Bald wird auch von außen erkennbar sein, dass in dem kleinen Haus in der Ruppiner Straße 60 Eisenbahnfreunde arbeiten. Neben der Kaffeeküche des Vereins lagert nämlich ein echtes Bahnsignal aus Hennigsdorf, das nach der Reparatur bei grünem Licht Besucher oder Mitstreiter einladen soll.

Miniaturwelten zwischen Küstenlandschaft und Alpen

Oben, im ersten Stock, wachsen die in Deutschland vorkommenden Landschaftsformen zu einer Miniaturwelt voller Witz und Geschichten heran. Die H-0-Anlage hat die Form einer dreizinkigen Gabel. In ihrem äußeren Rahmen kann man von der Deichlandschaft mit Leuchtturm an der Küste durch ein großes Industriegebiet, eine Stadtlandschaft, über Hügel und Wälder bis tief ins noch nicht fertiggestellte Hochgebirge der Alpen fahren. Die Berge werden später in ihrem Innern übrigens raffinierte Details, wie eine Gleiswendel, um die Stockwerke zu wechseln, und einen großen Schattenbahnhof zum Austausch der Züge auf der Strecke, verstecken. Noch kann man ungehindert diese technischen Einzelheiten bewundern, bevor sie unter Draht, Gips und Farbe verschwinden.

Autohaus, Bäcker, Sparkasse und Spargelhof nachgebaut

Nach dem Umsteigen am großen Hauptbahnhof erreicht man die mittlere Platte, führt Peter Kähler, Vorsitzender des Vereins, vor. Der Zug fährt nach Kremmen. Hinter dem Bahnhofsgebäude aus rotem Backstein ist erkennbar und liebevoll die kleine Stadt nachgebildet. Handwerker und Firmen haben Geld für Licht und Material gespendet und die Modelleisenbahner revanchierten sich mit realistischen Nachbauten von Autohaus, Bäcker, Sparkasse und Spargelhof. Aber auch das Rathaus und die Goethe-Schule stehen da, während am Brunnen auf dem Marktplatz noch gebaut wird. Ein beheizbares Freibad entspringt der Fantasie der Modellbauer, Open-Air-Veranstaltungen gab es hingegen früher regelmäßig, und der Bau der kleinen Bühne mit Musikern, Publikum und einem Betrunkenen ist vielleicht auch ein Wunsch an die reale Stadt. Ein totes, von Bäumen erobertes Gleis erinnert an die Kremmener Bahn.

Kinder bauen Kremmener Scheunenviertel nach

Ganz vorn, am Kopf der Platte, befindet sich das Scheunenviertel. Und gerade dieses für den Tourismus in der Stadt wichtige Detail haben Kinder gebaut. Es gab in den vergangenen Jahren eine Zusammenarbeit mit der Grundschule. Schüler der 3. und 4. Klasse konnten hier Fingerfertigkeit und Kreativität üben. Manche der Scheunen weisen kleine bauliche Mängel auf, aber das ist bei ihren realen Vorbildern auch so und soll nicht „verschönert“ werden. Für das Schuljahr 2019/20 gab es sogar vier Gruppen, die an einem eigenen Modul im Erdgeschoss gebaut haben. Zoo, Bahnhof, Schule und Bergwerk sollte ein Schienenkreis verbinden, aber seit Corona ruht zum Bedauern des Vereins die Arbeit.

Ex-Bombardier-Mitarbeiter kümmert sich um die Elektrik

Gerhard Ernst, der 40 Jahre in Hennigsdorf beim LEW und bei Bombardier gearbeitet hat, betreut vor allem die Elektrik und die Zugfahrten. „Leider sind ja die kleinen Loks viel störungsanfälliger als ihre großen Schwestern“, sagt er und lässt eine Lok ein täuschend echtes Warnsignal ausstoßen.

Zwischen Cocktailbar, Tabledance und Waldbrand

Die Zahl der Geschichten, die auf den Platten zu entdecken sind, scheint unendlich und gar nicht weltfremd. Erneuerbare Energien werden in einer Solaranlage und im noch nicht fertigen Wasserkraftwerk mit Talsperre hergestellt, Nachtschwärmer finden eine Cocktailbar mit einer Werbetafel für Tabledance und rot leuchtenden Fenstern, und auf die bedrohlich trockenen Sommer kann ein Waldbrand hinweisen. „Man ist nie fertig und wir haben noch so viele Ideen“, sagt Hans-Peter Schierbaum auf die Frage, wie es denn nach der Fertigstellung des Gebirges weitergehen soll.

Tag der offenen Tür im Advent

Lachen, Weinen, Spieltrieb, ernsthafte Arbeit und ein wacher Blick auf das Leben sind hier eine Verbindung eingegangen, die Kita- und Schulkinder oder den Seniorenverein regelmäßig zum Staunen bringt. Am Tag der offenen Tür im Advent oder bei einem Besuch (kontakt@modelleisenbahn-kremmen.de) kann die große Anlage bewundert werden.