Stadtentwicklung
: Wohnen und Gewerbe am Schloss geplant

Neubaupläne für die Brachflächen gegenüber dem Schloss: Die städtische Woba präsentiert erste Entwürfe.
Von
Friedhelm Brennecke
Oranienburg
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Viel Platz für die Blechlawine: Die Brachflächen gegenüber vom Schloss, also mitten im Herzen Oranienburgs, verdienen schon lange eine urbane Bebauung, die dem barocken Stadtgrundriss angepasst ist.

Friedhelm Brennecke

Jetzt hingegen sollen erste Architekten-Entwürfe vorliegen, wie die städtischen Flächen zwischen Berliner Straße und Breite Straße sowie Havelstraße und Blutgasse gestaltet werden könnten. „Ja, es gibt einen ersten Vorentwurf, wie dieser zentrale Bereich der Innenstadt mal aussehen könnte“, sagt Woba-Geschäftsführer Bernd Jarczewski, ohne allerdings zu viel preiszugeben. Was aber kann der Öffentlichkeit schon mal vorgestellt werden?

100 neue Wohnungen

Es ist eine Blockrandbebauung zu den beiden wichtigen Verkehrsachsen vorgesehen. Die durchgehende Bebauung wird allerdings an beiden Seiten versetzt unterbrochen, sodass man einen Blick von der Berliner Straße als auch von der Breiten Straße in den Innenhof erheischen kann. Fünf Geschosse sind im südlichen Bereich geplant, zum Schloss hin werden es dann nur noch zwei Stockwerke.

Gewerbeflächen für Handel, Dienstleistung und Gastronomie in der Erdgeschossebene, darunter ein größerer Laden mit bis zu 800 Quadratmetern, sollen mehr Leben in die Innenstadt bringen.  Die oberen Geschosse würden Platz für zirka 100 Wohnungen bieten. Eine Tiefgarage mit rund 120 Plätzen soll die Autos unter die Erde verbannen. Doch bevor diese Vorstellung Realität wird, sind noch einige Hausaufgaben zu erledigen, gibt Jarczewski zu bedenken. So müsse geklärt werden, ob für das Vorhaben ein eigener Bebauungsplan nötig ist. Schließlich wäre es förderlich, wenn sich die Stadtväter dazu bekennen würden und die Woba das Projekt voranbringen dürfte. Da zwei Drittel der Fläche  archäologisch jedoch nicht untersucht worden seien, bleibe zu klären, ob eine Tiefgarage dort überhaupt eine Chance habe.  Jarczewski geht bei den jetzigen Plänen von Investitionen in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euro aus. „Wir sollten an dieser zentralen Stelle der Innenstadt mal zu Potte kommen“, findet der Woba-Chef und würde seiner Heimatstadt wünschen, dass endlich Bewegung in dieses Thema kommt.

Würden die genannten Pläne realisiert, blieben aber immer noch weitere Brachflächen gegenüber dem Schloss frei. Auf das westlich der Stadtbibliothek gelegene Woba-Grundstück hat die Oranienburg-Holding ein Auge geworfen. Ein neuer Standort der Stadtwerke und weiterer Holding-Unternehmen könnte dort entstehen. Manche liebäugeln sogar mit einem kompletten technischen Rathaus, andere könnten sich dort auch das Bürgeramt der Stadtverwaltung vorstellen. Die Planungen  stecken offenbar noch in den Kinderschuhen.

Zu hören ist sogar, dass für all‘ diese Überlegungen der Platz nicht ausreiche und das Grundstück unmittelbar vor dem Schlossplatz, wo einst das legendäre Hotel Eilers stand, noch mit einbezogen werden müsste. Solange dieses unklar und auch noch nicht entschieden ist, wie die übrigen Freiflächen zwischen Berliner Straße und Nehringstraße – dort hatte die Woba voriges Jahr alte Bausubstanz abgerissen – genutzt werden sollen, will Jarczewski auch die beiden  Woba-Häuser Berliner Straße 6 und 8 nicht sanieren. „Bevor wir dafür Geld in die Hand nehmen, wollen wir gern wissen, wie sich das unmittelbare Umfeld entwickeln soll“, sagt der Woba-Chef.

Einkaufszentrum verworfen

Nach der Wende war auf den Flächen gegenüber vom Schloss das Atriumshoppingcenter, das die Berliner Franke-Gruppe bauen wollte, geplant. Die Pläne lösten sich bald in Luft auf.

Weitere Versuche, Investoren für das Areal zu gewinnen, die es hochwertig bebauen sollten, scheiterten.

Einen letzten Anlauf für den Bau eines Einkaufszentrums gab die ten-Brinke-Gruppe Ende 2013 auf.  Mitte 2013 hatte das Unternehmen rund 50 Prozent der zu schaffenden Verkaufsfläche durch Optionsverträge an Mieter gebunden. Doch ein Textilanbieter als Ankermieter ließ sich nicht finden. Die Stadt Oranienburg verabschiedete sich danach von den Plänen für das Schlossplatzcenter.⇥bren