Schüler-Demos
: Wer für Klimaschutz streikt, riskiert eine „6“

Schüler, die sich an den „Fridays-for-Future“-Demos für mehr Klimaschutz beteiligen, müssen mit schlechten Noten rechnen.
Von
Burkhard Keeve
Oranienburg
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Demonstrieren gern, aber nicht nur Unterrichtszeit.

dpa

Allein zehn Schülerinnen und Schüler der Physikklasse 9/1 des Louise-Henriette-Gymnasiums in Oranienburg überlegen, die Schule zu schwänzen, um sich in der Hauptstadt um 12 Uhr auf dem Invalidenplatz an der Demonstration für den Umweltschutz zu beteiligen. Leicht fällt die Entscheidung weder den Schülern noch den Eltern. „Wenn wir am Streik teilnehmen, müssen wir mit einer 6 rechnen, weil an diesem Freitag ein Protokoll in Physik verlangt wird“, sagt eine Neuntklässlerin am Louise-Henriette-Gymnasium, die lieber nicht genannt werden will. Auch ihre Mutter befindet sich in einem Dilemma. Sie will ihrer Tochter nicht verbieten, an der Aktion teilzunehmen. „Eigentlich finde ich es sogar sehr gut, wenn sie sich für etwas einsetzt. Aber einen legalen Weg, sie vom Unterricht zu befreien, gibt es offensichtlich nicht“, so die Mutter. Mit einem unentschuldigten Fehltag auf dem Zeugnis könne sie leben, aber eine schlechte Note zu riskieren, hält die Mutter für den falschen Weg.

Auch eine offizielle Freistellung vom Unterricht für eine Demonstration  ist ausgeschlossen. Das stellt Schulleiterin Gabriele Schiebe vom Louise-Henriette-Gymnasium klar. „Es gibt klare Vorschriften.“ Eine Freistellung würde nur bei Trauerfällen, Teilnahme an Wettbewerben und Familienfeiern genehmigt. „Streiks sind in der Verordnung nicht vorgesehen“, so Schiebe. Die Schule ist „gezwungen, die Schulpflicht durchzusetzen“ und eine Missachtung konsequent zu ahnden. Wer ohne Entschuldigung fehlt, gilt als unentschuldigt. Wer als Schüler unentschuldigt bei einem Test, einer Klausur oder ähnlichen notenrelevanten Prüfungen fehlt, erhält eine 6. „Auch wenn das Engagement der Schüler aller Ehren wert ist, muss ich als Schulleitung so reagieren, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Gabriele Schiebe.

Auch Eltern „haben die Schulpflicht ihrer Kinder durchzusetzen“ erinnert Schiebe. „Wir müssen wissen, wo die Kinder sind. Ist ein Kind krank, wird bei uns morgens angerufen. Alle halten sich daran.“ Möglicherweise sind an diesem Freitag viele Schüler krank.