Kommunalwahlen: Kreisstadt-SPD schickt 71 Kandidaten ins Rennen

Eine starke Gemeinschaft: Die meisten der SPD-Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl in Oranienburg kamen Donnerstag nochmal in der Turm-Erlebniscity zusammen.
SPD-OranienburgDamit stellt die SPD die umfangreichsten Listen zur Kommunalwahl in Oranienburg auf. „Das zeigt, dass die SPD in der Kreisstadt sehr lebendig ist. Damit untermauern wir unseren Anspruch, wieder als stärkste Kraft aus den Kommunalwahlen am 26. Mai hervorzugehen“, sagt Ortsvereins- und Fraktionschef Dirk Blettermann.
Mehr als die Hälfte der Kandidierenden sind 45 Jahre und jünger. Mit 21 Jahren ist Murris Hadzic der jüngste und der langjährige Stadtverordnete Eckhard Kuschel mit 75 Jahren der älteste Bewerber. Bis auf den aktuellen Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung und Zehlendorfer Ortsvorsteher Holger Mücke bewerben sich alle acht SPD-Mandatsträger wieder um einen Sitz im Stadtparlament. Mücke will sich aus der Kommunalpolitik zurückziehen.
„Ich freue mich, dass bei den vielen Neuen im Team zahlreiche Frauen dabei sind“, sagt Jennifer Collin, Vize-SPD-Vorsitzende in Oranienburg und Chefin der SPD-Frauen in Oberhavel. Genau 15 der 45 Bewerber sind Frauen. Auch die berufliche Bandbreite sei groß, sagt die ehemalige SPD-Bürgermeister-Kandidatin. Vom Studenten bis zum Handwerksmeister, von der Verwaltungsfachangestellten bis zur Immobilien-Fachfrau sei das eine gute Mischung, so Jennifer Collin.
Unter den Bewerbern sind auch 14 Parteilose. „Darauf bin ich besonders stolz, dass sich so viele ohne Parteibuch mit uns gemeinsam für unsere Stadt engagieren wollen“, sagt Björn Lüttmann. Der Landtagsabgeordnete ist ebenfalls stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender. „Gerade in Zeiten, in denen oft von Politikverdrossenheit gesprochen wird, ist das ein ermutigendes Signal“, so Lüttmann.
Eine der Kandidatinnen ohne Parteibuch ist die Sachsenhausener Immobilien-Fachfrau Heike Bergmann. „Ich lebe hier, will aber als künftige Rentnerin nicht versauern, mich geistig fit halten und mich deshalb gern für das Gemeinwesen engagieren“, sagt sie. Für Uta Gerber, die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Oberhavel-Süd, ist es der soziale Gedanke, der ihr beruflich und privat am Herzen liege und den sie noch besser in der Kommunalpolitik verankert sehen möchte. „Das geht mit der SPD am besten“, ist Uta Gerber überzeugt. Als Vorruheständler will sich der Germendorfer Hans-Joachim Luth kommunalpolitisch vor allem für mehr Radwege einsetzen, aber auch ein sehr wachsames Auge auf die weitere Entwicklung des Industriegebiets in Germendorf richten.
Matthias Hennig, auch er ist Vize-Chef des SPD-Ortsvereins, freut sich als Lehnitzer Ortsvorsteher vor allem über die mit 13 Kandidaten längste Liste für den Lehnitzer Ortsbeirat. In Lehnitz als Ort des Bildungsbürgertums sei das Interesse an der gemeinsamen Gestaltung des Ortsgeschehens besonders groß. Die SPD wolle in der nächsten Wahlperiode aber alle Ortsteile ohnehin stärker in die Politik einbeziehen, so Hennig.
Ziel bleibe es natürlich, möglichst in allen Ortsteilen auch mit eigenen Kandidaten anzutreten. Nach dem Rückzug von Holger Mücke klappt das in Zehlendorf nun nicht mehr. In Sachsenhausen trete die SPD nicht direkt an. Dort werden ihre Kandidaten vermutlich auf der Liste der Wählergemeinschaft Pro Sachsenhausen ins Rennen gehen. In Friedrichsthal wollten SPD-Mitglieder nicht kandidieren. Bei der vorigen Kommunalwahl trat dort Ortsvorsteher Jens Pamperin als starker Stimmenzieher für die SPD an. Allerdings gab Pamperin sein SPD-Parteibuch 2015 zurück und wechselte zur CDU, für die er am 26. Mai auch antritt. „Allein Wensickendorf ist unser weißer Fleck“, sagt SPD-Chef Dirk Blettermann. Dort wohne bisher kein Sozialdemokrat.
