Katastrophenschutz
: Feuerwehr in Oranienburg bekommt neuen Gerätewagen für Gefahrguteinsätze

Am Mittwoch wurde das knapp 500 000 Euro teure Gefährt von Oberhavels Landrat Ludger Weskamp (SPD) offiziell an Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (SPD) sowie an Stadtbrandmeister Sven Marten und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Oranienburg in der Wache an der Julius-Leber-Straße übergeben.
Von
Burkhard Keeve
Oranienburg
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Schlüsselübergabe: Die Freude ist groß über das neue Gefahrgut-Fahrzeug. Zu den Aufgaben des Kreises gehört es, die Städte und Gemeinden mit Katastrophenschutz-Fahrzeugen auszustatten. Von links: Sven Marten, Ludger Weskamp und Alexander Laesicke.

Burkhard Keeve

Am Mittwoch wurde das knapp 500 000 Euro teure Gefährt von Oberhavels Landrat Ludger Weskamp (SPD) offiziell an Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (SPD) sowie an Stadtbrandmeister Sven Marten und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Oranienburg in der Wache an der Julius-Leber-Straße übergeben.

Das Katastrophenschutz-Fahrzeug ersetzt das bislang genutzte Fahrzeug aus dem Jahr 1993. „Es wird nicht zur Brandbekämfung eingesetzt“, sagte Weskamp. Es helfe, Umweltschäden durch Gefahrgut zu verhindern und ist ein wesentlicher Teil der Gefahrstoffeinheit (GSE). Die Gefahrstoffeinheit kommt dann zum Einsatz, wenn die Feuerwehr gegen Gefahren im so genannten ABC-Bereich kämpfen muss – das sind radioaktive, biologische sowie chemische Stoffe und Materialien. Solche Einsätze sind hingegen – zum Glück – in Oberhavel selten. Doch erst Anfang des Jahres musste die Einheit ausrücken, weil am 9. Januar übler Buttersäure-Gestank aus einem Wohn- und Geschäftshaus an der Bernauer Straße 93 drang und die Feuerwehr stundenlang in Atem hielt. Die Bewohner des Hauses wurden evakuiert und sogar ein Sperrkreis eingerichtet.

Aber auch sonst wird der neue Gefahrgut-Gerätewagen nicht nur in der Halle stehen und „kaputt gepflegt“, so Weskamp. Zum Einsatz kommt das Gefährt auch bei sogenannten Großschadenslagen wie Starkregen oder Bombenentschärfungen.

Das Besondere an dem Gerätewagen ist nicht das Äußere, es ist groß und typisch feuerwehrrot. Was ihn ausmacht ist der Inhalt, der in etlichen Rollwagen gestapelt ist. Im Inneren ist ein großer Anteil der feuerwehrtechnischen Beladung der Gefahrstoffeinheit verstaut. Insbesondere ist er mit einer Vielzahl von spezieller persönlicher Schutzausrüstung bestückt, sowie mit Equipment mit dem das Ausbreiten zum Beispiel von auslaufenden Chemikalien verhindert werden kann. Die Einsatzkräfte können mit der Ausrüstung Gefahrstoffe abdichten – oder auffangen und umfüllen.

Ein Funkgerät für 2 800 Euro

Dazu gehören spezielle Pumpen und Behältnisse. Diese machen das Fahrzeug auch so immens teuer. Das Fahrgestell und der Aufbau kosteten zusammen 200 000 Euro. Der Inhalt und damit richtig ins Geld gehen zum Beispiel die Edelstahlpumpen, bei denen es keinen gefährlichen Funkenschlag gibt – oder die nahezu unkaputtbaren Sprechfunkgeräte. Da kostet allein eines dieser säuregeschützten Funkgeräte um die 2 800 Euro.

30 Prozent der Kosten übernimmt der Landkreis, 70 Prozent bezahlt das Land Brandenburg. „Der Landkreis ist als untere Katastrophenschutzbehörde dazu verpflichtet, entsprechende Einheiten und Einrichtungen des Katastrophenschutzes aufzustellen und zu unterhalten“, erläuterte Weskamp. Seit Jahren schon werden auf diese Weise die Katastrophenschutz-Einheiten der Städten und Gemeinden bestückt. „Die Indienststellung des Gefahrgutfahrzeugs bedeutet natürlich auch, dass wir wieder ein Stück besser für die Bewältigung von Großschadenslagen und Katastrophen gerüstet sind“, sagte Weskamp. Der Landrat geht von steigenden Einsatzzahlen in den kommenden Jahren aus. Weskamp: „Mit Ereignissen wie Starkregenfällen oder extremen Dürresommern, aber auch zunehmendem Verkehrsunfallgeschehen rechnen wir auch künftig. Deshalb ist es so wichtig, dass wir zur Bewältigung von Schadensereignissen dieser Dimension gut vorbereitet und ausgerüstet sind.“

Für Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke ist der Gerätewagen „für unsere Einsatzkräfte in Oranienburg elementar wichtig. Der jetzige Wagen war nach 27 Jahren Einsatzzeit bereit zum Austausch, deshalb freue ich mich sehr über das neue Gefährt.“

Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis

Mit der Übergabe des neuen Gerätewagens wird die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Oberhavel und der Stadt Oranienburg im Bereich Katastrophenschutz fortgesetzt.

Die Voraussetzung für die Fahrzeugübergabe ist durch die Anpassung einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung aus dem Jahr 2017 zwischen  Landkreis und Oranienburg geschaffen worden. Diese regelt die Mitwirkung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt bei der Aufgabenerfüllung im überörtlichen Brandschutz, der überörtlichen Hilfeleistung und im Katastrophenschutz in einem integrierten Hilfeleistungssystem.

Der Kreistag Oberhavel hat der Vereinbarung am 27. Mai zugestimmt, die Stadtverordnetenversammlung Oranienburg am 22. Juni.⇥bu