Kreativstandort: Besuch beim Keramikkünstler
Die Liste der berühmten Orte, an denen der Handwerker mitarbeitete, ist lang: Für Berliner U-Bahnstationen wurden die Formen für historische Kacheln hergestellt. Viele davon stammen ja aus Velten. Minge wirkte auch an der Sanierung des Neuen Museums, der Friedrichwerderschen Kirche und am Neubau des Bundespräsidialamtes und des Humboldt-Forums mit. „Ich bin einer der Letzten, der dieses Handwerk beherrscht“, sagt Minge. Der Thüringer hat aus seiner Heimat auch den derzeit wichtigsten Auftrag: den Nachbau eines historischen Ofens, der zwei Jahre Zeit in Anspruch nimmt. „Ich stelle die Formen her, nach denen die Kacheln produziert werden.“
Mit Leidenschaft
Vor knapp acht Jahren machte sich der heute 59-Jährige selbstständig. „Ich gehe nicht zur Arbeit, ich mache das hier aus Leidenschaft“, sagt Minge. Neben den historischen Kachelofenformen, die er immer wieder herstellt, beschäftigt sich der Meister mit Keramiken in der japanischen Raku-Brenntechnik. Das ermöglicht ihm zusätzliche Möglichkeiten für tolle Objekte. Für das Oranienwerk sind der Keramiker Minge und seine Werkstatt ein Schatz. Für den geplanten neuen Shop liefert der Handwerksmeister die einzigartigen Produkte: Keramikdosen mit dem Oranienwerk-Logo auf dem orangefarbenen Deckel.
Geschäftsführer Marco Bartsch freut sich schon auf die Veränderung im Oranienwerk. Am Freitag führte er Bürgermeister Alexander Laesicke und dessen Gast Tomer Weinstein aus Tel Aviv durch die Gebäude. Die beiden Gäste hatten sich vergangene Woche in Israel kennengelernt und über die boomende Start-Up-Szene Israels gesprochen. Im Oranienwerk plaudert Tomer Weinstein mit Sveta Esser, die jahrelang in Israel gelebt hatte, auf Hebräisch über ihre Kunst.
Tomer Weinstein würde seine Geschäftsidee gern auch in Oranienburg umsetzen. Seine Firma Blee Hackathons versammelt Experten, die innerhalb 24 Stunden an einer Problemlösung arbeiten. Auftraggeber müsste ein größeres Unternehmen sein. Das Oranienwerk wäre zumindest ein guter Austragungsort für den Hacker-Marathon, findet der Bürgermeister.
Marco Bartsch berichtet dann noch von den zu erwartenden Veränderungen im ehemaligen Kaltwalzwerk. Mit dem geplanten Hostel in der Automatenhalle und der Eventhalle in der Taschenschirmhalle soll das Oranienwerk künftig noch ganz neue Möglichkeiten bieten. Bis zu 10 000 Besucher kommen jedes Jahr zu den Veranstaltungen, sagt Marco Bartsch. Voller Stolz berichtet er vom Erfolg des Freisingens mit bis zu 250 Gästen. Großen Anklang fand zuletzt die Ausstellung „Großstadt – Technik – Industrie“ mit Malerei von Brigitte Körber. Die Bilder sind noch bis zum 5. März zu sehen. Der nächste wichtige Termin im Oranienwerk: Zur vierten Sonntagsmatinée mit Jazz am 15. März können sich die Besucher auf Uschi Brüning und Lukas Natschinski freuen.
Hinter altem Backstein
Die Gebäude des früheren Kaltwalzwerks sind zum Teil mehr als 100 Jahre alt.
Mit dem Kauf durch Christoph Miethke und Sabine Opdensteinen wurde das Backsteinensemble vor dem Abriss bewahrt. Pläne für ein Einkaufszentrum an dieser Stelle waren zuvor gescheitert.
Bürgermeister Alexander Laesicke reiste vergangene Woche nach Israel, um eine Städtepartnerschaft Oranienburgs mit Kfar Yona auszuloten. Die Reise nutzte er für weitere Kontakte und Gespräche, unter anderem im Bereich der Wirtschaft in Tel Aviv.⇥kd

