Landtagswahlen: AfD-Politiker Andreas Galau will die Kernfusion

Will die politische Wende 30 Jahre nach dem Mauerfall vollenden: Der aus West-Berlin stammende und in Hennigsdorf lebende Andreas Galau tritt zur Landtwagswahl im Wahlkreis 9 (Oranienburg, Leegebruch, Liebenwalde) an.
Klaus D. GroteSollte Galau einen Platz im Landtag verpassen, will er sich auf anderen Ebenen für die Partei einsetzen. Der 51-Jährige hat Freude an der Politik bekommen. Und seine Partei braucht ihn, wenn neue, unerfahrene Abgeordnete gewählt werden. Galau weiß längst, wie er seine Partei nach außen vertreten muss. Er weiß auch, was die Wähler hören wollen. Bei der AfD-Kundgebung auf dem Schlossplatz beschäftigte er sich am Montagabend die Hälfte seiner Redezeit mit "Elfie aus Wustermark“. Die SPD-Politikerin habe in einem ZDF-Interview gesagt, sie verstehe nicht, warum die Leute unzufrieden seien und AfD wählten. Wie zuvor AfD-Chef Jörg Meuthen äfft Galau die Sozialdemokratin mit hoher Stimme nach. Die Leute grölen.
Vergangenen Woche hatte der Landtagsfraktionschef Andreas Kalbitz Schüler beleidigt. Auf die Frage, ob ein solcher Umgangston üblich in der AfD sei, sagt Galau: „Wie sich jeder äußert, muss jeder selbst wissen. Ich mache das nicht. Aber Elfie hat das verdient.“
Andreas Galau wuchs in Berlin-Reinickendorf auf und arbeitete 23 Jahre lang für den Berliner Senat, zuletzt als IT-Administrator. Er bastle heute noch gerne an Computern. Dreimal habe er die Hacker-Camps des Chaos Computer Clubs besucht, die zuletzt in Mildenberg stattfanden. „Ich wäre da gerne wieder dabei gewesen. Die Atmosphäre ist toll“, sagt Galau, der früher der FDP angehörte. Mit dem Einzug in den Landtag vor fünf Jahren habe er „zum ersten Mal aktiv Politik gemacht“.
Sein Leben habe sich seither „ganz schön geändert“. Er sei froh, einen gesellschaftlichen Umwandlungsprozess zu begleiten, sagt Galau. Über Jahrzehnte habe sich etwas angestaut, für was die AfD nun der Katalysator sei. Er sei 2013 wegen der „Eurokrise“ zur AfD gekommen. Inzwischen sei das Thema „zugekleistert“ aber noch immer latent. „Das Thema wird uns noch auf die Füße fallen“, sagt Galau. Der AfD habe danach die Zuwanderung von Flüchtlingen geholfen. Eine Radikalisierung seiner Partei streitet Galau aber ab. Der SPD-Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann hatte der AfD im Parlament vorgeworfen, bei jedem Thema auf Flüchtlinge zu kommen und Reden für Diffamierungen zu nutzen. Der Politikwissenschaftler Hajo Funke hatte in Oranienburg vor der AfD gewarnt, weil sie Verbindungen zu rechtsextremen Verbindungen pflege.
Galaus Bilanz seiner ersten Legislaturperiode im Landtag fällt eher mager aus. Die anderen Parteien hätten Anträge der AfD meistens aus ideologischen Gründen abgelehnt. Die AfD habe dagegen keine Probleme gehabt, anderen Fraktionen und ihren Anträgen zu folgen, wenn man derselben Meinung war. Auf die Frage, was die Partei mit ihrem Wahlslogan „die Wende vollenden“ 30 Jahre nach dem Mauerfall meine und warum sich aus Westdeutschland stammende Politiker die DDR-Bürgerrechtsbewegung aneignen (Andreas Kalbitz wurde 1972 in München geboren, Galau wuchs in Reinickendorf, also West-Berlin auf), sagt Galau, dass man die heutige Situation mit der der DDR vergleichen könne. Er zweifle an, ob es eine Meinungsfreiheit gebe. „Wer Kritik an der Ausländerpolitik äußert, wird als Nazi abgestempelt.“ Im Übrigen könne er sich ganz gut ein Bild von der DDR machen, weil er den Staat aus dem Fernsehen und aus Erzählungen von Ost-Berliner Kollegen im Senat kenne.
