Lost Place in Oranienburg: Heilstätte am Grabowsee öffnet – Termine stehen fest

In vielen Gebäuden der Heilstätte am Grabowsee in Oranienburg vermischt sich ruinöser Horror-Charme mit Kunst. Jetzt gibt es neue Termine für Führungen durch den „Lost Place“.
Marco Winkler- Heilstätte am Grabowsee in Oranienburg öffnet für Führungen; Termine: 13. und 27. April, 11. und 25. Mai.
- Ort bietet ruinösen Horror-Charme und Kunstobjekte; bekanntes Fotomotiv: Klaviersaal.
- Sicherheitsmaßnahmen: festes Schuhwerk, Taschenlampe, FFP2-Maske; Führung kostet 15 Euro.
- Anmeldung per E-Mail erforderlich; begrenzte Teilnehmerzahl.
- Historischer Kontext: Erste Lungenheilstätte, genutzt vom Roten Kreuz und Militär.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Faszination verlassener Orte erklärt sich durch den schieren Nervenkitzel, den Ruinen und ihr einstiges Leben bieten. Die ehemalige Lungenheilstätte am Grabowsee in Oranienburg macht da keine Ausnahme – und versprüht neben dem Horror sogar noch etwas Hollywood-Flair. Der „Lost Place“ öffnet jetzt wieder ganz legal seine Türen.
Der Klaviersaal ist das vielleicht bekannteste Fotomotiv auf dem 34 Hektar großen Areal. Der ganze Raum scheint abzublättern, die Vergänglichkeit der Zeit freizulegen. Doch das Klavier – ohne Tasten – wird geradezu romantisch von schweren roten Vorhängen umrahmt. Einige Besucher der Heilstätten reisen offenbar ausschließlich für dieses Motiv an.
Heilstätte am Grabowsee: Beliebte Fotomotive für Touristen
Weitere beliebte Motive sind ein kreisförmiges Scherben-Mandala, ein rotes Sofa mitten im Verfall, ein brauner Sessel auf einem Schutthaufen und die durch einen Brand 2017 größtenteils zerstörte Kapelle. Kunstobjekte bestimmen die zerfallene Immobilie an vielen Plätzen. Schnell wird bei einer geführten Tour klar: Das „Betreten verboten“-Schild hängt nicht umsonst vor dem Eingang. An vielen Stellen ist es für unvorsichtige Gäste gefährlich.
Seit 2019 gibt es öffentliche Führungen über das Areal und in den Gebäuden. Autor und Hobbyhistoriker Ralf Blauermel leitet sie und überzeugt mit versiertem Wissen zur Geschichte der Heilstätte. Seine Frau Andrea Blauermel übernimmt die Organisation. Sie teilte jetzt die nächsten Termine mit:
- 13. und 27. April
- 11. und 25. Mai
Start an den jeweiligen Sonntagen ist immer 13 Uhr. Vor Beginn erfolgt eine Sicherheitseinweisung. Die Führung kostet 15 Euro pro Person. Ein Helm kann vor Ort ausgeliehen werden. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann seinen eigenen Kopfschutz benutzen. Alle anderen bekommen einen Kletterhelm.

Das wohl bekannteste Fotomotiv der Heilstätte am Grabowsee in Oranienburg. Das Klavier hat keine Tasten mehr. Der Hocker ist jedoch kein Relikt aus alter Zeit.
Marco WinklerWas Besucher allerdings zwingend selbst mitbringen müssen: festes Schuhwerk, Taschenlampe und eine FFP2-Maske als Staubschutz im Kellerbereich. Zudem muss ein Haftungsverzicht unterschrieben werden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen sind per E-Mail an fuehrung@kidsglobe.org möglich. Terminwunsch, Anzahl der Besucher und Telefonnummer nicht vergessen! Teilnehmen kann nur, wer im Anschluss eine Anmeldebestätigung erhält.
Die Heilstätte am Grabowsee wird von vielen als kleine Schwester der Beelitz-Heilstätten angesehen. Mit der Eröffnung im Jahr 1896 ist die Oranienburger Einrichtung allerdings ein paar Jahre älter. Dem Deutschen Roten Kreuz diente sie als Versuchslabor. Es sollte getestet werden, ob die märkische Kiefernwaldluft bei Lungentuberkulose genauso heilsam sein kann wie Gebirgs- oder Seeluft.
Es war die erste Lungenheilstätte in Norddeutschland. Kurze Zeit später gab es rund 200 Betten, vor dem Ersten Weltkrieg waren es 400. Besonders spannend und mit etwas Glück auf einer Führung noch begehbar: eine unterirdische Transportanlage. Dort wurde das Essen von der Zentralküche zu den Bettenhäusern geliefert.

Die alten Gebäude der Heilstätte am Grabowsee in Oranienburg stehen größtenteils unter Denkmalschutz.
Marco WinklerIm Ersten Weltkrieg sollen Kriegsgefangene auf dem Gelände untergebracht worden sein. Krieg und Inflation zwangen den „Volksheilstättenverein zum Roten Kreuz“ dazu, die Anstalt 1920 an die Landesversicherungsanstalt Brandenburg zu verkaufen. Diese baute weitere Gebäude hinzu.
Heilstätte am Grabowsee: Militär, Diebstahl, Paintball
Mit dem Einsatz von Antibiotika in Deutschland ab 1943 gab es eine schnellere Heilmethode für Lungenerkrankungen. Die Heilstätte verlor ihre Berechtigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis 1992 diente das Gelände als Militärlazarett.
Mit dem Leerstand zogen Vandalismus und Metalldiebstahl ein. Das Gelände gehörte inzwischen einem nicht näher bekannten Finanzunternehmen. Dieses erlaubte Paintball-Spiele. Auf dem Gelände soll sogar Krieg nachgespielt worden sein.
Das Ensemble mit teils arg ruinösen, heruntergewirtschafteten Gebäuden zerfiel zunehmend. Die Hälfte der 30 noch vorhandenen Gebäude steht unter Denkmalschutz. Der Verein Kids Globe wollte eine Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche errichten. Daraus wurde nichts. Bildungsveranstaltungen und Kunstevents gab es dennoch. Das Wohnungsbauprojekt der Berliner Eigentümer scheiterte bislang. Es bleibt ein „Lost Place“.
Und eine durchaus beliebte Kulisse für Fotografen – und Filmemacher. Im März 2017 wurde dort der deutsche Horrorfilm „Heilstätten“ gedreht, der 2018 besonders in Lateinamerika Erfolge feierte. Einige Jahre zuvor stand George Clooney für den Film „Monuments Men“ auf dem Gelände. Der ARD-Zweiteiler „Grzimek“ mit Ulrich Tukur wurde dort ebenfalls gedreht.



