ÖPNV-Konzept: Bauausschuss nicht gerade begeistert

Oranienburg will mehr Busverkehr: Den Bahnhof werden auch künftig die meisten der vorgeschlagenen neuen Linien anfahren, sollte die Grundvariante umgesetzt werden.
Klaus D. GroteDabei hat ein Fachgremium, an dem auch Stadtverordnete teilgenommen hatten, bereits am 29. August vorigen Jahres nach einem dritten Workshop mehrheitlich für eine sogenannte „Grundvariante“ eines besseren öffentlichen Personennahverkehrs in Oranienburg votiert.
Kürzere Reisezeiten, mehr Haltestellen, bessere Umsteigemöglichkeiten vom Fahrrad in den Bus und natürlich vom Bus in Bahn sowie eine Stadtbusqualität im Stunden– oder sogar im Halbstunden-Takt das seien die wichtigsten Merkmale des neuen Konzepts, erläuterte Verkehrsplanerin Natalie Schneider vom betreuenden Planungsbüro plan:mobil aus Kassel. Mit einer ebenfalls im Fachgremium diskutierten Aufbauvariante lasse sich das Grundkonzept bequem weiter optimieren, so Natalie Schneider. Allerdings sei es derzeit schwierig, die genauen Kosten exakt zu ermitteln. Eine vorsichtige Schätzung für die Grundvariante geht von mindestens 630 000 Euro an Betriebskosten im Jahr aus.
Vor allem das System eines Rufbusses, das für Lehnitz, die Tiergartensiedlung, Bernöwe und Wensickendorf vorgesehen ist, ruft die Kritiker auf den Plan. „Wir fühlen uns mit einem Rufbus weiter von der Stadt abgehängt. Würde er eingeführt, wäre das ein Rückschritt gegenüber dem jetzigen Ist-Zustand mit der Linie 805“, betonte Wensickendorfs Ortsvorsteher Heinz Ließke (FWO). Er forderte eine Stadtbuslinie, die alle Ortsteile mit der Kernstadt verbindet. Dafür bekam er aus dem Publikum reichlich Applaus.
Den erntete auch Jennifer Collin (SPD), die ebenfalls die Sinnhaftigkeit eines Rufbusses für Wensickendorf mit mehr als 1 000 Einwohnern infrage stellte. Der Bahnhof Wensickendorf mit der RB 27 gehöre nicht zuletzt aus touristischer Sicht weiterhin mit einer regulären Buslinie angebunden, so Jennifer Collin.
Für Frank Rzehaczek (CDU) sind noch viele Fragen offen. Allerdings erwarte er vom Landkreis Oberhavel als Träger des ÖPNV schon, dass der auch das gewünschte Mehr an Busbetrieb in Oranienburg finanziere. Schließlich zahle die Kreisstadt dieses Jahr rund zwei Millionen Euro an Kreisumlage mehr als noch 2018. Baudezernent Frank Oltersdorf (SPD) appellierte an die Kreistagsabgeordneten unter den Stadtverordneten, den Landkreis als Aufgabenträger nicht aus seiner Pflicht zu entlassen. Er empfahl dem Ausschuss aber auch die Annahme des ÖPNV-Konzeptes, um als Stadt gegenüber dem Landkreis und der OVG eine klare Verhandlungsgrundlage zu haben, so Oltersdorf.
Judith Brandt (SPD), die sowohl dem Kreistag als auch dem Stadtparlament angehört, forderte indes, gegenüber dem Landkreis eine Maximalposition zu vertreten, um etwas mehr an ÖPNV für Oranienburg und die Ortsteile zu erreichen. Sie bedauerte, dass die seit Jahren geforderte Buslinie zum Tierpark Germendorf in der Grundvariante des vorgeschlagenen Konzepts noch immer fehle.