Die Hilfsbereitschaft für die von Krieg betroffenen Menschen ist im Mühlenbecker Land ungebrochen. Nahezu täglich rollen Transporter an die polnisch-ukrainische Grenze und bringen Spenden aus Zühlsdorf, Schönfließ, Mühlenbeck und Schildow zu Menschen, die im Grenzgebiet ausharren. Auf dem Rückweg werden Flüchtlinge mitgenommen. Die Telefone im Rathaus stehen nicht mehr still.

Geburt im Schutzbunker

Dadurch vervierfachte sich die Zahl der Flüchtlinge, die im Mühlenbecker Land ankommen, innerhalb von nur 24 Stunden. Waren es am Dienstag noch 13 Personen, wurden am Mittwoch schon 56 Menschen untergebracht. Diese Zahl gilt allerdings nur unter Vorbehalt und kann sich stündlich ändern, denn immer wieder werden Menschen ohne Absprache mit der Gemeinde privat her- und untergebracht. „Es sind überwiegend Frauen und Kinder, darunter ein Baby, das zum Kriegsausbruch in einem Schutzbunker geboren wurde“, schildert Gemeindesprecherin Rita Ehrlich die aktuelle Situation.

Unterkünfte in allen Ortsteilen

Die Flüchtlinge wohnen jetzt in allen Ortsteilen – teils in Wohnungen, die von Privatpersonen zur Verfügung gestellt wurden, teils in extra dafür von der Gemeinde angemieteten, leer stehenden Objekten wie dem Zühlsdorfer Heidekrug. Letzterer wurde mit tatkräftigem Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Helfer wieder bewohnbar gemacht. Der neue Eigentümer stellt die Wohnungen mietfrei zur Verfügung.

Bürgermeister warnt vor Aktionismus

Bürgermeister Filippo Smaldino (SPD) ist überwältigt von so viel Engagement der Einwohner, warnt aber auch vor Hektik und Aktionismus. Er hat deshalb mit Volker Agüeras Gäng einen hauptamtlichen Koordinator benannt, bei dem die Fäden der lokalen Ukraine-Hilfe zusammenlaufen sollen. So sollen Reibungsverluste, die zu Frust führen können, vermieden werden. Bislang betreute Agüeras Gäng die Bürger- und Touristeninfo in der Hauptstraße. „Er steht auch als Idealist dahinter“, begründet der Bürgermeister seine Wahl. Denn ein 40-Stunden-Job sei das zurzeit nicht. Agüeras Gäng hatte sich vor sieben Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit der Gemeinde engagiert.

Koordinator eingesetzt

Wer helfen möchte, in welcher Form auch immer, kann sich mit Volker Agüeras Gäng von der Koordinierungsstelle im Mühlenbecker Land in Verbindung setzen. Dieser habe den Überblick und lenke jede Hilfe in die richtigen Bahnen. so der Bürgermeister. Die Gemeinde arbeite auch in enger Abstimmung mit dem Landkreis zusammen.

„Runder Tisch“ tagt regelmäßig

Für eine bessere Abstimmung der Helfer vor Ort, hat die Gemeinde einen „Runden Tisch Ukrainehilfe“ eingerichtet. Dieser tagt in regelmäßigen Abständen in der Bürger- & Touristinformation. „Das hat sich vor sieben Jahren auch bewährt“, so der Bürgermeister. Die Termine können beim Koordinator unter 033056 434733 ausgemacht werden. Per E-Mail ist Volker Agüeras Gäng unter ukrainehilfe@muehlenbecker-land.de zu erreichen.

Jede Wohnung wird überprüft

Inzwischen gibt es auch gut 60 Plätze für Flüchtlinge in privaten Wohnungen und Häusern im Mühlenbecker Land. Aus jedem Ortsteil kommen Angebote unterschiedlicher Art. „Wir prüfen alle Angebote“, erklärt der Flüchtlingskoordinator. So sollen Missverständnisse verhindert werden. Weil täglich mehr Menschen aus der Ukraine ankommen, werden weitere Unterkünfte benötigt. Da bei den Einwohner in diesem Zusammenhang viele Fragen auftauchen, lädt die Gemeinde am 15. März um 19 Uhr zu einem „Gastgeber-Treffen“ in den Schildower Bürgersaal ein.

