Bevor der Untersuchungsausschuss zur Oranienburg Holding am kommenden Dienstag (17 Uhr, Orangerie) zum zweiten Mal tagt, gibt es neue Unstimmigkeiten um den zweiten Bauabschnitt der Woba in der Weißen Stadt.

Marianne Kordecki sah Ruf der Woba beschädigt

Grund dafür sind die Antworten von Finanzdezernent Christoph Schmidt-Jansa auf Fragen der Linke-Fraktion, die vor der ersten Sitzung des Untersuchungsausschusses gestellt, aber erst am Montag in der Stadtverordnetenversammlung beantwortet wurden. Marianne Kordecki, Projektleiterin der Woba in der Weißen Stadt, hat in einem Brief an die Stadtverordneten einige Antworten richtig gestellt. Sie sah den Ruf der Woba und ihre eigene Reputation beschädigt.
Schmidt-Jansa hatte die verzögerte Beantwortung unter anderem damit erklärt, dass er Woba-Geschäftsführer Bernd Jarczewski nicht habe sprechen können. Jarczewski befindet sich zur Kur. Sie selbst habe die Zuarbeit jedoch „fristgerecht und vollständig“ am 24. August, vier Tage nach der Fragestellung durch die Linke-Fraktion, beantwortet, teilt Marianne Kordecki mit. Es ging um Fragen und Begründungen, warum eine Eilentscheidung der Stadtverordneten notwendig geworden war. Sie sollten über einen vorzeitigen Geldfluss für die Woba entscheiden. Denn mit dem zweiten Bauabschnitt konnte bereits am 1 . September begonnen werden. Geplant war Frühjahr 2021.

War die Eilentscheidung nötig?

Der Bürgermeister hatte das unerwartete Tempo in seiner Begründung noch als erfreulich bezeichnet. Warum es dazu einer Eilentscheidung bedurfte, erscheint inzwischen mehr als schleierhaft. Protokolle und interne Schreiben belegen, dass bereits im Mai klar war, dass der Baufortgang schneller als geplant lief. Eine Entscheidung hätte also frühzeitig und ohne Eile fallen können. Auch ist fraglich, ob die Stadtverordneten überhaupt beteiligt werden mussten, schließlich wird das Bauvorhaben nicht teurer, nur schneller fertig. Der Finanzplan steht. Durch die in diesem Jahr geltende Mehrwertsteuer-Reduzierung könnten durch die frühere Auftragsvergabe sogar bis zu einer Million Euro eingespart werden. Marianne Kordecki hatte dafür gesorgt, dass die Aufträge wenige Tage vor dem Start des zweiten Bauabschnitts noch ausgelöst werden konnten.

Daniel Langhoff: „Wasser auf die Mühlen“

Die Verzögerung innerhalb der internen Informationskette sorgt nun für deutliche Kritik. „Das ist Wasser auf die Mühlen des Untersuchungsausschusses“ , sagte der Ausschussvorsitzende Daniel Langhoff (FDP). Denn das Gremium untersuche ja auch das Funktionieren des Konstrukts Holding. Es sei die Frage zu stellen, ob es beim Beschluss zur Holdinggründung richtig war, dass es statt der anfangs geplanten Finanzholding eine Managementholding gebe. Möglicherweise müsse dieser Beschluss rückgängig gemacht werden, griff Langhoff einem Untersuchungsergebnis bereits vor.
Tatsächlich ist zu fragen, ob Entscheidungswege beispielsweise durch zwei zuständige Geschäftsführer – Woba-Chef Jarczewski und Holding-Geschäftsführer Alireza Assadi – unnötig verkompliziert werden. Oder, so die Befürchtung bei der Woba, sollte mit der Verzögerung ein Grund konstruiert werden, um Bernd Jarczewski doch noch los zu werden? Bei einem solchen Versuch wäre dann fahrlässig das Scheitern des zweiten Bauabschnitts in Kauf genommen worden.

Verunsicherungen bei den Beschäftigten

Es sei „absolut korrekt“, dass die Stadtverordneten über die internen Vorgänge erneut informiert worden seien, sagte Daniel Langhoff. Er habe bereits zuvor die Information erhalten, dass der frühere Finanzbedarf der Woba schon zu einem viel früheren Zeitpunkt bekannt war: „Ich habe der Eilentscheidung deshalb auch nicht zugestimmt“, sagte Langhoff .
Zusätzlich, auch das wird in der Beantwortung durch Finanzdezernent Christoph Schmidt-Jansa deutlich, haben die Vorgänge der vergangenen Monate zu Verunsicherungen bei den Beschäftigten der Woba geführt. Explizit genannt werden dabei Personalentscheidungen. Die Projektleiterin Marianne Kordecki verlässt die Woba auf eigenen Wunsch zum Monatsende – mitten in der Umsetzung des größten Neubauvorhabens in der Unternehmensgeschichte. Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin, der oder die längst eingearbeitet werden müsste, gibt es noch nicht.
Am 15. September und am 8. Oktober tagt erneut der Untersuchungsausschuss.