MC Birkenwerder
: „Wir sind sehr dankbar für die Solidarität“

Maria May, Vorsitzende des MC Birkenwerder, spricht über die Folgen des Großbrandes im Bootslager ihres Vereins. Der Verein steht vor einer ungewissen Zukunft.
Von
Jürgen Liebezeit
Birkenwerder
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  • Fassungslos waren viele Bootsbesitzer, die Augenzeugen des Großbrandes wurden. Das Feuer am 15. November vernichtete 23 Boote und beschädigte sieben weitere schwer. Viele Boote waren seit Generationen im Besitz der betroffenen Familien. Die Aufräumarbeiten auf dem Gelände dauern immer noch an.

    Fassungslos waren viele Bootsbesitzer, die Augenzeugen des Großbrandes wurden. Das Feuer am 15. November vernichtete 23 Boote und beschädigte sieben weitere schwer. Viele Boote waren seit Generationen im Besitz der betroffenen Familien. Die Aufräumarbeiten auf dem Gelände dauern immer noch an.

    Jürgen Liebezeit
  • Maria May managt ehrenamtlich den Verein am Hafen von Birkenwerder. Im Hintergrund ist der Brandort mit den Resten der Bootswracks zu erkennen.

    Maria May managt ehrenamtlich den Verein am Hafen von Birkenwerder. Im Hintergrund ist der Brandort mit den Resten der Bootswracks zu erkennen.

    Jürgen Liebezeit
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Wie geht es Ihnen gut einem Monat dem dem Brand?

Maria May: Ich bin immer noch gestresst, weil täglich viel geplant und organisiert werden muss. Wir sprechen zum Beispiel regelmäßig mit der Gemeinde wegen der Beräumung der Fläche und des Bodenaustausches. Zudem muss die finanzielle Situation geklärt werden. Auch die Mitglieder haben viele Fragen und machen sich Sorgen.

Wie haben Sie von dem Brand erfahren?

Ich war mit meinem Mann unterwegs nach Birkenwerder, da hat mein Schwiegervater angerufen: „Kommt schnell runter, hier brennt es am Hafen.“ Als wir von der Autobahn aus die Rauchsäule gesehen haben, wussten wir, dass es schlimm wird.

Wie viele Boote sind betroffen?

23 Boote sind total zerstört, sieben weitere beschädigt. Allein zwölf Boote standen in der Halle, die ebenfalls zerstört wurde. Die Schadenssumme ist uns nicht bekannt.

Ist Ihr Boot auch dabei?

Ja, wir haben beide Boote verloren – unser eigenes und das Boot meiner Eltern. Wir hatten noch gar keine Zeit darüber nachzudenken, ob wir uns ein neues Boot anschaffen können und wollen. Anderen geht es auch so. Wir vom Vereinsvorstand wissen noch gar nicht, ob die Betroffenen, von denen viele schon ältere Rentner um die 80 Jahre sind, sich neue Boote anschaffen. Insgesamt sind etwa 60 Mitglieder betroffen, das ist etwa ein Drittel. Wenn die uns alle verlassen, haben wir ein Problem.

Gab es schon Anfragen von Bootseignern, die die frei werdenden Plätze haben möchten?

Zwei oder drei haben tatsächlich schon nachgefragt, ob sie einen Platz haben können. Die wollten schon das Gelände besichtigen und sich einen Platz aussuchen. Das fand ich schon dreist. Natürlich habe ich die Anfragen abgelehnt. Wir haben auch Angebote von Eigentümern bekommen, die unseren Mitgliedern ihre Boote verkaufen wollten. Wenige davon meinten es wirklich nett, die meisten haben nur eine Chance gesehen, ihr Boot schnell loszuwerden. Das ist eine Frechheit, die Not der Betroffenen so auszunutzen. Ich würde mich das nicht trauen.

Waren die Boote versichert?

Versichert waren alle Boote über eine Bootshaftpflicht. Die ist Pflicht bei uns im Verein. Die Versicherung greift aber nicht für den Ersatz des Bootes, sondern nur für Schäden, die mit dem Boot angerichtet werden, zum Beispiel bei einer Kollision. Ob betroffene Mitglieder weitere Versicherung hatten, weiß ich nicht. Die sind aber sehr teuer und ersetzen kaum den ideellen Wert. Einige haben ihre Boote über Jahrzehnte gepflegt und instand gehalten.

Wer kommt für die Schäden an den Booten und auf dem Gelände auf?

Das wissen wir noch nicht. Die Kripo ermittelt noch. Noch wissen wir nicht, was genau passiert ist. Darüber zu spekulieren, verbietet sich.

Wie geht es jetzt weiter?

Unser großes Winterlager ist verloren. Der Holzständerbau mit Blechdach wurde mit viel Eigenleistung der Mitglieder 1978 gebaut und danach erweitert. Zurzeit stehen wir im luftleeren Raum, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht. Wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir das Lager wieder aufbauen können, wie es aussehen soll und wer die Kosten trägt. Wie viel Geld wir dafür benötigen, wissen wir deshalb noch gar nicht. Zurzeit beschäftigen wir uns damit, welche Anträge und Genehmigungen wir brauchen.

Sie hatten kürzlich eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Was ist beschlossen worden?

Wir haben den aktuellen Sachstand mitgeteilt und erzählt, was wir schon alles in die Wege geleitet haben, damit alle auf einem Stand sind. Die betroffenen Mitglieder müssen sich bis Ende des Jahres entscheiden, ob sie weiterhin Mitglieder im Verein sein wollen und können.

