Sperrung Autobahn A100 in Berlin
: Frust auch in Brandenburg – B96 und A111 überlastet?

Die Sperrung der Autobahn A100 am Berliner Funkturm trifft Pendler und die Logistik-Branche in Oberhavel hart. Auf der B96 und A111 nehmen die Stauprobleme zu. Gibt es Alternativen?
Von
Jürgen Liebezeit
Hohen Neuendorf
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Illustration - Autobahndreieck Funkturm

Chaos nach der Brückensperrung auf der Autobahn A100 in Berlin. Für Lkw-Fahrer ist die Situation am Dreieck Funkturm in Berlin kompliziert. Darauf reagieren auch Speditionen rund um Hohen Neuendorf, Oranienburg und Hennigsdorf.

Christoph Soeder/dpa
  • Sperrung der A100 am Berliner Funkturm führt zu Staus auf B96 und A111.
  • Logistikbranche und Pendler in Oberhavel betroffen; längere Fahrzeiten und höhere Kraftstoffkosten.
  • Agip-Tankstelle an A111 klagt über 20% Umsatzrückgang.
  • Bürgermeister von Glienicke kritisiert B96-Umleitung als problematisch.
  • Energiehändler BHM Beyer testet neue Wege, um Staus zu umgehen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Pendler aus Oberhavel, die über die A111 und die B96 nach Berlin fahren, sind täglich mit Staus konfrontiert. Seitdem die Autobahn A100 am Berliner Funkturm wegen der maroden Ringbahnbrücke gesperrt ist, stehen große Teile der Logistik-Branche in Oberhavel, aber auch Pendler auf der B96 und der A111 vor großen Problemen.

Längere Fahrzeiten durch Staus oder andere Routen sowie Mehrausgaben wegen gestiegenen Verbrauchs von Kraftstoffen sind nur zwei Beispiele.

Dabei gibt es auch gegensätzliche Entwicklungen, weil sich neue Verkehrsströme entwickeln. So ist die aktuelle Lage und das sind die Tipps der Tourenplaner.

Tankstelle an A111 in Hohen Neuendorf mit Umsatzeinbußen

Die Agip-Tankstelle an der Rastanlage Stolper Heide an der A111 in Hohen Neuendorf beklagt seit der Brückensperrung in Berlin einen Umsatzrückgang von 20 Prozent. „Viele meiden diese Strecke inzwischen“, erklärt sich Stationsleiterin Manuela Noah die neue Situation. „Es ist richtig schlimm für uns. Das ist schon fast existenzbedrohend“, sagt die Chefin von 17 Mitarbeitenden.

Nicht nur der Kauf von Benzin und Diesel sei rückläufig, auch der Konsum von Kaffee, Snacks und Getränken gingen zurück. Sie führt das auf der einen Seite auf die geringere Frequenz seit der Brückensperrung am Funkturm, aber auch auf die allgemeine Preissteigerung in Deutschland zurück. „Im Moment ist es schlimmer als zu Corona-Zeiten“, beklagt sie die aktuelle Situation.

Bürgermeister von Glienicke hält B96-Route für Schnapsidee

Die Einbußen an der Autobahntankstelle an der Landesgrenze zu Berlin verwundern, weil das Autobahnamt Nordost in Stolpe auf einer Karte mit alternativen Routenempfehlungen nicht nur den gesamten Berliner Ring als Umleitungsstrecke empfiehlt. Neben der B5 über Spandau werden auch die A111 und die B96 in Oberhavel ausdrücklich erwähnt. Das müsste in Stolpe eigentlich zu mehr Betrieb führen. „Das ist aber leider nicht eingetreten, eher das Gegenteil“, sagt Stationsleiterin Noah.

Viele freie Zapfsäulen an der Tankstelle "Stolper Heide" an der A111: Seit der Sperrung der A100-Brücke in der Hauptstadt Berlin geht der Umsatz zurück. Die Strecke wird gemieden.

Viele freie Zapfsäulen an der Tankstelle Stolper Heide an der A111: Seit der Sperrung der A100-Brücke in der Hauptstadt Berlin geht der Umsatz zurück. Die Strecke wird gemieden.

Jürgen Liebezeit

Glienickes Bürgermeister Dr. Hans-Günther Oberlack (FDP) hält es für eine Schnapsidee, zusätzliche Fahrzeuge auf die chronisch verstopfte B96, die auch durch seinen Ort führt, zu lenken. „Das führt zu noch mehr Problemen für Pendler und Anlieger“, so der Rathauschef. Die B96 auf Höhe der Landesgrenze gilt als Stauschwerpunkt. Der Abschnitt bei Frohnau gehörte 2022 zu den häufigsten Stau-Schwerpunkten in Deutschland.  Aktuell behindern zahlreiche Baustellen zwischen Hohen Neuendorf und Kurt-Schumacher-Damm in Berlin-Tegel den Verkehrsfluss.

