Politik: Landtagskandidat bezeichnet sich als frech und faul

Stellt sich zur Wahl: Maximilian Horn tritt für Die Partei als Landtagskandidat an.
Thomas SabinHorn ist seit fast drei Monaten 18 Jahre alt, somit einer der jüngsten Landtagskandidaten Brandenburgs. Für die Partei tritt er für den Wahlkreis Oranienburg, Leegebruch und Liebenwalde an. Erst vor einem Jahr sei seine Leidenschaft für Politik entfacht worden. „Ich fand die Sprüche der Partei geil“, sagt der junge Mann mit dem blonden verwuschelten Seitenscheitel und nimmt einen Schluck. „Dann habe ich angefangen, mich mit den Inhalten zu beschäftigen. Irgendwann habe ich mich mit den Sprüchen identifiziert und wollte diese Leute treffen.“ Dort traf er unter anderem Nicole und Stefan Reckin, die ihm nun Rückendeckung geben.
Jung und karrieregeil
„Ich bin Landtagskandidat, weil ich jung und karrieregeil bin“, sagt der junge Mann unumwunden mit einem Schulterzucken. Sein Schmunzeln versucht er stets zu verstecken, wenn er Sätze wie diesen sagt.
Der Jung-Satiriker engagiert sich in der Partei in der sogenannten „Hintner-Jugend“, der Parteijugend, „abgekürzt auch die HJ“, so Horn, süffisant grinsend. „Wir kennzeichnen uns dadurch, dass wir faul, faul, faul, frech und faul sind. Das bin ich auch.“
Das oberste Ziel des selbsternannten Faulpelzes sei es, „diesen Landtag am 1. September zu stürmen. Ich möchte an die Macht kommen und die Machtübernahme in Brandenburg durchführen.“ Da kichern auch die Reckins.
In einem weißem Shirt, das das Konterfei Martin Sonneborns, dem Chef der Satire-Partei, als Aufdruck trägt, bleibt Horn in seiner Rolle, so gut er kann. Wenn es jedoch ans Eingemachte geht, stolpert der Politneuling und bekommt mehrmals Schützenhilfe von seinem Vorsitzenden.
Welche Sorgen der Menschen aus den ländlichen Regionen er mit in den Landtag nehmen will? Horn schweigt. Ein langes „Ähm“ entfleucht ihm. Hilfesuchend blickt er zu seiner Linken. „Arbeitsplätze schaffen“, sagt Stefan Reckin uns räuspert sich. „Ja genau“, sagt Horn und lacht. „Ich bin ein bisschen aufgeregt, sorry.“ Noch ein kleiner Schluck, dann legt er wieder los.
Arbeitsplätze wolle er vor allem für die jungen und älteren Leute schaffen. So könne man der Schulschwänzerei und den Jugendgangs vorbeugen. Im Umkehrschluss müssten dann die Älteren keine Angst mehr haben, auf die Straße zu gehen. „Und alle sind rundum glücklich.“ Satire-Logik.
Maximilian Horn schwingt aber nicht nur satirische Reden. Er ist auch gar nicht so faul, wie er vorgibt. Zum einen setzt er sich in jungen Jahren bereits mit Politik auseinander, wenn auch auf seine ganz eigene Art. Und zum anderen ist er zurzeit mitten in der Ausbildung zum Krankenpfleger. Diese werde er abschließen, „hundertprozentig“, sagt er ernster. Über seinen schulischen Werdegang wiederum sagt er, als hätte er den Schalter wieder umgelegt: „Ja, ich war in der Schule. Es war gut. Ich hatte eine zehnte Klasse, die war nicht schlecht.“
An seinem Arbeitsplatz im Krankenhaus ist er mit echten Problemen konfrontiert. Er höre immer wieder, dass das Geld der älteren Herrschaften nicht ausreiche und die Rente immer weniger werde. Deshalb fordert Horn niedrigere Döner-Preise für alle. Wahlkampf à la Die Partei. „Ich möchte, dass sich jeder in Deutschland einen Döner leisten kann. Ohne den Döner sind wir hier nichts“, erklärt der Döner-Fan und lässt die Handkanten auf den Tisch sausen.
Macht und Ansehen
Gerade bei den Jugendlichen komme die Niedrigpreis-Forderung für Döner gut an, berichtet der 18-Jährige. Und das, wo Politiker gerade eine Mehrwertsteuererhöhung auf Fleisch fordern.
Dass er – falls er in den Landtag einziehen sollte – kaum noch Zeit für Reisen oder Partys haben wird, wie es viele in seinem Alter bevorzugen würden, störe ihn nicht. „Dafür habe ich dann Macht und Ansehen. Wir wollen die Alternative werden. Wir wollen die Protestpartei sein.“ Wieder sausen seine Handkanten auf den Tisch. Sein Glas ist fast leer.
Ein letztes Mal stolpert Horn, als es um die vergangen Jahre der Landespolitik geht. Was denn aus seiner Sicht falsch lief, was er in Zukunft anders machen würde? „Ähm.“ Pause. Nicole Reckin springt ein und gibt dem wacker kämpfenden Jung-Kandidaten eine Atempause. Ein letzter Schluck.
„Eigentlich bin ich mit allem unzufrieden, was die Politik in der Vergangenheit gemacht hat. Ich möchte nun die ganze Sache umkrempeln.“ Handkanten. Schmunzeln. Schulterzucken. Was er am meisten bedauert: "Die Politiker haben ihren Humor verloren. Dafür spreche ich auch mein aufrichtiges Beileid aus.“
Zur Person
Maximilian Horn wurde am 15. Mai 2001 geboren. Mit seinen 18 Jahren zählt er zu den jüngsten Landtagskandidaten in Brandenburg. Er tritt für "Die Partei" im Wahlkreis 9 an. Zurzeit befindet er sich in einer Ausbildung zum Krankenpfleger und hat laut eigenen Angaben die 10. Klasse an der Jean-Clermont-Oberschule besucht. In der Satire-Partei ist er zudem Beauftragter der parteieigenen Jugendorganisation. ⇥tsa