Mit Großplakaten, auf denen die jeweiligen Kandidaten für die einzelnen Wahlkreise freundlich in die Kamera lächeln, will die SPD auf sich und ihr Personal aufmerksam machen. Ansonsten seien alle aufgerufen, sich als Bewerber selbst um einen regen Wahlkampf zu kümmern, sich in der Öffentlichkeit vorzustellen und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, so Ortsvereinschef Blettermann. „Sie kennen uns, wir kümmern uns!“ soll das Motto sein.
In der boomenden Stadt Oranienburg müsse das Wachstum besser gesteuert werden, fordert die SPD in ihrem Wahlprogramm. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sei die zentrale soziale Frage der Zeit. Die Woba sei mit ihren Projekten auf dem richtigen Weg. Doch das reiche allein noch nicht aus. Der soziale Wohnungsbau müsse verstärkt werden.
In der nächsten Wahlperiode will sich die SPD für mehr öffentliche Mobilität stark machen. Mit dem beginnenden Umbau des Bahnhofsplatzes und dem Fahrradparkhaus seien bereits wichtige Pflöcke eingeschlagen worden. Das Umsteigen auf die Bahn werde künftig noch schneller möglich sein. „Wir wollen aber mehr. Und dazu gehört ein ,Oranienburg-Ticket’ für alle, die hier wohnen und arbeiten und mit dem sie – zunächst erst mal an einem Tag in der Woche – kostenlos den ÖPNV in der Stadt nutzen können“, so Blettermann. Eine einheitliche Tarifzone für Oranienburg sowie einen Zehn-Minuten-Takt auf der S-Bahn und möglichst halbstündlich verkehrende Regionalzüge fordern die Sozialdemokraten ebenfalls.
Für die Innenstadt schwebt der SPD weiterhin eine Fußgängerzone vor. „Wir werden auch daran arbeiten, dass Oranienburg ein Ort der Vielfalt bleibt, an dem 95 unterschiedliche Nationalitäten friedlich zusammenleben können“, betont Jennifer Collin.
Kandidierende
■Wahlkreis 1:
Burkhard Wilde, Marga Schlag, Michael Richter, Jörg Wagner, Thomas Schenk, Lisa Wagner, Uwe Rathenow, Heike Bergmann (parteilos, pl);
■Wahlkreis 2:
Björn Lüttmann, Meike Kulgemeyer, Thomas Lehmann, Marei John-Ohnsorg, Felix Kretzschmar, Hagen Pietrzak, zudem noch Kerstin Wendt sowie Andrea Tiepelmann (pl) und Henri Girard (pl);■Wahlkreis 3:
Jennifer Collin, Judith Brandt, Marko Birko, Ludmilla Herrmann, Eckhard Kuschel, Patrick Kositz, Maik Trölenberg (pl), Gero Gewald, Thomas Stange-Gärtig, Sebastian Bartosik;
■Wahlkreis 4:
Olaf Bendin, Barbara Apostel, Stefan Westphal, Sven Bodenbach, Viola Götze (pl), Holger Dreher, Hans-Joachim Luth (pl), Benjamin Goepel;
■Wahlkreis 5:
Dirk Blettermann, Matthias Hennig, Uta Gerber (pl), Udo Neumann, Katja Trölenberg (pl), Andreas Pompetzki, Martin Vater, Murris Hadžić, Yvonne Lehmann, Hartmut Pohland;
■Ortsbeirat Germendorf:
Olaf Bendin, Viola Götze (pl), Christina Trubig, Stefan Krüger, Hans-Joachim Luth (pl);
■Ortsbeirat Lehnitz:
Matthias Hennig, Christian Studier, Birgit Lipsky, Walter Rademacher, (pl), Andreas Pompetzki, Till Bullmann, René Laatzig, Yvonne Lehmann, Stefan Hübner, Hartmut Pohland, Maria Krolik (pl), Malte Reimer (pl), Bodo Becker (pl);
■Ortsbeirat Malz:
Michael Richter, Lothar Schlag, Kerstin Kind (pl);
■OB Schmachtenhagen:
Thomas Lehmann, Samira Rohde, Stefan Unterberger (pl), Andreas Lyson (pl), Andrea Tiepelmann (pl);⇥(bren)