Zum Vorschlag seines Parteichefs Jörg Meuthen, die staatliche Rentenversorgung gehöre abgeschafft, sagt Galau: „Ich bin kein Rentenpolitiker.“ Aber die AfD werde da noch einen Kompromiss finden.
Lieber spricht Galau über Energiepolitik. Das Land vertrage keine weiteren Windräder. Die Grünen würden für zusätzliche Windkraftanlagen großflächig Wald abholzen wollen. Die Braunkohle werde gebraucht, bis ein neuer grundlastfähiger Energieträger gefunden sei. Galau glaubt, dass schon ab 2035 eine Kernfusion möglich sei. Darüber habe er sich in der Experimentieranlage des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald informiert. „Und so lange brauchen wir die Braunkohle.“ Über die Kernfusion müsse man "ideologiefrei“ sprechen und „den Forschern vertrauen“.
Weniger Vertrauen hat Galau in Klimaforscher. Den Klimawandel bestreite er zwar nicht, es gebe aber keine Beweise für den „menschengemachten Anteil“. Klimamodelle der Forscher würden nicht eintreten und seien auch kein Nachweis. „Da geht es um sehr viel Ideologie und wirtschaftliche Interessen“, glaubt er. Forscher würden profitieren, auch diejenigen beim Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Es gebe auch Wissenschaftler, die anderer Meinung seien, so Galau. Die Energiewende bezeichnet er als „overkill“: „Das geht alles viel zu schnell und viel zu weit. Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen.“ Deutschland könne nicht „alles retten“ und würde sich nur selber schaden. Überhaupt sei Deutschlands globaler Einfluss auf die CO²-Bilanz gering. „Und die anderen halten sich auch nicht daran“, sagt Galau über die Klimaziele internationaler Abkommen.
Dann kommt der AfD-Kandidat auf Schalke-Präsident Clemens Tönnies zu sprechen, der kürzlich wegen rassistischer Äußerungen über Afrikaner heftig kritisiert worden war. „Das war vielleicht ein bisschen platt, aber im Prinzip hat er doch recht“, sagt Galau. Afrika sei der am stärksten wachsende Kontinent und benötige Energie. Tönnies hatte in einer Rede Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel bemängelt und den Bau von Kraftwerken in Afrika vorgeschlagen. Denn dann, so Tönnies wörtlich, "würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“
Galau sagt auch, dass es in Brandenburg zu wenig Lehrer und Polizisten gebe. Auf die Frage, ob fehlende Erzieherinnen, Ärzte oder Verkäufer nicht durch Geflüchtete ersetzt werden können, antwortet er mit Nein. 80 Prozent der Flüchtlinge seien Analphabeten. Die Initiative Tolerantes Brandenburg wolle die AfD abschaffen, weil damit „linksextreme Projekte gepäppelt werden“. Die Fahnen vom Toleranten Brandenburg wehten am Montag auch vorm Oranienburger Schloss. Das beitragsfreie Kita-Jahr, die Initiative dazu kam aus Oberhavel, könne sich die AfD auf ihre Fahnen schreiben, sagt Galau. „Wir haben die Regierung dazu getrieben. Aber das würden die nie zugeben.“
Andreas Galau sagt, er missioniere niemanden bei der politischen Meinungsbildung. „Und meine Meinung kennt man.“ Zu Hause werde wenig über Politik gesprochen. „Aber es gibt da auch keinen Dissens. Wir sind eine komplette AfD-Familie.“
ZurPerson
Andreas Galau bist 51 Jahre alt und verheiratet. Seine beiden Kinder sind 7 und 18 Jahre alt.
Der Hennigsdorfer trat vor fünf Jahren im Wahlkreis 7 (Hennigsdorf, Kremmen) an. Dort versucht es jetzt Dietmar Buchberger für die AfD. Galau ist Direktkandidat im Wahlkreis 9 (Oranienburg, Leegebruch, Liebenwalde).
Galau ist Diplomverwaltungswirt. Als Beamter hat er ein Rückkehrrecht in die Berliner Senatsverwaltung.⇥kd