den Antrag ab und wies nun auch den Widerspruch zurück.
Die Stadt Oranienburg ist ebenfalls gegen den Abriss des stadtbildprägenden Wahrzeichens und ging auch nicht auf Angebote der TAS ein. Die Hamburger wollten den Speicher entweder ganz der Stadt überlassen, gemeinsam einen Neubau errichten oder Oranienburg an der Sanierung beteiligen. Dabei galt aus Sicht der Stadt seit dem Verkauf des gesamten Geländes am Louise-Henriette-Steg, dass über den Wohnungsneubau die Sanierung des Speichers mitfinanziert wird. 264 Wohnungen baut TAS in elf Häusern. Die ersten sind zum 1. November bezugsfertig.

Hohe Umbaukosten

Doch TAS wurde der mit Auflagen der Denkmalbehörde geplante Umbau des Speichers zum Wohnturm plötzlich zu teuer. Dabei waren Fenster und Balkonanbauten sowie ein Treppenturm bereits genehmigt. Aus Sicht der TAS ist der Umbau jedoch nicht wirtschaftlich. Die Kosten würden sich auf 12,2 Millionen Euro belaufen. Der vormalige Investor war noch vom Umbaukosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro ausgegangen.  Beim Erwerb der Immobilie sei nicht bekannt gewesen, dass eine Sanierung unwirtschaftlich sei, sagte TAS-Sprecher Karsten Lüchow.
Schon jetzt scheint der Speicher fast verschwunden. Aus bestimmten Blickwinkeln ist das denkmalgeschützte Gebäude nicht mehr zu sehen, weil es von Neubauten umstellt wurde. Das Wohnungsbauprojekt „Louise“, das früher „Wohnen am Speicher“ hieß, ist nun nahezu fertig und zeigt, was vom historischen Speicher übrig blieb.
Der einst stadtbildprägende Silo der ehemaligen Dampfmühle am Louise-Henriette-Steg ist hinter den Neubauten fast verschwunden und aus der unmittelbaren Umgebung kaum noch zu sehen. Das Gebäude wurden wegen seiner damals neuartigen Bauweise in Eisenspannbeton unter Denkmalschutz gestellt. Bauweise und Denkmalschutz machen eine Sanierung aufwändig. Der aktuelle Inhaber lehnt das ab und plant den Abriss des Gebäudes.

Oranienburg wächst

Ab 1. November sollen nun die ersten Wohnungen bezogen werden. Dann sind die Häuser 5 bis 10 des ersten Bauabschnitts fertig. Die Häuser 1 bis 4 sowie 11 und 12 des zweiten Bauabschnitts sollen zum 1. Februar 2021 fertig sein, teilt der Hamburger Investor auf seiner Homepage mit.
264 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, zwischen 43 und 135 Quadratmeter groß, sind am Fuße des Speichers entstanden. Einige Wohnungen wurden als Musterwohnungen bereits eingerichtet. Besichtigungstermine finden seit einigen Wochen laufend statt, viele Termine sind ausgebucht. Oranienburg wird mit dem Bezug der Wohnungen schlagartig um mehrere Hundert Einwohner wachsen.

Fristgerecht geklagt

Die anfangs geplanten Wohnungen im Speicher sind schon lange aus dem Angebot genommen worden. TAS hatte vor einem Jahr den Abriss des Gebäudes beantragt. Die untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis hat den Widerspruch gegen die Ablehnung des Abrissantrags inzwischen zurückgewiesen. „Der ablehnende Widerspruchsbescheid ging der TAS OR Speicher GmbH & Co KG laut Empfangsbekenntnis am 29. Juli zu“, teilte Kreissprecherin Ivonne Pelz mit.
Die TAS hatte bis zum 31. August Zeit, beim Verwaltungsgericht Potsdam Klage gegen die Entscheidung der Behörde einzureichen und tat dies auch. Die Klage ging laut Richter Matthias Scharf am 27. August ein. Eine Stellungnahme von TAS war am Mittwoch zunächst nicht zu erhalten.