Israel-Besuch
: Der Anfang für Oranienburgs neue Städtepartnerschaft ist gemacht

Bürgermeisterin Shoshi Kahalon Kido, Alexander Laesicke und ihre jeweiligen Delegationen sorgen für einen guten Start der Beziehungen zwischen Kfar Yona in Israel und Oranienburg.
Von
Klaus Grote
Oranienburg
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  • Auch in der Atit-Junior-Highschool gibt es eine Roboter-AG, die ihre Entwicklungen präsentierte. Nach dem Besuch der beiden Schulen fuhr die Delegation zu einer Gedenkstätte für die Opfer eines Bombenanschlags vor genau 25 Jahren bei Kfar Yona.

    Auch in der Atit-Junior-Highschool gibt es eine Roboter-AG, die ihre Entwicklungen präsentierte. Nach dem Besuch der beiden Schulen fuhr die Delegation zu einer Gedenkstätte für die Opfer eines Bombenanschlags vor genau 25 Jahren bei Kfar Yona.

    Klaus D. Grote
  • Erste Begegnung der Oranienburger am Flughafen (v.l.): IHK-Regionalcenterchef Philipp Gall , Schulleiter Dieter Starke, Wolfgang Hiepen (Stadtverwaltung), Alexander Laesicke und Karl-Dietmar Plentz

    Erste Begegnung der Oranienburger am Flughafen (v.l.): IHK-Regionalcenterchef Philipp Gall , Schulleiter Dieter Starke, Wolfgang Hiepen (Stadtverwaltung), Alexander Laesicke und Karl-Dietmar Plentz

    Klaus D. Grote
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Bürgermeisterin Shoshi Kahalon Kidor und ihre Stadtverwaltung setzten auf den Überraschungseffekt. Das Programm zum Besuch von Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke in der Stadt Kfar Yona war bis zuletzt geheim geblieben. Dann sah Laesicke bei seiner Ankunft am Montag als erstes das himmelblaue Plakat im Rathaus: Welcome Oranienburg! Es folgten herzliche Begrüßungen und viele äußerst freundliche Begegnungen mit Menschen, die Laesicke und seine kleine Delegation aus Oranienburg warmherzig und neugierig empfingen.

Oranienburg strebt eine Partnerschaft mit der 1932 begründeten, schnell wachsenden 25 000-Einwohner-Stadt im Zentralbezirk Israels an. Kfar Yona, noch eher klein und mehr eine Schlafstadt für Familien, die aus Tel Aviv und Netanja hergezogen sind, wird auch von anderen deutschen Kommunen als Partnerstadt umworben. Doch die Oranienburger Gäste wurden bereits wie Freunde empfangen. Und immer wieder war auf beiden Seiten zu hören: „Kfar Yona und Oranienburg passen ideal zueinander.“

Da ist zum Beispiel Marc Wollach, der 25 Jahre lang die Musikschule im Ort leitete, perfekt deutsch spricht und unbedingt nach Oranienburg reisen und die Musikschulen kennenlernen möchte. „Über Musik entstehen Partnerschaften, denn sie berührt unsere Herzen“, sagt er und wird bald darauf bestätigt. In der Atit Junior Highschool, der Mittelschule von Kfar Yona, an deren Eingang ein himmelblaues Plakat mit dem Aufdruck „Willkommen Alexander Laesicke“ hängt,  spielt die neugegründete Schulband stimmungsvolle Popsongs. Den Text von Leonard Cohens Song „Hallelujah“ singen die Schüler auf Englisch und Hebräisch. Alle im Raum sind gerührt. Bürgermeister Laesicke schüttelt den Schülern freudestrahlend die Hände zum Dank. Musiklehrer Sasha Yagudin, der fließend deutsch spricht, ist begeistert, als er erfährt, dass es in Oranienburg gleich drei Musikschulen gibt.

Und da ist die bereits 2018 geschlossene Partnerschaft des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums mit der Oberschule von Kfar Yona, der Ish Shalom Highschool. Der mit Laesicke nach Israel gereiste OSZ-Leiter Dieter Starke wird in der Schule als Freund empfangen. Englischlehrerin Oksana Spon berichtet lebhaft über die Aktivitäten der Schule und über das Leben in Kfar Yona. Die  Roboter-AG "BumbleB 3339“ ist der ganze Stolz der Schule: Der Lehrer berichtet von nationalen und internationalen Wettbewerbserfolgen seiner jungen Tüftler, die dann einen ihrer selbstgebauten Roboter vorführen. Das Gerät sammelt Bälle ein und schießt sie zielsicher in einen Korb. Für die AG wurde eine eigene Halle auf dem Schulcampus gebaut.

