Der Landkreis Oberhavel hat sein Wohnungsbauprogramm auf dem früheren Bundeswehrgelände in Lehnitz abgeschlossen. Der Umbau des letzten Kasernenblocks zu einem Wohngebäude ist vollendet. Die ersten Mieter können Anfang Oktober einziehen. Besichtigungstermine gibt es schon jetzt.

35 neue Wohnungen in Lehnitz-Ost

Angeboten werden im neuen Block 35 Ein- bis Drei-Raum-Wohnungen zwischen 40 und knapp 90 Quadratmeter Wohnfläche. Zwei Drittel der Quartiere werden für eine Nettokaltmiete von acht Euro pro Quadratmetern angeboten. „Sie sind damit gerade für Familien und Alleinstehende mit geringem und mittlerem Einkommen attraktiv und bezahlbar“, erklärten Landrat Ludger Weskamp (SPD) und der Geschäftsführer der Oberhavel Holding, Andreas Ernst, am Montag bei einer Vor-Ort-Besichtigung in Lehnitz. Ein Drittel der Wohnungen bleiben Hartz-IV- und Sozialhilfeempfängern vorbehalten, bei denen der Staat für die Kosten der Unterkunft aufkommt.

Rund 20 Millionen Euro investiert

Insgesamt sind auf der früheren Militärliegenschaft in den vergangenen drei Jahren 140 Wohnungen in vier Häusern entstanden. Die Oberhavel Holding als 100-prozentige Tochtergesellschaft des Landkreises hat dafür etwa rund 17 Millionen Euro investiert. Drei Millionen Euro flossen zudem in das alte Schulungsgebäude der Bundeswehr, das zunächst als Ausweichquartier für die Oranienburger Torhorstschule genutzt wurde. In diesem Jahr eröffnete der Landkreis dort eine Oberschule. In der Investitionssumme ist auch der Kauf des ehemaligen Kasernengeländes enthalten. Der Kreis hatte die Liegenschaft vor fünf Jahren gekauft – zunächst für die Unterbringung von Geflüchteten. Zurzeit leben noch rund 200 Asylbewerber in der Lehnitzer Gemeinschaftsunterkunft.

Bebauungsplan sieht 360 weitere Wohnungen vor

Mehr Geld will der Landkreis in Lehnitz zwar nicht in den Wohnungsbau investieren. Weitere Quartiere sind aber dennoch vorgesehen. Ein noch nicht abgeschlossenes Bebauungsplanverfahren der Stadt Oranienburg sieht im Bereich der noch nicht abgerissenen Truppenküche mehrere Neubauten mit 360 Wohnungen sowie eine Kita vor. Mit einem Abschluss des Bebauungsplanverfahrens wird Anfang kommenden Jahres gerechnet. „Die Stadt Oranienburg und die städtische Woba wären unsere bevorzugten Partner für dieses Projekt“, erklärte Landrat Ludger Weskamp.

Laesicke: Größere Häuser sind hier möglich

Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) sagte, die Stadt werde sich dem Wachstum nicht verschließen. Das solle zwar organisch passieren. „Aber das Areal hier in Lehnitz bietet die logistischen Voraussetzungen, auch größere Wohnhäuser zu errichten.“

Oberhavel Holding sieht Bedarf für Lebensmittelmarkt

Ein Teil des Geländes liegt allerdings auf Hohen Neuendorfer Gemarkung im Ortsteil Borgsdorf. Dort liege ein vor zwei Jahren gestartetes Bebauungsplanverfahren auf Eis, bedauerte Landrat Weskamp in Lehnitz. Die Hohen Neuendorfer Stadtverordneten wollen noch in diesem Monat entscheiden, ob sie ein Bebauungsplanverfahren die für Fläche des Barbarasaals in Lehnitz zulassen. Dort will der Lebensmitteldiscounter Norma eine Filiale errichten. Im Hohen Neuendorfer Stadtentwicklungsausschuss ist das Vorhaben zuletzt mit Blick auf ein fehlendes Gesamtkonzept für das Areal abgelehnt worden. Der Chef der Oberhavel Holding, Andreas Ernst, sieht mittelfristig aber Bedarf für einen Nahversorger im Viertel. „Hier werden in absehbarer Zeit mehr als 700 Menschen leben. Da muss die wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln ein Thema sein.“