Ein Schild weist am Eingang vom "Wald- und Seegut" auf die Sperrung hin. "Da wir die Verkehrssicherheit nicht in ausreichendem Maße gewährleisten können, ist das öffentliche Baden mit sofortiger Wirkung leider nicht mehr möglich", steht dort. Weiter: "Wir sind in Gesprächen, um zeitnah eine tageweise Lösung herbeiführen zu können." Das bestätigt die Seelodge zwar auf Nachfrage. Weiter äußern möchte man sich aber vorerst nicht. Es gebe Gespräche mit dem Bürgermeister.
Das bestätigt Rathauschef Sebastian Busse (CDU) in einem Facebook-Post. "Der Eigentümer arbeitet aber schon an einer bezahlbaren Lösung, dass eventuell an einigen Tagen gebadet werden kann", schreibt er. Der Hintergrund ist offenbar die Steganlage, die durch eine nicht ausreichende Wassertiefe ein hohes Verletzungsrisiko mit sich bringt. Ohne Bademeister respektive Rettungsschwimmer würde bei Unfällen der Eigentümer haften. Robert Baumgart übernahm im vorigen Jahr einen Erbbaupachtvertrag für das Gelände.
Ortsvorsteher Koop kann die rechtliche Situation nachvollziehen, die öffentliche Kommunikation eher weniger. "Wir als Ortsbeirat können da auch nichts machen, das kann nur der Bürgermeister mit dem Eigentümer aushandeln", sagt Koop. "Sie müssen eine Regelung finden, um den öffentlichen Zugang auch weiterhin zu gewährleisten." Er selbst habe ein gutes Verhältnis zu Baumgart, der ihm zweimal bei der Ausrichtung des in diesem Jahr ausfallenden Neptunfestes unter die Arme griff. Dennoch bedauere er die aktuelle Entscheidung. "Die Badestelle ist Kremmens liebstes Kind", so Koop. "Wenn das jetzt so zementiert wird und das Baden nicht mehr möglich sein sollte, verliert die Stadt einen touristischen Anziehungspunkt." Gerade in Bezug auf den Wassertourismus, den Rathauschef Busse seit Jahren voranbringen will.
Vor einigen Jahren verschwand schon ein Projekt am See. Anfang der 2000er-Jahre wurde ein Naturlehrpfad angelegt. "10 bis 15 ABM-Kräfte waren hier zwei Jahre beschäftigt", erinnert sich Koop. Die Entwicklung der Erde sollte erlebbar gemacht werden. "Mittlerweile ist alles wirklich wieder zur Natur zurückgekehrt." Vom Pfad ist kaum etwas geblieben.
Seit einigen Jahren sind Kommunen in Besorgnis, was ihre Badestellen betrifft. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2017. Ein Mädchen (12) hatte in einem kommunalen Freibad einen Unfall. Es trug Hirnschäden davon. Aus dem Urteil zitiert Kommunal-Chefredakteur Christian Erhardt in einem Artikel: "Wer eine Gefahrenquelle schafft, hat eine Verkehrssicherungspflicht." Das Bundesgerichtshof habe für das Mädchen und gegen die Kommune entschieden. "Im Klartext", so Erhardt, "Handelt es sich um einen See mit einem Steg oder einem sonstigen Anleger, ist die Kommune in der Pflicht." Das sei die Rechtsauslegung des Kommunalen Schadenausgleichs.