Runder Tisch für Helfer

Einige Tage später ist auch ein Runder Tisch der Helferinnen und Helfer geplant, um weitere Aktionen und Maßnahmen abzusprechen und zu koordinieren. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.
Bürgermeister Smaldino dankt allen Helfern und Unterstützern aus der Gemeinde. Er hob unter anderem den Gewerbeverein Mühlenbecker Land mit seiner Initiative „Hand in Hand im Mühlenbecker Land“ rund um den Vorsitzenden Mathias Treffurt, hervor. Die Mitglieder seien schon von der ersten Krisenstunde an besonders rührig und kümmerten sich auf vielen Ebenen gleichzeitig um Hilfe für Ukrainer. So würden ehrenamtliche Helfer bergeweise Sachspenden, die mittlerweile in Schönfließ gelagert werden, bevor sie per Lastwagen zur ukrainischen Grenze gebracht werden, sammeln und sortieren. Außerdem halfen die Vereinsmitglieder bei der Renovierung und Ausstattung mehrerer Flüchtlingswohnungen.

Bewährte Strukturen

Auch der Flüchtlingshilfeverein Mühle United sei wieder mit großem Einsatz dabei. Zu den engagierten Helfern um die Vorsitzende Ulrike Haase gehören auch mehrere ehemalige Flüchtlinge, die selbst 2015 Zeugen der damaligen Gastfreundschaft im Mühlenbecker Land wurden und heute fester Teil der Gemeinde seien. „Die Solidarität im Mühlenbecker Land macht mich stolz“, sagt der Bürgermeister.
Schülerinnen und Schüler aus Mühlenbeck haben die Stele und das Umfeld vor dem Hort mit Friedenssymbolen geschmückt.
Schülerinnen und Schüler aus Mühlenbeck haben die Stele und das Umfeld vor dem Hort mit Friedenssymbolen geschmückt.
© Foto: Jürgen Liebezeit

Treffpunkt zum Austausch

Im Zühlsdorfer Heidekrug, den die Gemeinde komplett gemietet hat, will die Gemeinde ein neues Café Welcome und einen Mutter-Kind-Treff etablieren. Das hat schon vor sieben Jahren funktioniert. Damals war das Café in Schildow Anlaufstelle, Begegnungsstätte und Treffpunkt von Einwohnern und Geflüchteten. „Jetzt soll die Einrichtung, die ehrenamtlich betrieben wird, in Zühlsdorf den Menschen das Ankommen in unserer Gemeinde erleichtern“, erklärt der Bürgermeister. Er habe bereits Anfragen von geflüchteten Ukrainern, die in dem Café helfen möchten. Wann es eröffnet wird, steht noch nicht fest.

Besuch aus Polen

In gut zwei Wochen kommt auch der Bürgermeister der polnischen Partnergemeinde Skórzec nach Mühlenbeck. Er will sich persönlich für das große Engagement der Einwohner und der Gemeinde bedanken. Auf der Rückfahrt will er weitere Spenden, darunter auch ein weiteres Feuerwehrfahrzeug, mitnehmen.
Friedenssymbole sind an vielen Orten in Oberhavel zu sehen - hier im Rathaus Birkenwerder.
Friedenssymbole sind an vielen Orten in Oberhavel zu sehen - hier im Rathaus Birkenwerder.
© Foto: Jürgen Liebezeit

Auch Geldspenden werden gebraucht

Wer Sachspenden für die hier untergebrachten Geflüchteten abgeben möchte, wird gebeten, diese bei der Koordinationsstelle anzumelden und gegebenenfalls vorerst bis auf Abruf noch bei sich zu lagern. „Das Sinnvollste sind aus meiner Sicht nach wie vor Geldspenden, egal, ob für die Menschen hier vor Ort oder für diejenigen, die sich noch in der Ukraine befinden“, so der Koordinator. Die Gemeinde Mühlenbecker Land hat ein Spendenkonto eingerichtet. Die Kontonummer ist auf der Homepage der Gemeinde zu finden.:
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