Rammstein und Till Lindemann: Flake ist Pate in Mühlenbeck – so reagiert Schule auf Vorwürfe

Christian „Flake“ Lorenz schloss sich 1994 der damals noch unbekannten Band Rammstein an. Jetzt ist der Musiker, der in Mühlenbeck und Berlin lebt, weltbekannt. Flake ist Pate der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Mühlenbeck.
Olaf HeineWenn Christian „Flake“ Lorenz nicht mit Deutschlands bekanntester Band „Rammstein“ unterwegs ist und Zeit hat, schaut er in seinem Heimatort Mühlenbeck auch mal an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule vorbei. Denn der berühmte Musiker, der sich „Tastenficker“ nennt, ist Pate der Schule. Der Keyboarder betreut das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Hat die Diskussion um Rammstein-Frontmann Till Lindemann Konsequenzen für diese Patenschaft?
Schulleiterin Kathrin Haase sieht aktuell keinen Handlungsbedarf. „Noch ist in dem sogenannten Fall Rammstein nichts klar“, erklärte sie auf Anfrage. Es käme aus ihrer Sicht einer Vorverurteilung gleich, jetzt beispielsweise die Patenschaft ruhen zu lassen.
Band reagiert nur ein einziges Mal
Nach Berichten über Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann hatte die Staatsanwaltschaft Berlin ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Mehrere Frauen hatten nach Agenturberichten in den vergangenen Tagen – teilweise anonym – Vorwürfe gegen den Sänger erhoben. Junge Frauen seien während Konzerten ausgewählt und gefragt worden, ob sie zur Aftershowparty kommen wollten. Dabei soll es nach Schilderungen einiger Frauen auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein.
Lindemann weist alle Vorwürfe gegen ihn zurück und lässt sich inzwischen anwaltlich vertreten. Offizielle Reaktionen der Bandmitglieder gab es lange nicht. Es existierte lediglich ein Statement von „rammsteinoffiziell“ auf Instagram. Darin heißt es unter anderem: „Die Vorwürfe haben uns alle sehr getroffen und wir nehmen sie außerordentlich ernst. (...) Wir verurteilen jede Art von Übergriffigkeit und bitten euch: beteiligt euch nicht an öffentlichen Vorverurteilungen jeglicher Art denen gegenüber, die Anschuldigungen erhoben haben. Sie haben ein Recht auf ihre Sicht der Dinge. Wir, die Band, haben aber auch ein Recht – nämlich ebenfalls nicht vorverurteilt zu werden.“ Jüngst äußerte sich Rammstein-Schlagzeuger Christoph Schneider zu den Anschuldigungen.
Schulleiterin Kathrin Haase betont, dass nicht die Band Rammstein Pate der Schule ist, sondern Christian Lorenz als „Einwohner von Mühlenbeck“. Damals sei die Band zwar angefragt worden. Das Ehrenamt sei aber abgelehnt worden. Lediglich Christian „Flake“ Lorenz habe sich bereiterklärt, die Funktion als Mühlenbecker zu übernehmen. Er komme seiner Verantwortung auch regelmäßig nach, so Kathrin Haase. Lorenz nehme an Projektwochen und Ausstellungseröffnungen teil, stehe für Gespräche zur Verfügung und trete couragiert gegen Rechtsradikalismus, Fremdenfeindlichkeit, Respektlosigkeit und Gewalt ein. Es sei eine „gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe“.
Kein Thema im Unterricht
Der Fall Rammstein beschäftige zwar viele Schülerinnen und Schüler, weiß die Direktorin. Zum Unterrichtsthema wolle sie ihn aber noch nicht machen. „Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt. Solange noch nichts aufgeklärt ist, würde ich davon Abstand nehmen.“ Egal, welche Position man beziehe, es käme eben einer Vorverurteilung gleich. Und das widerspreche auch den Grundsätzen des schulischen Konzeptes gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Rammstein-Frontsänger Till Lindemann – hier bei einem Konzert im vergangenen Jahr – muss sich mit schweren Vorwürfen auseinandersetzen.
Malte Krudewig/dpaDer Umgang mit dem Thema ist klar geregelt
Grundsätzlich würden sich Kollegium und Schülerschaft aber über den Umgang mit Gewalt aller Art beschäftigen, „aber nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Debatte um die Band Rammstein“. Die Schulleiterin verweist dabei auch auf das Konzept der Einrichtung. Es steht laut Schulleiterin unter dem Leitmotiv „Wir schauen nicht weg, sondern handeln“. Dabei steht die gemeinsame Aufarbeitung von Konflikten im Mittelpunkt.
Ein Besuch von Christian „Flake“ Lorenz an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule steht nach Angaben von Kathrin Haase in nächster Zeit nicht an. In den schulischen Arbeitsgruppen zum Thema Courage wird derzeit unter anderem die fachübergreifende Projektwoche „Wider das Vergessen“ sowie die im November vorgesehene Kennlernwoche für die neuen Schülerinnen und Schüler vorbereitet.
Die Gesamtschule
Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Mühlenbeck ist eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, an der etwa 900 SchülerInnen unterrichtet werden, davon einige in besonderen interessengebundene Klassen in den Bereichen Informatik, Sport oder Ästhetik.
Sie wurde 2008 als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet. Mehr als 82 Prozent der Schülerschaft hat unterschrieben, couragiert aufzutreten und zu handeln sowie niemanden auszugrenzen.
Das Schulmotto lautet: „Der Stärkere hilft dem Schwächeren – wir sehen nicht weg.“
Podcast von Flake nicht gesendet
Unterdessen hat die Rundfunkanstalt „RBB“ die Zusammenarbeit mit dem Mühlenbecker „Flake“ offenbar auf Eis gelegt und für Dienstag, 13. Juni, geplante vorproduzierte Lorenz-Sendung „Tastenficker“ auf „Radio eins“ nicht gesendet. Begründet wurde das nach übereinstimmenden Medienberichten wie folgt: „Da Rammstein auf Tour sind, hatten wir eine vorproduzierte Sendung eingeplant, was jetzt bei der Debatte rund um Rammstein unangebracht erscheint. Flake sieht jedoch derzeit keine Möglichkeit, eine neue Sendung zu produzieren, in der auf die aktuelle Situation eingegangen werden kann. Deswegen hat Radio Eins in Absprache mit Flake entschieden, dass seine Sendung pausiert.“ Worum es in der aktuellen Sendung gegangen wäre, blieb offen. Unbekannt ist auch, wenn die Folge produziert wurde.