Ende März kommen zum zweiten Mal Schüler der Ish-Shalom-Highschool für eine Woche nach Oranienburg. „Ich bin aufgeregt und freue mich, meine Austauschpartnerin Hanna wiederzutreffen“, sagt Mika Lev. Gilad Greenberg, der 2018 zur ersten Gruppe der Oranienburger Gäste aus Kfar Yona gehörte, erzählt begeistert vom Besuch in Deutschland. Sein Kontakt zur Austauschschülerin Diane aus Fürstenberg bestehe weiter. Wenn ihn Mitschüler fragen, ob sie sich am Austauschprogramm beteiligen sollen, rät er aus klarer Überzeugung: „Go for it!“

Bibelvers erreicht die Herzen

Natürlich erzählt Bürgermeister Laesicke während der ersten Begegnung mit den Vertretern Kfar Yonas von der Bürde Oranienburgs und seiner Geschichte als KZ-Standort. Er berichtet, dass er in der Nähe des ehemaligen Lagers aufgewachsen sei und sich immer mit der Frage beschäftigte, wie man mit dieser Last der Geschichte leben könne. „Wir dürfen es nicht vergessen. Aber wir müssen auch in die Zukunft schauen und Freundschaften aufbauen“, sagt Laesicke. Als er dann von der Radtour von Oranienburg nach Israel vor 15 Jahren erzählt, hören die Gastgeber staunend und fast ein wenig ungläubig zu. 5 632 Kilometer mit dem Fahrrad?

Mit der Geschichte hatte es schon bei der Ankunft  am Flughafen in Tel Aviv  gefunkt: Eine junge Frau aus Israel hörte staunend zu. Ein orthodoxer Jude wollte unbedingt wissen, wer der „crazy Man“ mit dem Fahrrad sei. Dann entsteht schnell ein Foto, der Mann und Laesicke strahlen.

Und dann ist da Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz, der als Israel-Fan den Bürgermeister ebenfalls begleitet. In den beiden Schulen überreicht er den Direktorinnen jeweils kleine Stücke der Berliner Mauer. Die Bürgermeisterin und ihre Mitarbeiter begrüßt er mit den hebräischen Worten, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem im Januar wählte: „Gepriesen sei der Herr unser Gott, dass wir heute hier sein können.“ Er schlägt eine Bibel auf und liest auf Englisch aus der Prophezeiung Jesaias (Kapitel 60, Vers 14): „Es werden gebückt zu dir kommen, die dich unterdrückt haben.“ Die Gäste sind gerührt, applaudieren. Bürgermeisterin Shoshi Kahalon Kidor umarmtPlentz, legt ihren Kopf an seine Schulter. Die Oranienburger, die gerade zum ersten Mal überhaupt nach Kfar Yona gekommen sind, wirken wie Brüder – tatsächlich wird Bürgermeister Laesicke ausschließlich von Männern begleitet. Die neue Freundschaft wird später beim gemeinsamen Essen vertieft. „Das war ein guter Anfang“, sagt Shoshi Kahalon Kidor.

Vielleicht schon im April will die Bürgermeisterin Oranienburg besuchen. Bereits an diesem Mittwoch ist sie gemeinsam mit Alexander Laesicke auf der Messe Muni World in Tel Aviv, bei der sich Kommunen aus der ganzen Welt Gedanken über ihre „smarte“ Entwicklung machen.

Schnell wachsende Stadt

Kfar Yona liegt im Zentralbezirk Israels unweit der Großstadt Netanja und nur 15 Minuten Fahrtzeit vom Mittelmeer entfernt. Der Ort wurde 1932 von Jean Yona Fisher begründet. Kfar bedeutet Dorf, Yona steht für Taube. Das Symbol für den Frieden ist gleichzeitig das Wappentier Kfar Yonas.

Die aufstrebende Stadt mit 25 000 Einwohnern hat eine selbstbewusste Bürgermeisterin – eine von 40 Frauen an der Spitze von Kommunen in Israel. "Ich bin Löwin", sagt Shoshi Kahalon Kidor und meint nicht nur ihr Sternzeichen. Sie will Kfar Yona in den kommenden 15 Jahren auf 78 000 Einwohner wachsen lassen. Auf den Feldern nördlich der bestehenden Siedlungen wachsen Hochhäuser in den Himmel. Ein Einkaufszentrum entsteht. Erst kürzlich wurde eine Synagoge eröffnet. Im nächsten Jahr nehmen drei neue Kindergärten den Betrieb auf.

Schon jetzt gibt es 54 Kitas für 1 600 Kinder, sieben Grundschulen und fünf weitere Schulen. 6 000 Menschen in Kfar Yona sind zwischen 3 und 18 Jahre alt. Drei Viertel der Bevölkerung sind unter 45 Jahre alt.

Bürgermeisterin Shoshi Kahalon Kidor, seit einem Jahr im Amt, hat sich ein junges Team an ihre Seite geholt. Ihr Vorgänger war 41 Jahre lang im Amt, da wurde es Zeit für weitere neue Gesichter in der wachsenden Verwaltung.⇥kd