Ist die Existenz des Vereins durch den Brand bedroht?

Ja, vor allem, weil wir nicht wissen, welche Summen auf uns als Verein zukommen. Was ist zum Beispiel, wenn kein Schuldiger gefunden wird. Wir müssen die Ermittlungen abwarten. Alles noch offen. Aber auch, wenn wir viele Mitglieder verlieren, wird es Probleme geben. Jedes Mitglieder zahlt 60 Euro Jahresbeitrag. Ein Liegeplatz kostet je nach Größe des Bootes zwischen 222 und 413 Euro inklusive einer Person im Jahr. Dazu kommen noch die Werterhaltungsstunden. Die sind für jedes Mitglied Pflicht. Je nach Bootsgröße sind es 10 bis 20 Stunden im Jahr.

Was bedeutet der Brand für die Trinkwasserschutzzone, in der sich das Vereinsgelände befindet?

Auch wenn die Ergebnisse der Bodenanalyse noch nicht vorliegen, steht schon fest, dass das Erdreich ausgetauscht und entsorgt werden muss. Darum kümmert sich die Gemeinde.

Ihr Verein hat einen Spendenaufruf gestartet. Es gab auch Sammlungen auf dem Weihnachtsmarkt am Rathaus. Wie ist ist die Resonanz?

Wir haben mit so viel Resonanz gar nicht gerechnet. Eine genaue Summe kann ich aber noch nicht nennen. Von der Gemeinde haben wir nicht abgerufene Fördermittel in Höhe von 14 000 Euro in Aussicht gestellt bekommen.

Haben Sie schon einmal Fördermittel der Gemeinde in Anspruch genommen?

Nein, noch nie. Wir bekommen nur die allgemeine Sportförderung der Gemeinde, die jedem Verein zusteht.

Was zeichnet das Vereinsleben aus?

Wir sind eine große Gemeinschaft, die zusammenhält. Nicht selten kommt es zu einem spontanen Grillen, an dem 30 bis 40 Personen teilnehmen. Wir haben auch eine aktive Jugendgruppe mit acht Mitgliedern. Die nehmen in der Disziplin Schlauchboot-Parcoursfahren auch erfolgreich an Turnieren teil. Sie haben schon viele Pokale gewonnen und einen fünften Platz bei den Deutschen Meisterschaften auf dem Bodensee geholt. Wir sind sehr stolz auf unsere Kids.

Der Verein engagiert sich auch für den Ort. Was wird angeboten?

Nächsten Jahr laden wir zum 50. Mal die Seniorinnen und Senioren aus Birkenwerder zu einer gemeinsamen Ausfahrt ein. Geplant ist am 5. September wieder eine Tagesausfahrt, wahrscheinlich zum Niederneuendofer See. Zur Begrüßung gibt es einen kleinen Sektempfang. 40 bis 50 Boote nehmen daran teil. Dann laden wir auch Kinder des Hortes ein, einen Tag auf unserem Gelände zu verbringen und mit dem Spreewaldkahn oder einem Schlauchboot zu fahren. Beim Hafenfest am 27. Juni stellen wir uns gemeinsam mit dem Anglerverein und dem Ruderverein bei einem Tag der offenen Türen vor.

Außerdem haben wir schon 24-mal die „Blaue Flagge“ verliehen bekommen. Das Umweltzeichen wird auch an Vereine vergeben, die in der vorangegangenen Saison Standards hinsichtlich Umweltbildung, Umweltmanagement, Dienstleistungsgüte und Wasserqualität eingehalten haben. Wir haben uns auch für das nächste Jahr wieder beworben. Eine Antwort liegt noch nicht vor. Aber wir sind angefragt worden, ob wir die zentrale Veranstaltung für Brandenburg ausrichten wollen.

Wie sind die Pläne für die nächsten Monate und das neue Jahr?

Wir erstellen gerade einen Fahrplan, wie es mit dem Gelände weitergeht und was noch alles zu tun ist. Wir hoffen, dann sagen zu können, welche Kosten auf den Verein zukommen.

Haben sie einen Wunsch zum bevorstehenden Weihnachtsfest?

Ich möchte einfach ein bisschen zur Ruhe kommen. Und ich wünsche mir, dass das Vereinsleben weiterhin intakt bleibt und wir die Brandkatastrophe gut verarbeiten können.

Und ich möchte im Namen aller Mitglieder Dank sagen. Wir haben viel Zuspruch, Sachspenden und Hilfsangebote von Firmen aus der Region und von Einwohnern bekommen. Wir sind für die große Solidarität in der Region sowie für die moralische und finanzielle Unterstützung wirklich sehr dankbar.

ZurPerson

Maria May ist seit drei Jahren Vorsitzende des Motorwassersportvereins in Birkenwerder. Für die 30-Jährige ist es "die schwierigste Zeit" in dem Ehrenamt.

Sie hat lange überlegt, das Amt zu übernehmen. Ein Jahr lang hat sie sich von ihrer Vorgängerin einarbeiten lassen. Unterstützung bekommt sie auch von ihrer Familie und ihrem Mann René. "Sonst ist es nicht zu schaffen,"sagt sie.

Ihre Familie  ist schon in dritter Generation Mitglied im Verein. "Ich kenne die meisten Mitglieder schon seit meiner Kindheit."⇥zeit