Energiehändler aus Hohen Neuendorf testet neue Wege

Auch auf der A111 kommt es noch bis zum 4. April in beiden Fahrtrichtungen tagsüber (7 bis 16 Uhr) zu Verkehrsbeeinträchtigungen. Grund sind temporäre Baustellen in dem Abschnitt. Aber nicht nur deshalb meiden die Lkw-Fahrer des Energiehändlers BHM Beyer aus Hohen Neuendorf die A111. Das Familien-Unternehmen hat viele Kunden im Süden und Westen von Berlin. Entsprechend häufig müssen die sieben Tanklaster quer durch die Hauptstadt fahren. 80 Prozent der Touren müssen durchs Nadelöhr.

Weiträumig umfahren: Hier die Umleitungskarte, die vor allem für Lkw-Fahrer gilt.

Die Sperrung der Autobahn A100 in Berlin weiträumig umfahren: Hier die Umleitungskarte, die vor allem für Lkw-Fahrer gilt.

Karte: VIZ / Repro: Jürgen Liebezeit

„Wenn wir weiterhin über das Dreieck Funkturm fahren, verlieren unsere Fahrer zwei Stunden pro Tag“, musste Vertriebsleiter Patrick Wnuczek schnell registrieren und deshalb umplanen. Jetzt starten die Fahrzeuge schon morgens vor dem Berufsverkehr, um wenigstens den Stau durch Büropendler zu vermeiden. Der erste Kunde wird schon um 6 Uhr beliefert. Tagsüber müssen sich die Fahrer dann dennoch durch die überfüllten Straßen der Hauptstadt quälen.  Vor der Brückensperrung konnten 13 bis 14 Kunden am Tag beliefert werden. Aktuell sind es fünf weniger.

Auf dem Rückweg nach Hohen Neuendorf empfiehlt der Vertriebsleiter seinen Fahrern, über den Berliner Ring A10 auszuweichen. „Dann ist die Strecke zwar länger, aber der Zeitverlust hält sich in Grenzen.“ Zu Mehrkosten führt der Umweg aber trotzdem. Im Gegenzug werden die Nerven der Mitarbeiter geschont, wenn es rollt.

Patrick Wnuczek, Vertriebsleiter beim Energiehändler "BHM Beyer" aus Hohen Neuendorf, muss neue Wege für die Tanklaster finden, um dem Stauchaos am Dreieck Funkturm in Berlin auszuweichen. Aber das funktioniert nicht immer.

Patrick Wnuczek, Vertriebsleiter beim Energiehändler "BHM Beyer" aus Hohen Neuendorf, muss neue Wege für die Tanklaster finden, um dem Stauchaos am Dreieck Funkturm in Berlin auszuweichen. Aber das funktioniert nicht immer.

Jürgen Liebezeit

Patrick Wnuczek betrachtet die aktuelle Verkehrssituation als eine Art Generalprobe für den Winter und für den Fall von weiteren Brückensperrungen in Berlin. „Wenn es wärmer wird, wird auch weniger Heizöl bestellt. Da haben wir im Fahrplan etwas Luft und können neue Dinge ausprobieren“, erklärt er.

Der Vertriebsexperte geht davon aus, dass die A100 und die A111 die nächsten Jahre zu Dauerbaustellen werden. Wnuczek verweist nicht nur auf die marode Brücke am Funkturm, sondern auch auf den geplanten Umbau der Westend-Brücke und der Rudolf-Wissell-Brücke auf der A100 sowie auf die Grundsanierung der A111, die frühestens 2026 starten soll.

Die Autobahn GmbH hatte die Ringbahnbrücke auf der A100 am 19. März überraschend gesperrt, weil sich ein Riss im Tragwerk der Brücke unerwartet vergrößert hatte. Infolge der Sperrung kam es an dem bundesweit wichtigen Verkehrsknoten zu Chaos. Die Auswirkungen sind bis nach Oberhavel zu spüren, auch wenn es seit kurzen in Richtung Norden eine Fahrspur auf der Gegenfahrbahn gibt. Die Spur darf aber nicht von Lkw mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen genutzt werden. Es gibt ein weiträumiges Umleitungskonzept.

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