Sepsis in Mühlenbeck: Mattis (12) verliert Hände und Füße, Kampf zurück ins Leben

Mattis (12) aus Mühlenbeck mussten nach einer Blutvergiftung beide Hände und Füße amputiert werden. Die Anteilnahme an seinem Schicksal ist groß. Wie es dem Jungen geht.
Natalie Görz- Zwölfjähriger aus Mühlenbeck verlor nach Salmonellen-Sepsis Hände und Füße.
- Nach künstlichem Koma wachte Mattis am 17. Juni auf – Geburtstag im Krankenhaus.
- Im Juli folgten Amputationen, Anfang August Wechsel auf die Normalstation.
- Spendenaktion via Gofundme brachte knapp 130.000 Euro für Umbauten und Prothesen.
- Reha ist für September geplant, Ergotherapie-Kapazitäten im Krankenhaus sind begrenzt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn das Wort Kämpfer auf jemanden zutrifft, dann auf den zwölfjährigen Mattis aus Mühlenbeck. Nach einer Salmonellen-Sepsis mussten dem Jungen beide Hände und beide Füße amputiert werden. Inzwischen hat er die Intensivstation verlassen.
Der 3. Juni 2026 veränderte das Leben des Jungen und seiner Familie innerhalb weniger Stunden. Schon am Tag zuvor hatte sich Mattis unwohl gefühlt: Fieber, Erbrechen, Bauchschmerzen. Er blieb zu Hause. Doch sein Zustand verschlechterte sich weiter. Beim Kinderarzt dann der Schock: Verdacht auf Sepsis.
Mattis kam auf die Intensivstation in Berlin-Buch. Sein Zustand war lebensbedrohlich. Eine Blutvergiftung. Die nächsten 24 Stunden sollten über Leben und Tod entscheiden. Mattis kämpfte. Doch seine Organe versagten. Die Ärzte versetzten ihn in ein künstliches Koma. Zehn Tage lang rang der Zwölfjährige erneut ums Überleben.
Mattis kann nach Amputation Intensivstation verlassen
Am 17. Juni wachte Mattis auf. Einen Tag später konnte er seinen zwölften Geburtstag im Krankenhaus feiern. Doch kurz darauf folgte die nächste Hiobsbotschaft: Das Gerät, das seinen Körper während des Komas mit Sauerstoff versorgt hatte, konnte nicht alle Körperregionen gleich gut erreichen. Im Juli mussten ihm zunächst die Hände, später auch die Füße amputiert werden.
Anfang August konnte Mattis schließlich die Intensivstation verlassen und auf die normale Station verlegt werden. „Mit seiner Mama und der Familie kann er immer wieder raus aufs Klinikgelände, an die frische Luft“, sagt Ariane Eybe. Sie ist seit mehr als 25 Jahren mit Mattis’ Mutter befreundet und hat über Gofundme einen Spendenaufruf für die Familie gestartet.
Knapp 130.000 Euro sind inzwischen zusammengekommen, um Mattis und seinen Angehörigen das Leben nach diesem schweren Schicksalsschlag etwas zu erleichtern. „Die Familie ist unglaublich dankbar, wie großzügig die Spender sind“, sagt Ariane Eybe. Sie übernimmt derzeit die Kommunikation nach außen. Die Familie selbst wolle ihre ganze Kraft auf Mattis und den engsten Kreis richten – ohne zusätzliche Ablenkung und Verpflichtungen.
„Es ist ein großes Gefühlskarussell für die Familie.“ Das Auf und Ab der vergangenen Wochen müsse erst verarbeitet werden, auch wenn derzeit wohl noch alle im Funktionsmodus seien. Mattis’ Zustand habe sich aber verbessert. „Die Wundheilung funktioniert so weit nach Plan“, berichtet die Freundin der Familie, die regelmäßig mit Mattis’ Mutter in Kontakt steht.
Schwieriger gestalte sich derzeit die Ergotherapie. Im Krankenhaus seien die Kapazitäten begrenzt. „Es könnte mehr sein“, so Ariane Eybe. „Es wäre schön, wenn es jemanden gäbe, der für die Ergotherapie in die Klinik fahren könnte.“

Das Logo für die Spendenaktion „Gemeinsam für Mattis“, die Ariane Eybe ins Leben gerufen hat.
Natalie GörzDabei geht es auch um Mattis’ Selbstständigkeit. Sein Großvater hat ihm bereits eine zweite Hilfskonstruktion gebaut. Mit der ersten konnte der Junge auf dem Tablet spielen. Das neue Hilfsmittel ist mit einer Gabel und einem Löffel ausgestattet. „So konnte er schon mal Pommes essen und Joghurt löffeln.“ Jeder kleine Fortschritt sei wichtig – zumindest solange, bis die Prothesen da sind.
Mattis freut sich über jeden Besuch. Seit zweieinhalb Monaten liegt er nun im Krankenhaus. Die Anteilnahme an seinem Schicksal ist groß. So schickte ihm unter anderem sein Lieblingsspieler vom FC Bayern, Jamal Musiala, ein T-Shirt – verbunden mit dem Versprechen eines Treffens. „Die Arbeitskollegin seiner Oma hat das alles organisiert“, erzählt Ariane Eybe. Für Mattis, der leidenschaftlich Fußball beim SV Mühlenbeck spielt, sei das eine willkommene Ablenkung.
Denn natürlich sei der Krankenhausalltag für den aufgeweckten Jungen oft auch langweilig. Seinen Ehrgeiz hat er sich trotzdem bewahrt. Er habe bereits etwas für die Schule gemacht und Vokabeln gelernt. „Wenn es nach ihm ginge, würde er sofort wieder in die Schule.“ Seine Klassenlehrerin brachte ihm inzwischen das Zeugnis vorbei. Wahrscheinlich wird Mattis das zweite Halbjahr der sechsten Klasse wiederholen.
Vorher soll es allerdings in die Reha gehen. „Im September könnte es soweit sein“, sagt Ariane Eybe. Einer von Mattis’ größten Wünschen sei es, einmal mit Delfinen zu schwimmen. Sie hofft, auch das mithilfe der Spenden ermöglichen zu können.
Zunächst wird das Geld aber wohl vor allem in Umbauten am Haus fließen. Die Zuwegung muss erneuert, das Bad an Mattis’ Bedürfnisse angepasst werden. Für den Elektrorollstuhl wird womöglich sogar ein neues Auto benötigt.
Offen ist auch noch, welche Prothesen für Mattis infrage kommen und welchen Anteil die Krankenkasse übernehmen wird. „Wir wollen Mattis alles so einfach wie möglich machen, um ihm so viel Selbstständigkeit wie möglich zu ermöglichen.“ Welche finanziellen Folgekosten noch entstehen, lasse sich derzeit kaum abschätzen.
Sicher ist bislang nur eines: Mattis wird weiterkämpfen. So groß die Unterstützung von außen auch ist, so groß ist auch die Dankbarkeit der Familie – die nun vor allem etwas Ruhe braucht. Denn für Mattis beginnt der wohl schwerste Kampf: zurück in ein möglichst selbstständiges Leben.


