Die Kenia-Koalition im Landtag will mit einem neuen Prüfauftrag an die Regierung Bewegung in die Debatte um Taktverdichtungen bei den S-Bahn-Linien ins Berliner Umland bringen. Das Papier, das die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Nicole Walter-Mundt aus Oranienburg, ausgearbeitet hat, soll in der kommenden Woche im Landtag diskutiert werden. Die Fraktionsspitzen von CDU, SPD und Bündnisgrünen hätten sich bereits am Montagabend auf die Inhalte verständigt, sagte Walter-Mundt am Dienstag in Oranienburg.

Was ist jetzt schon möglich?

Geklärt haben will die Landtagsabgeordnete dabei nicht nur, welche Investitionen für mehr S-Bahn-Verkehr in den Speckgürtel konkret nötig sind, sondern auch wo Taktverdichtungen schon kurzfristig auch ohne Ausbau der Infrastruktur möglich werden – unter welchen Bedingungen und zu welchen Kosten. „Wir müssen langsam nach vorne kommen und die nächsten Schritte einleiten. Dabei betrachten wir nicht nur die S-Bahnlinie 1 nach Oranienburg, sondern alle Außenäste nach Brandenburg“, erklärte die Verkehrspolitikerin. In den Fokus soll das Land deshalb auch die Strecken zwischen Berlin-Buch und Bernau (S2), Hoppegarten und Strausberg (S5) sowie Zeuthen und Königs Wusterhausen (S8) nehmen. „Wenn wir unsere Klimaziele ernst nehmen, müssen wir den Umstieg vom Auto auf die Bahn attraktiver gestalten“, sagte die Oranienburgerin. „Dafür müssen wir uns vor den Menschen auch ehrlich machen, welche Kosten damit verbunden sind und wo wir Prioritäten setzen müssen.“ Letztlich gehe es darum, zügig in die Genehmigungsplanung einsteigen zu können.

65 Prozent mehr Pendler als vor 20 Jahren

Absehbar bleibt aber, dass am Ende das Geld nicht reichen wird, um alle Wünsche bei Investitionen ins Schienennetz und Taktverdichtungen erfüllen zu können. Der Koalitionsantrag fordert deshalb von der Landesregierung auch, beim Bund mehr Geld für den Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs zu verlangen. „Wir sind das Pendlerland Nummer 1. Im vergangenen Jahr waren 311.000 Menschen täglich zwischen Berlin und Brandenburg unterwegs. Aus Brandenburg fahren täglich 223.000 in die Hauptstadt. Gegenüber dem Jahr 2000 bedeutet das eine Steigerung des Pendleraufkommens von rund 65 Prozent“, so die Verkehrspolitikerin. Brandenburger, die in Berlin arbeiten, seien auf eine funktionierende Infrastruktur im Nahverkehr angewiesen. Ziel der Koalition sei, den Anteil von Bus, Bahn und Radverkehr von derzeit 40 auf 60 Prozent im Jahr 2030 im Land zu erhöhen.

PlusBus von Oranienburg nach Bernau?

Dafür, so fordert es ein zweiter Koalitionsantrag, soll auch das PlusBus-System ausgebaut werden. Bislang gibt es 31 Linien, die Menschen aus Städten und Gemeinden ohne Bahnanschluss im Stundentakt zu den Bahnhöfen bringen und Querverbindungen zwischen den Landkreisen schaffen. Die Zahl der Linien soll verdoppelt werden, sagte Nicole Walter-Mundt. Vor allem hofft sie, dass auch der Landkreis Oberhavel in das PlusBus-System einsteigt. Oberhavel gehört zu nur drei Landkreisen in Brandenburg ohne PlusBus. „Der Entwurf für das Mobilitätskonzept sieht ihn erst ab dem Jahr 2023 vor. Das ist mir zu spät. Mir wäre es lieber, schon im kommenden Jahr zu starten.“ Immerhin unterstütze das Land jeden PlusBus-Kilometer mit 40 Cent. Mit dem PlusBus könnte auch ein jahrelanger Wunsch erfüllt werden. Die Bündnisgrünen im Kreis fordern schon eine lange direkte Busverbindung von Oranienburg über Wandlitz nach Bernau und zurück.