Neue Logopädie-Praxis
: Der richtige Zungenschlag

Nora Mairinger (35) hat vor wenigen Wochen ihre eigene Logopädie-Praxis in Marwitz eröffnet.
Von
Marco Winkler
Marwitz
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Nora Mairinger hat vor wenigen Wochen ihre eigene Logopädie-Praxis in Marwitz eröffnet. Nora Mairinger (35) hat vor wenigen Wochen ihre eigene Logopädie-Praxis in Marwitz eröffnet.

Marco Winkler

Der Spiegel auf dem kleinen Tisch mit den Plexiglas-Stühlen ist von Ikea. Ein schlichtes Objekt, schwarz umrandet. Es sticht in der hellen, modernen, aber nicht sterilen Umgebung hervor. "Patienten sollen sich wohlfühlen.“ Für Nora Mairinger ist der Spiegel ein wichtiges Arbeitsmittel. Der Artikulationsspiegels ist für ihre Berufsausübung unabdingbar gewesen, war eine vorgegebene Pflicht. Sie sitzt mit Patienten, vor allem Kindern, davor und führt Mundübungen vor, zeigt, „wo die Zunge beim Sprechen hingehört“. Sie behandelt unter anderem Sprachentwicklungsstörungen, Artikulationsprobleme, Redefluss- und Schluckstörungen.

Vor der Praxiseröffnung in der „Marwitzer Heide“ arbeitete die gebürtige Berlinerin im Süden der Hauptstadt als Angestellte. Ein kleines Team, vier Kolleginnen. „Freundinnen und eine Logo-Mami“, sagt sie. Ihr Mann zog sie nach Brandenburg. Er arbeitet bei Bombardier, das Pendlerdasein fraß zu viel Zeit und Nerven. Also: Hausbau in Marwitz – „Da ist mein Mann wirklich sehr stolz drauf“ – eigene Praxis in der unteren Etage, die Wohnung nebenan. Mit einem komplett anderen Bodenbelag, „damit Arbeit und Wohnen wirklich getrennt sind“. Die Arbeitsumstellung fiel recht leicht: „Schon in Berlin habe ich für mich gearbeitet, in einem eigenen Raum.“ Nur die Patienten, die musste sie trotz enger Bindung zurücklassen. In Marwitz konnte sie in wenigen Wochen 20 neue gewinnen. Sie profitiert von einem mit Praxen dünn besiedelten Land. Die Wartelisten bei vielen Logopäden sind voll. Das liege daran, dass Vorbehalte gegenüber dem Berufszweig langsam verschwänden. „Ärzte verschreiben mehr Termine. Es gibt weniger Skeptiker.“ Kinder mit einem Lispeln kommen zu ihr. „Das liegt oft an einem falschen Schluckmuster, die Zunge ist beim Sprechen weit vorne.“ Das könne zur Zahnfehlstellung und dem Tragen einer Spange führen.

Doch nicht jeder Fall sei akut. Alter und Entwicklungsstand spielen eine Rolle. „Gewisse Sachen dürfen sein.“ Kleine Wortfindungsschwierigkeiten, leichtes Stottern, ein etwas geringer Wortschatz. Das könne physiologisch und muss nicht automatisch pathologisch sein. "Wichtig ist die Frage, ob es einen Krankheitswert hat.“ Ebenfalls entscheidend sei der eigene Leidensdruck.

Nora Mairinger empfängt Patienten, die Sprach- und Sprechprobleme nach einem Schlaganfall oder mit Parkinson haben. Teilweise über mehrere Jahre sind sie in Behandlung. „Der Zustand soll sich nicht verschlimmern.“

Dem ist – auf andere Art – Nora Mairinger selbst entkommen. Vor der Logopädie studierte sie Jura und Kulturwissenschaften in Potsdam. „Ich habe es bis zum ersten Staatsexamen geschafft.“ Doch die Bürokratie gefiel ihr nicht, das Streiten und Argumentieren, das die Rechtswissenschaft mit sich bringt, ebenfalls nicht. Glücklich wäre sie nicht geworden. Durch eine Internetsuche nach „Medizin, Psychologie, Soziologie“ fand sie die Logopädie und ließ sich drei Jahre in Berlin-Wedding ausbilden.

Ihr Beruf sei ein lohnenswerter. Nora Mairinger, ein wenig mit dem Helfer-Syndrom ausgestattet, sagt: „Ich kann etwas dazu beitragen, dass Kinder gut in die Schule starten, wenn ich ihre Sprachstörungen behandelt habe. Sie werden dann nicht mehr gehänselt.“ Das Ergebnis ihrer Arbeit sitzt quasi immer vor ihr. Es blickt mit ihr in den Artikulationsspiegel von Ikea.